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Wurde Webern von Binchois unterrichtet? - Lehrer-Schüler-Beziehungen in der Musikgeschichte

Unbekannt Donnerstag, 3. September 2009, 08:31
Ein anderer meiner Threads, die hier vielleicht besser aufgehoben wären:

Ich möchte euch hier einer meiner Hobbys vorzustellen:

nämlich die Meister-Schüler-Beziehungen der Musikgeschichte aufzuspüren und sie in einer Kette anzuordnen. Da konnte ich dann eine ungebrochene Kette ermitteln, die von Antoine Busnois bishin zu Anton Webern oder noch weiter bis Karl Amadeus Hartmann reicht. Vor allem an Anfang basiert leider viel auf Vermutungen, doch alles musikwissenschaftlich gestützt:

Nämlich:

Gilles Binchois (ediert: Busnois und Binchois - die beiden verwechsle ich immer!!! :cursing: - (?) Johannes Ockeghem - (?) Josquin Desprez - (?) Jean Mouton - Adrian Willaert - Marc'Antonio Ingegneri -
- Claudio Monteverdi - (?) Giovanni Rovetta - (?) Giovanni Legrenzi - Antonio Lotti - Giovanni B. Pescetti - Antonio Salieri -
- Simon Sechter - Ignaz von Seyfried - Franz Krenn - Alexander von Zemlinsky - Arnold Schönberg - Anton Webern - Karl Amadeus Hartmann.

So einfach ist das. Natürlich birgt diese Reihe noch andere Komponisten:

Sechter war z.B. bekanntlich der Lehrer von Anton Brucker, von ihm führt die Linie weiter zu Hans Rott.
Dann:

Salieri - Ludwig van Beethoven
aber auch: - Leopold Hummel - Karl Schumann

Oder:

Adrian Willaert - Andrea Gabrieli - Giovanni Gabrieli - Heinrich Schütz - Johan Jakob Löwe - Johann Sebastian Bach - Gottfried A. Homilius - Christian Ehregott Weinling - Christian Theodor Weinling - Richard Wagner.

Und:

Heinrich Schütz - Johann Schelle - Friedrich W. Zachow - Georg F. Händel.

:D Wie gefällt's euch?
Unbekannt Donnerstag, 3. September 2009, 08:33
Nun.

1) Ich habe einen weiteren Strang zu Bach enteckt:

Binchois - Ockeghem - Josquin - Willaert - A. Gabrieli - G. Gabrieli - G. Valentini - J. C. Kerll - Kaspar Prentz - J. Pachelbel - J. Chr. Bach - J.S. Bach

2) Hab auch Biber nachgeforscht:

Binchois - Ockeghem - Josquin - C. Goudimel - ein gewisser Pietro Aloisio Sante (aka Palestrina) - G. M. Nanino - G.M. Anerio

(eigentlich kann ich nur Felice Anerio nachweisen, aber der jüngere Bruder dürfte auch bei Nanino gelernt haben)

- A. Bertali

(eigentlich wieder nur Vermutung von mir: Anerio war gerade der Domkapellmeister in Verona, als Bertali dort lernte, er müsste also sein Lehrer gewesen sein, zwar hab ich dass nirgedwo geschrieben gefunden)

- J. H. Schmelzer

- es gibt eine Vermutung H.I.F. Biber sei der Schüler entweder von Bertali oder von Schmelzer, oder gar von beiden gewesen.

Weiterhin: Es kann vermutet werden dass J.J. Fux ein Schüler von Schmelzer war (das belegt z.B., dass sein Trauzeuge A.A. Schmelzer, Sohn des Komponisten war).

Fux war der Lehrer von Georg Christoph Wagenseil, dessen Schüler war Johann Baptist Schenk, dieser unterrichtete L.v. Beethoven!
Unbekannt Donnerstag, 3. September 2009, 08:33

Zitat

Gilles Binchois - (?) Johannes Ockeghem - (?) Josquin Desprez - (?) Jean Mouton - Adrian Willaert - Marc'Antonio Ingegneri - Claudio Monteverdi - (?) Giovanni Rovetta - (?) Giovanni Legrenzi -
- Antonio Caldara - Georg Reutter - Joseph Haydn - Ludwig van Beethoven
- Michael Haydn - Carl Maria von Weber
Unbekannt Donnerstag, 3. September 2009, 08:34
Nicolo Dorati (? - wahrscheinlich) - Cristofano Malvezzi (? - wahrscheinlich) - Jacopo Corsi - Petronio Franceschi - Giocomo Antonio Perti - Giovanni Battista Martini - Giuseppe Sarti - Luigi Cherubini - Jaques Fromental Halévy - Antoine Francois Marmontel - mehrere berühmte unter anderen:
- Georges Bizet;
- Claude Debussy; und:
- Vincent D'Indy - wieder mehrere:
- Erik Satie;
- Albert Roussel;
- Edgar Varese - André Jolivet

Ein anderer Strang:

(zurückgehend)

Maurice Duruflé - Louis Vierne - Charles-Marie Widor - Francois-Joseph Fetis - François-Adrien Boieldieu - Charles Broche - Armand-Louis Couperin - Nicolas Couperin - Louis Couperin - Jacques Champion de Chambonnières (Sohn) - Jacques Champion de Chambonnières (Vater) - ?

Es gibt auch den Strang:

Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen, Iannis Xenakis - Olivier Messiaen - Marcel Dupré - Charles Marie Widor - usw.

Bei dem dieser Nicolo Dorati gelernt hat, konnte ich beim besten Willen nicht herausfinden... :D
Unbekannt Donnerstag, 3. September 2009, 08:35
AH!

Ich kann Duruflé an Nicolo Dorati anknüpfen:

Maurice Duruflé - Charles Tournemire - Vincent D'Indy - Antoine Francois Marmontel - ...

Ein weiterer Strang führt von D'Indy zu Fux!

Vincent D'Indy - César Franck - Anton Reicha - Joseph Reicha - Georg Joseph Werner - Johann Joseph Fux - ?
Unbekannt Donnerstag, 3. September 2009, 08:36

Zitat

Vincent D'Indy - César Franck - Anton Reicha - Joseph Reicha - Georg Joseph Werner - Johann Joseph Fux - ?
und wenn Schmelzer bei Fux zugelassen wird (Köchel vermutet die Beziehung in seiner Biographie): dann geht's locker zurück bis Binchois:

- J. H. Schmelzer - Antonio Bertali - usw. wie oben.

Damit sind unter anderem folgende Komponisten in einem Strang zu sehen:

Ockeghem, Josquin, Palestrina, Fux, Franck, D'Indy, Duruflé - sieht ihr was ich sehe? Erkennt ihr die Gemeinsamkeiten?
Unbekannt Donnerstag, 3. September 2009, 09:00
Moin!

Mit dieser Art von geradliniger Beziehung habe ich aber gewaltige Probleme.
Da entfaltet sich im Laufe der Zeit doch eher ein undurchdringliches Geflecht, das von mehrgliedrigen Beziehungen und Sprüngen, die auch mal mehrere Generationen groß sein können, bestimmt wird.

Wenn wir aus dieser Reihenfolge
Adrian Willaert - Andrea Gabrieli - Giovanni Gabrieli - Heinrich Schütz - Johan Jakob Löwe - Johann Sebastian Bach - Gottfried A. Homilius - Christian Ehregott Weinling - Christian Theodor Weinling - Richard Wagner.


nur mal den JSB nehmen, wird es schon kritisch.
Zumal Löwe als Lehrer musikwissenschaftlich nun gerade nicht so unbedingt in Frage kommt. Wenn man Schütz da reinbringen möchte, ist wohl am ehesten Bachs Lektüre von Christoph Bernhard wirksam.
Homilius ist als Bachschüler auch nicht unumstritten. jedenfalls gibt es m. W. keine zeitgenössischen Dokumente, die das belegen. Vielleicht war er ein Enkelschüler Bachs, aber auch das ist nicht gesichert.
Bachs erster Lehrer war sein großer Bruder, dann mit großer Wahrscheinlichkeit Georg Böhm, danach der Einfluss Buxtehudes. Das weitaus Meiste hat er sich in der Folge selbst durch Literatur- und Notenstudium beigebracht. Später werden seine 'Lehrer' immer älter, bis man am Ende Palestrina und Frescobaldi als solche bezeichnen könnte.
Und wenn man sich ansieht, was von ihm ausgeht, kann man ohne allzu große Probleme die gesamte nachfolgende europäische Komponistenclique als seine indirekten Schüler, Enkelschüler etc. pp. bezeichnen.

Also irchenswie komm ich mit diesem Prinzip nicht zurecht. ?(

:wink:
Unbekannt Donnerstag, 3. September 2009, 09:53
Tja, das stimmt schon... :(

Einiges gewinnt man jedoch aus einer derartigen Forschung: z.B. die Verflechtung von niederländischer, italienischer und deutscher Musik wir dadurch wunderschön sichtbar.

Und es macht auch Spaß... :D Es ist ja doch witzig, dass man eine (wenn auch auf Vermutungen gründende) Kette erstellen kann, wo die ganze Musikgeschichte in konkreter Lehrer-Schüler-Beziehung steht. :thumbup:

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Sonntag, 9. Januar 2011, 18:36

Und es macht auch Spaß... :D Es ist ja doch witzig, dass man eine (wenn auch auf Vermutungen gründende) Kette erstellen kann, wo die ganze Musikgeschichte in konkreter Lehrer-Schüler-Beziehung steht. :thumbup:
Gerade erst bin ich auf diesen Faden gestoßen, und ja, er ist tatsächlich ausgesprochen witzig. :yes2:
Etwas ähnliches gibt es mit Geigern. Da kann man als Geiger zurückverfolgen, von welchem Geiger man "abstammt".
http://www.nacuzi.com/map/Violinists%27%20History%20Map.html
Oder: http://www.nacuzi.com/index.php?lg=it&page=bibliography, dann ganz runterscrollen und unter "Pdf files" nachschauen.
Das ist natürlich ausgesprochen lückenhaft und unvollständig, aber ebenfalls recht erheiternd.