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Volkstümliches in der Kunstmusik

Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 13:36
Die Bemerkung von Bernhard
der volkstümliche Charakter und Witz in diesen Kompositionen des steyerischen Bauernsohnes

lässt mich nachdenken:
Volkstümlichkeit scheint ja doch sehr typisch für österreichische Musik zu sein: Schmelzer, Biber, Weichlein, Fux, Wagenseil, Haydn, Mozart, Schubert, Bruckner - bei allen findet man immer und wieder Volkstümliches.

Kennt ihr noch weitere Komponisten für dessen Musik die Volktümlichkeit typisch ist?

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 14:21
Hallo Tamás,

Telemanns Musik ist oft vollkstümlich, insbesondere einige seiner Ouvertürensuiten. Er hat ja selbst geschrieben, wie die polnische Volksmusik ihn beeindruckt und inspiriert hat (ich find das Zitat gleich noch heraus).
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 14:27
Ich denke das ist individuell und regional sehr verschieden. Wir sollten zwischen Schwerpunkten bei einzelnen Komponisten und lokalen Traditionen unterscheiden.

Bespiel für letzteres sind die Noëls in Frankreich, wo vor allem, aber nicht nur, von Organisten über volkstümliche Weihnachtslieder improvisiert wurde; viele haben auch Orgelbücher mit solchen Stücken drucken lassen - auf Anhieb fallen mir Corrette und Balbastre ein.
Die über solche Lieder komponierten Stücke sind aber nicht zwangsläufig volkstümlich ...
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 15:35
Wer mir noch einfällt, sind Leos Janacek und Gustav Mahler. Beide haben volkstümliche Elemente in ihre Kunstmusik einfließen lassen.
Nennbar wäre noch Brahms; der hat oftmals auch Volkslieder bearbeitet, und seine Ungarischen Tänze sind denke ich fast weltberühmte, volksmusikerprobte Stücke.

Und dann noch Ravel mit seiner Tzigane... aber das gehört nicht hierher... :hide:
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 16:10
Ich denke das ist individuell und regional sehr verschieden. Wir sollten zwischen Schwerpunkten bei einzelnen Komponisten und lokalen Traditionen unterscheiden.

Das stimmt. Und vor allem muss man auch zwischen programatisch volkstümlicher Musik und einer dem persönlichen Stil innewohnender volktümlicher Melodik unterscheiden. Was ich oben gemeint habe, ist eher letztere Möglichkeit.
Für Biber, Haydn und Bruckner ist das - wie ich meine - sehr typisch.

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 16:41
Volkstümlichkeit scheint ja doch sehr typisch für österreichische Musik zu sein: Schmelzer, Biber, Weichlein, Fux, Wagenseil, Haydn, Mozart, Schubert, Bruckner


Da wäre ich etwas vorsichtiger, die Tschechen könnten da empfindlich sein. :D
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 17:16
Volkstümlichkeit scheint ja doch sehr typisch für österreichische Musik zu sein: Schmelzer, Biber, Weichlein, Fux, Wagenseil, Haydn, Mozart, Schubert, Bruckner


Da wäre ich etwas vorsichtiger, die Tschechen könnten da empfindlich sein. :D
:D Dacht' ich's mir, dass du das bemerkst...

Seine Musik ist aber doch irgendwie österreichisch (ich weiß, ich weiß: auch die damaligen Salzburger könnten empfindlich darauf sein, dass sie eben keine Österreicher sind...).

LG
Tamás
:wink:
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 20:56
Guten Abend
Telemanns Musik ist oft vollkstümlich, insbesondere einige seiner Ouvertürensuiten. Er hat ja selbst geschrieben, wie die polnische Volksmusik ihn beeindruckt und inspiriert hat (ich find das Zitat gleich noch heraus).
Ist es dies, in dem Telemann über „die polnische und hanakische Musik, in ihrer wahren barbarischen Schönheit" folgendes schrieb:

Sie bestund, in gemeinen Wirthshäusern, aus einer um den Leib geschnallten Geige, die einer Terzie höher gestimmt war, als sonst gewöhnlich, und also ein halbes duzend andere überschreien konnte, aus einem polnischen Bock und aus einer Quintposaune, und aus einem Regal. An ansehnlichen Örtern aber bliebt das Regal weg; die beiden ersten hingegen wurden verstärckt: wie ich denn einst 36 Böcke und 8 Geigen beisammen gefunden habe. Man sollte kaum glauben, was dergleichen Bockpfeiffer oder Geigen für wunderbare Einfälle haben, wenn sie, so offt die Tantzenden ruhen, fantasieren. Ein Aufmercksamer könnte von ihnen, in 8 Tagen, Gedancken für ein gantzes Leben erschnappen. Gnug, in dieser Musik steckt überaus viel gutes; wenn behörig damit umgegangen wird. Ich habe, nach dieser Zeit, verschiedene große Concerti und Trii in dieser Art geschrieben, die ich in einem italiänischen Rock, mit abwechselnden Adagi und Allegri, eingekleidet.“ ?

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 21:00
Genau. Danke, dass Du das für mich zitiert hast!
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 21:10
Guten Abend
Nennbar wäre noch Brahms; der hat oftmals auch Volkslieder bearbeitet,

Selbst beim alten Bach findet man was :D. Im Quodlibet seiner "ARIA / mit verschiedenen Veraenderungen / vors Clavicimbal / mit 2 Manualen/ " hat er zwei thüringisch-sächsische Volkslieder „Ich bin so lang nicht bei dir g(e)west, ruck her, ruck her, ruck her“ und „Kraut und Rüben haben mich vertrieben“ verarbeitet.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 13. Februar 2011, 21:24
Und die Pifas bei Scarlatti und Händel sind ja auch volksümlich inspiriert. Es gibt auch in einigen Händelkantaten volkstümliche Klänge italienischer Art.
Der italienischen Kunstmusik mangelt es überhaupt ganz und gar nicht am Volkstümlichen (Bergamasca etc).