Unbekannt
Samstag, 5. Juni 2010, 16:28
British music masters:
Orlando Gibbons
Orlando Gibbons
Hallo!
Ich mache mal weiter mit der Vorstellung bedeutender englischer Komponisten der Alten Musik, zu denen wir hier ja schon erfreulich viele threads haben.
Im Falle von Orlando Gibbons ist - für mich zumindest - das Zuordnen zu einer Epoche (und damit auch zu einem Unterforum) schwierig, da seine Lebenszeit in die Übergangsphase zwischen Renaissance und Barock fällt. Wikipedia und diverse Musikbücher führen Gibbons allerdings als Renaissance-Komponisten, zudem ist Zeitgenosse Dowland ebenfalls hier im Renaissance-Forum zu finden (Sweelinck und Monteverdi allerdings beim Barock...). Mich würde interessieren, welche formale Kriterien Gibbons noch zum Renaissance-Komponisten machen (bei Klavier- oder Vokalmusik), oder ist diese Zuordnung nur einem Schubladen-Denken geschuldet?
Anmerkung des Administrators: Ein schönes Beispiel für solche im Grunde fruchtlosen Bemühungen, die mich zur Veränderung der Forenstruktur bewogen haben. Die Diskussion über die Musik ist viel wichtiger und erfreulicher.
Am ersten Weihnachtstag 1583 wurde der aus einer Musiker- und Komponistenfamilie stammende Orlando Gibbons in Oxford getauft. Als Jugendlicher sang er im King's College in Cambridge, bis er ab 1598 an der Universität Cambridge Musik studierte (Abschluß 1606; im Jahre 1622 erhielt er von der Universität Oxford sogar den Doktor-Grad). Nach seinem Studium in Cambridge wurde Gibbons berief ihn König James I. in die Chapel Royal nach London (wo zuvor auch schon u.a. John Sheppard, Thomas Tallis und William Byrd und später Henry Purcell wirkten). Dort war er v.a. als Organist und Virginalist tätig. Ab 1623 war er zudem Organist in der Westminster Abbey. Völlig überraschend verstarb Gibbons am 5.6.1625 (und überlebte damit seinen Dienstherrn James I. nur wenige Wochen) in Canterbury an einem Schlaganfall und hinterließ Frau und Kinder (von denen eines auch wieder Musiker wurde).
Orlando Gibbons war schon zu Lebzeiten sehr bekannt und beliebt und galt damals wie heute als bedeutendster Komponist seiner Generation in England. Der Titel des threads ist eine zeitgenössische Wertschätzung seiner Spielkunst auf Orgel/Virginal. Bis heute wird jedes Jahr in der King's College Chapel in Cambridge der Gedenkgottesdienst für Gibbons begangen.
Sein vielfältiges Oevre umfaßt sehr bedeutende Claviermusik - insbesondere einige Dutzend (laut Reclam: 59 / laut Wikipedia: 45) heute noch erhaltene Virginal-Stücke, die in verschiedenen Sammlungen erschienen, aber auch Orgelwerke - sowie geistliche und weltliche Vokalkompositionen (Madrigale, Anthems, Services, Psalmen) und Consort Music für Gamben.
Bislang habe ich nur zwei CDs mit Werken von Gibbons (einmal Klavier, einmal geistliche Musik), die ich noch vorstellen werde. Aber erstmal lasse ich anderen den Vortritt.
Viele Grüße,
Martin.
