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Roland Wilson und seine Ensembles La Capella Ducale & Musica Fiata

Unbekannt Sonntag, 20. Juni 2010, 22:13
Servus nochmal :D

Als studierter Trompeter wandte sich Roland Wilson schon sehr bald nach dem Studium der Alten Musik zu und lernte erst autodidaktisch, dann am Konservatorium in Den Haag, das Zinkspielen. Die Beschäftigung mit diesem Instrument geht soweit, dass er inzwischen auch Zinken herstellt. Seine Hauptbeschäftigung gilt aber natürlich der Urbarmachung und der Aufführung von Musik, bevorzugt der des 16. und 17. Jahrhunderts.

Zu diesem Zweck gründete er 1976 das Instrumentalensemble Musica Fiata. Schnell konnte sich die Truppe etablieren und spielt noch heute eine herausragende Rolle, wenn es darum geht, die Musik von Pachelbel, Praetorius, Schelle, Schein, Schütz, Gabrieli, Biber, Rosenmüller und vielen anderen mehr mit neuem Leben zu erfüllen.


Gut 15 Jahre später ergänzte Wilson sein Instrumentalensemble um das vokale Gegenstück - La Capella Ducale, um auch hier eine Gruppe von Musikern zur Verfügung zu haben, die sehr gut aufeinander abgestimmt sind, die sich kennen und darum eine hohes Maß an Homogenität und Abstimmung bieten können.

In beiden Ensembles finden sich viele großartige Musiker wieder, die sich in anderen Ensembles oder als Solisten einen Namen gemacht haben.

Trotzdem gibt es bei unterschiedlichen Produktionen kaum zweimal die gleiche Besetzung. Das liegt einfach daran, dass die Besetzung stets an die Erfordernisse der aufzuführenden Werke angepasst wird, denn soetwas wie ein Standardorchester gab es kaum in der Zeit, aus die die Musik stammt, die Roland Wilson normalerweise zur Aufführung bringt.

Ein Merkmal fast aller Aufnahmen, die Wilson macht, ist die außerordentlich große und bunte Besetzung. Dabei reicht der Bogen von kraftvollen klangprächtigen Tuttipassagen bis hin zu intimeren klein besetzen Stücken, wobei ersteres durch die meist große Zahl von Musikern (zumindest im Vergleich zu vielen anderen Werken aus der Zeit) wirklich sehr üppig ausfällt. Diese Stücke muß man gehört haben! Außerdem lernt man Instrumente kennen, die selbst für Liebhabern der Alten Musik exotisch sind, beispielsweise Cistern, oder Geigen mit Metallsaiten (jawohl, sowas gab´s damals schon), oder Dulziane, oder Schalmeien, oder Pommern.... Roland Wilson hat ein sehr gutes Gespür dafür, mit welchem Instrument er den richtigen Effekt erzielen kann.


Wer sich also mit der Musik vor Johann Sebastian Bach beschäftigen möchte, der kommt an den wundervollen Aufnahmen von Roland Wilson und seinen Ensembles nicht vorbei.


Die obligatorische homepage darf natürlich nicht fehlen.

herzliche Grüße,
Thomas
Unbekannt Montag, 21. Juni 2010, 10:15
Guten Tag

auf drei Einspielungen mit unterschiedlicher Instrumentalmusik des Ensemble die ich gerne höre möchte ich hinweisen:



" Venezianische Musik des 17.Jahrhundertam Habsburger Hof "



Antonio Bertali

" 15 Sonate festive "



Johann Heinrich Schmelzer

" 14 Sonate & Balletti "

In allen Aufnahmen versteht es das Ensemble Musica Fiata durch überzeugende Kombination der verschiedensten Instrumente reizvolle Klangerfahrungen zu vermitteln.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Freitag, 25. Juni 2010, 12:54
Servus!

Die Osterkantaten von Johann Pachelbel gehören für mich zu den schönsten Aufnahmen von Roland Wilson. Ganz besonders mag ich die Kantate "Hallelujah! Lobet den Herrn" mit dem Text von Psalm 150. Sie ist außerordentlich groß und vielfältig besetzt. Im Text werden verschiedene Instrumente aufgezählt, mit denen man Gott loben soll. Die erklingen natürlich auch an der entsprechenden Stelle. Einfach geil ist die Musik zur Textstelle "Lobet ihn mit Paucken und Trompeten": 5 Barocktrompeten volles Rohr und Pauken dazu. Da drehe ich die Lautstärke gerne auch noch ein bisschen höher. :thumbsup:

Diese Kantaten sind aber noch in mehrfacher Hinsicht interessant und bemerkenswert. So findet sich in der Kantate "Jauchzet dem Herrn" ein frühes Beispiel für den französischen Einfluss auf die Musik in deutschen Landen. Die Choralkantate "Christ lag in Todesbanden" dagegen kann als Vorlage gedient haben für die Bach'sche Vertonung dieses Textes (BWV 4).

Es ist auf jeden Fall lohnenswert, mehr als den unvermeidlichen Kanon von Pachelbel zu kennen.




Deus in adjutorium; Christ lag in Todesbanden; Hallelujah! Lobet den Herrn;
Christ ist erstanden; Jauchzet dem Herrn; Magnificat in C

La Capella Ducale, Musica Fiata
Roland Wilson



herzliche Grüße,
Thomas
Unbekannt Samstag, 26. Juni 2010, 15:37
Hallo Thomas,


Die Osterkantaten von Johann Pachelbel gehören für mich zu den schönsten Aufnahmen von Roland Wilson.


Diese CD hatte ich mir - wenn ich mich recht erinnere - auf Deine Empfehlung bei Tamino hin gekauft. Ich mag diese CD ebenfalls sehr, aber meine andere Wilson-Aufnahme finde ich nicht so toll. Es handelt sich um die Bibersche Marienvesper-Rekonstruktion, zu der Bernard und ich mich hier kritisch geäußet hatten.
Wilson scheint ja parallel für CPO und Sony aufzunehmen... welche Aufnahme kannst Du denn neben der Pachelbel-CD noch ganz besonders empfehlen?

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Samstag, 26. Juni 2010, 23:34
Guten Abend
... welche Aufnahme kannst Du denn neben der Pachelbel-CD noch ganz besonders empfehlen?

Unbeding empfehlenswert ist diese neue Einspielung



von H. Schützens "Symphoniae sacrae I" SWV 257-276, Wilsons Musica Fiata und sein stilkundiges Solistenensemble erbringen in einer bunten Instrumentenvielfalt -darunter metallbesaitete Geigen- zauberhafte klangliche Effekte.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard