Thematische Einführung
Als Spezialist für Alte Musik mag die Behandlung Robert Schumanns (1810-1856) im Kontext "historischer Instrumente" auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, fällt er doch klar in die Epoche der Romantik. Doch der Ansatz der Historisch Informierten Aufführungspraxis (HIP) hat sich längst über das Barock und die Klassik hinaus auf das 19. Jahrhundert und darüber hinaus ausgedehnt. Die Wiederentdeckung und der Einsatz von Instrumenten, die Schumann selbst gekannt und bespielt hat – die Fortepianos und frühen Flügel seiner Zeit – sind für ein tiefgreifendes Verständnis seiner Soloklavierwerke von entscheidender Bedeutung. Sie bieten einen unverfälschten Einblick in das Klangideal, das Schumann beim Komponieren vorschwebte, und offenbaren Aspekte seiner Musik, die auf modernen Konzertflügeln oft verborgen bleiben oder anders interpretiert werden. Die spezifischen Eigenschaften dieser Instrumente – von der Klangfarbe über die Anschlagssensibilität bis hin zur Pedalmechanik – sind untrennbar mit Schumanns kompositorischem Denken verbunden.
Historischer Kontext & Werkanalyse
Robert Schumanns Leben und Schaffen fielen in eine Zeit rapiden Wandels im Klavierbau. Die Instrumente, auf denen er komponierte und die Werke seiner Zeitgenossen hörte, unterschieden sich erheblich von den modernen Flügeln des 20. und 21. Jahrhunderts. Für Schumann waren Instrumente von Bauherren wie Conrad Graf (Wien), Pleyel (Paris), Érard (Paris) und Streicher (Wien) prägend. Schumann selbst besaß unter anderem einen Flügel von Streicher.
Charakteristika dieser historischen Instrumente des 19. Jahrhunderts: