Unbekannt
Dienstag, 3. August 2010, 17:00
Pierre de La Rue wird um 1460, wahrscheinlich in Tournai, als Sohn des Buchmalers Jehan de La Rue und seiner Frau Gertrude de la Haye geboren. Über seine Ausbildung in Kindheit und Jugend als Sänger und Komponist ist nichts bekannt.
In offiziellen Dokumenten wird er erstmals 1469 als Sänger der Brüsseler St.Gudulekerk (heute: Sint-Michiels en Sint-Gudulakathedrale genannt). 1471 finden wir ihn an der S, Jakobskerk in Gent, 1472 - 1477 in Nieuwpoort, bis 1489 an unbekannten Institutionen in Köln und Cambrai.
Ein Aufenthalt in Italien, wie er in einigen Büchern bzw. booklets angegeben wird, ist nicht nachweisbar. Diese Angaben beruhen wohl auf einer Namensverwechslung.
Von 1489 - 1492 ist Pierre de La Rue in ‘s Hertogenbosch und leistet bei der Marianischen Bruderschaft musikalische Dienste. 1493 wird er auch Mitglied dieser berühmten Bruderschaft, der z.B. auch Hieronymus Bosch angehörte. Ab
1492 gehört er zur Grande Chapelle von König (ab 1493 Kaiser) Maximilian.
1493 übernimmt der Sohn und Nachfolger von Maximilian in den Niederlanden, Philipp der Schöne, die Grande Chapelle. Verzeichnisse aus diesen Jahren belegen, dass die Kapelle zu dieser Zeit 18 Musiker umfasste.
Por quoy non, Chanson
Im November 1501 reist Philipp der Schöne mit großem Gefolge, also auch mit der Grande Chapelle, zum ersten Mal nach Spanien. Nach der Ankunft in Spanien begrüßen Ferdinand von Aragonien und Isabelle von Kastilien in Toledo die Reisegesellschaft.
Die Messe aus diesem Anlass wurde von 60 - 80 Sängern aufgeführt. Die Digitale MGG erklärt den Unterschied in der Chorbesetzung zwischen den flämischen und spanischen Chören: “Die Spanier sangen homophone und syllabischere Sätze, während die Flamen in komplizierter Polyphonie bei meist solistischer Besetzung geübt waren.” Die Musikergruppe, die Philipp auf dieser Reise begleitet, setzt sich aus 14 Sängern (chaplains), einem Organisten, 9 Trompetern, 3 Musette-Spielern und 2 Trommlern zusammen. Die Instrumentalisten spielten sicher nicht in der Kirche oder Kammer, da die Instrumente alle zu den “lauten” gehörten, die üblicherweise unter freiem Himmel gespielt wurden. Die Aufführung einer Messe zu Pfingsten wird abwechselnd von beiden Musikergruppen gestaltet.
In Saragossa lernt die Reisegruppe maurische Musik kennen und auf der Rückreise 1503 in Frankreich Mysterienspiele. In Savoyen trifft Philipp mit seiner Schwester Margarete zusammen, die schon damals als große Fördererin von Musik und Literatur gilt. Margarete läßt nach Pierre de La Rues Tod zwei kostbare Handschriften von seinen Messen herstellen.
Noch im Herbst 1503 reist Philipp mit seinem Gefolge zu einem Besuch bei Kaiser Maximilian in Tirol. In Innsbruck singen die Chöre von Maximilian und Philipp zusammen eine Messe, begleitet von einer Orgel, mit vermutlich P. Hofhaimer als Organist.
Pierre de La Rue gehört der Grande Chapelle auch in der Folgezeit als hochgeachteter Sänger und Komponist an. Er steht in großer Gunst bei Hofe, die Ernennung zum Kanoniker an der Kirche Notre Dame (Onze Lieve Vrouwenkerk) in Kortrijk zeugt davon. Der Grande Chapelle gehören zu diese Zeit viele Komponisten an, außer Pierre de La Rue auch Alexander Agricola ,Champion, Marbriano de Orto, Antonius Divitis.
Die 2. Spanienreise 1506 Philipps steht unter keinem guten Stern. Gerade begonnen, gerät die Flotte in einen Sturm, wird nach England abgetrieben und erleidet Schiffbruch. Nach Reparaturen in Dover kann die Flotte weitersegeln. Im April landet sie in La Coruna an. Philipp und sein Gefolge reisen weiter nach Valladolid und wieder nach La Corunia, wo Phillipp im September 1506 stirbt.
Die Königin Juana übernimmt den größten Teil der Grande Chapelle. Auch Pierre de La Rue bleibt bis 1508 in Spanien. Dann kehrt er in die Niederlande zurück und tritt in den Dienst von Margarete von Österreich, Schwester von Philipp und Regentin in den Niederlanden. Sie wird als sehr melancholisch geschildert; Pierre de La Rue soll ihr der liebster Komponist gewesen sein. Für sie schreibt er sein berühmtes Chanson “Mijn hert altijt heft verlanghen” auf den Text eines der ersten Gedichte in niederländischer Sprache.
Excurs: Mijn hert altijt heft verlanghen
Chanson
Video: "http://www.youtube.com/watch?v=bT5iZh-PodU
Text und: dbnl,
Wikipedia-nl: Unter Rubrik Chansons, Nr 22, pdf-Datei Text und Noten,
Digitalisat d. Liederbuchs von Margarete, in dem man auch blättern kann. Wunderschön!
Unbedingt angucken!
Bis 1514 bleibt Pierre de La Rue offiziell Mitglied der Grande Chapelle und erhält weiterhin viele Gunstbeweise in Form von Pfründen in St Aubain Namur, Onze Lieve Vrouwkerk Kortijk, Onze Lieve Vrouwkerk Dendermonde, St. Farailde (Sinte Verle) Gent. Er war ein reicher Mann.
Von 1514 bis 1516 ist Pierre Mitglied der persönlichen Kapelle Kaiser Maximilians. 1516 zieht er sich zurück nach Kortrijk, wo er ansässiger Kanonikus an der Lieve Vrouwkerk wird. Im selben Jahr verfasst er sein Testament.
Im November 1518 stirbt Pierre de La Rue in Kortrijk.
Onze Lieve Vrouwenkerk, Kortijk
Pierre de La Rue hat ein reiches Werk hinterlassen, mehr als 30 Messen, dazu Messteile, mehr als 20 Motetten, 8 Magnificat-Vertonungen, viele Chansons.
Er schreibt im Stil und Trend seiner Zeit nach dem Geschmack seiner Auftraggeber in der Regel für gleiche, solistisch besetzte Stimmen. Dabei bevorzugt er einen strengen Kontrapunkt mit häufiger Verwendung von zweistimmigen Kanons. Seine Melodik, v.a. in den Spätwerken ist oft deklamatorisch und einfach. Oft werden ganze Teile einer Komposition zusammengehalten durch immer wieder neue Veränderungen eines Motivs. Die weltlichen Kompositionen sind meist frei durchkomponiert, manchmal enthalten aber auch sie Imitationen, Wiederholungen eines früheren Abschnitts der Musik.
Noch zu Lebzeiten wurden einige von La Rues Messen gedruckt; bei den Habsburgern sind sie in dieser Zeit sehr beliebt. Später sind die geistlichen Kompositionen vor allem im deutschen Sprachraum bekannt; Luther hat sie sehr geschätzt.
Werke:
(leider ist das Werkverz. in meiner
Digitalen MGG noch älter)
Gesamtausgabe
Discographie
Videos
Goggle-Seite
Hörbeispiele
Katalog d. dt. Musikarchivs
Noten:
WIMA
Choralwiki
Literatur:
v.a.
Dt. und niederländische Wikipedia
Digitale MGG (= MGG, 1. Aufl.)
Katalog d. dt. Musikarchivs
Booklets der aufgeführten CDs
Abb. Wikimedia Commons
In offiziellen Dokumenten wird er erstmals 1469 als Sänger der Brüsseler St.Gudulekerk (heute: Sint-Michiels en Sint-Gudulakathedrale genannt). 1471 finden wir ihn an der S, Jakobskerk in Gent, 1472 - 1477 in Nieuwpoort, bis 1489 an unbekannten Institutionen in Köln und Cambrai.
Ein Aufenthalt in Italien, wie er in einigen Büchern bzw. booklets angegeben wird, ist nicht nachweisbar. Diese Angaben beruhen wohl auf einer Namensverwechslung.
Von 1489 - 1492 ist Pierre de La Rue in ‘s Hertogenbosch und leistet bei der Marianischen Bruderschaft musikalische Dienste. 1493 wird er auch Mitglied dieser berühmten Bruderschaft, der z.B. auch Hieronymus Bosch angehörte. Ab
1492 gehört er zur Grande Chapelle von König (ab 1493 Kaiser) Maximilian.
1493 übernimmt der Sohn und Nachfolger von Maximilian in den Niederlanden, Philipp der Schöne, die Grande Chapelle. Verzeichnisse aus diesen Jahren belegen, dass die Kapelle zu dieser Zeit 18 Musiker umfasste.
Por quoy non, Chanson
Im November 1501 reist Philipp der Schöne mit großem Gefolge, also auch mit der Grande Chapelle, zum ersten Mal nach Spanien. Nach der Ankunft in Spanien begrüßen Ferdinand von Aragonien und Isabelle von Kastilien in Toledo die Reisegesellschaft.
Die Messe aus diesem Anlass wurde von 60 - 80 Sängern aufgeführt. Die Digitale MGG erklärt den Unterschied in der Chorbesetzung zwischen den flämischen und spanischen Chören: “Die Spanier sangen homophone und syllabischere Sätze, während die Flamen in komplizierter Polyphonie bei meist solistischer Besetzung geübt waren.” Die Musikergruppe, die Philipp auf dieser Reise begleitet, setzt sich aus 14 Sängern (chaplains), einem Organisten, 9 Trompetern, 3 Musette-Spielern und 2 Trommlern zusammen. Die Instrumentalisten spielten sicher nicht in der Kirche oder Kammer, da die Instrumente alle zu den “lauten” gehörten, die üblicherweise unter freiem Himmel gespielt wurden. Die Aufführung einer Messe zu Pfingsten wird abwechselnd von beiden Musikergruppen gestaltet.
In Saragossa lernt die Reisegruppe maurische Musik kennen und auf der Rückreise 1503 in Frankreich Mysterienspiele. In Savoyen trifft Philipp mit seiner Schwester Margarete zusammen, die schon damals als große Fördererin von Musik und Literatur gilt. Margarete läßt nach Pierre de La Rues Tod zwei kostbare Handschriften von seinen Messen herstellen.
Noch im Herbst 1503 reist Philipp mit seinem Gefolge zu einem Besuch bei Kaiser Maximilian in Tirol. In Innsbruck singen die Chöre von Maximilian und Philipp zusammen eine Messe, begleitet von einer Orgel, mit vermutlich P. Hofhaimer als Organist.
Pierre de La Rue gehört der Grande Chapelle auch in der Folgezeit als hochgeachteter Sänger und Komponist an. Er steht in großer Gunst bei Hofe, die Ernennung zum Kanoniker an der Kirche Notre Dame (Onze Lieve Vrouwenkerk) in Kortrijk zeugt davon. Der Grande Chapelle gehören zu diese Zeit viele Komponisten an, außer Pierre de La Rue auch Alexander Agricola ,Champion, Marbriano de Orto, Antonius Divitis.
Die 2. Spanienreise 1506 Philipps steht unter keinem guten Stern. Gerade begonnen, gerät die Flotte in einen Sturm, wird nach England abgetrieben und erleidet Schiffbruch. Nach Reparaturen in Dover kann die Flotte weitersegeln. Im April landet sie in La Coruna an. Philipp und sein Gefolge reisen weiter nach Valladolid und wieder nach La Corunia, wo Phillipp im September 1506 stirbt.
Die Königin Juana übernimmt den größten Teil der Grande Chapelle. Auch Pierre de La Rue bleibt bis 1508 in Spanien. Dann kehrt er in die Niederlande zurück und tritt in den Dienst von Margarete von Österreich, Schwester von Philipp und Regentin in den Niederlanden. Sie wird als sehr melancholisch geschildert; Pierre de La Rue soll ihr der liebster Komponist gewesen sein. Für sie schreibt er sein berühmtes Chanson “Mijn hert altijt heft verlanghen” auf den Text eines der ersten Gedichte in niederländischer Sprache.
Excurs: Mijn hert altijt heft verlanghen
Chanson
Video: "http://www.youtube.com/watch?v=bT5iZh-PodU
Text und: dbnl,
Wikipedia-nl: Unter Rubrik Chansons, Nr 22, pdf-Datei Text und Noten,
Digitalisat d. Liederbuchs von Margarete, in dem man auch blättern kann. Wunderschön!
Unbedingt angucken!
Bis 1514 bleibt Pierre de La Rue offiziell Mitglied der Grande Chapelle und erhält weiterhin viele Gunstbeweise in Form von Pfründen in St Aubain Namur, Onze Lieve Vrouwkerk Kortijk, Onze Lieve Vrouwkerk Dendermonde, St. Farailde (Sinte Verle) Gent. Er war ein reicher Mann.
Von 1514 bis 1516 ist Pierre Mitglied der persönlichen Kapelle Kaiser Maximilians. 1516 zieht er sich zurück nach Kortrijk, wo er ansässiger Kanonikus an der Lieve Vrouwkerk wird. Im selben Jahr verfasst er sein Testament.
Im November 1518 stirbt Pierre de La Rue in Kortrijk.
Onze Lieve Vrouwenkerk, Kortijk
Pierre de La Rue hat ein reiches Werk hinterlassen, mehr als 30 Messen, dazu Messteile, mehr als 20 Motetten, 8 Magnificat-Vertonungen, viele Chansons.
Er schreibt im Stil und Trend seiner Zeit nach dem Geschmack seiner Auftraggeber in der Regel für gleiche, solistisch besetzte Stimmen. Dabei bevorzugt er einen strengen Kontrapunkt mit häufiger Verwendung von zweistimmigen Kanons. Seine Melodik, v.a. in den Spätwerken ist oft deklamatorisch und einfach. Oft werden ganze Teile einer Komposition zusammengehalten durch immer wieder neue Veränderungen eines Motivs. Die weltlichen Kompositionen sind meist frei durchkomponiert, manchmal enthalten aber auch sie Imitationen, Wiederholungen eines früheren Abschnitts der Musik.
Noch zu Lebzeiten wurden einige von La Rues Messen gedruckt; bei den Habsburgern sind sie in dieser Zeit sehr beliebt. Später sind die geistlichen Kompositionen vor allem im deutschen Sprachraum bekannt; Luther hat sie sehr geschätzt.
Werke:
(leider ist das Werkverz. in meiner
Digitalen MGG noch älter)
Gesamtausgabe
Discographie
Videos
Goggle-Seite
Hörbeispiele
Katalog d. dt. Musikarchivs
Noten:
WIMA
Choralwiki
Literatur:
v.a.
Dt. und niederländische Wikipedia
Digitale MGG (= MGG, 1. Aufl.)
Katalog d. dt. Musikarchivs
Booklets der aufgeführten CDs
Abb. Wikimedia Commons