Unbekannt
Sonntag, 9. Januar 2011, 15:11
Petrus Alamire, Musiker, Kalligraph, Musikalienhändler, Bergbausachverständiger, Diplomat, Doppelagent, war eine der schillerndsten Figuren in der Musikgeschichte der frühen Renaissance.
Er wird geboren 1470 in einer Kaufmannsfamilie in Nürnberg, sein Geburtsname ist vermutlich Imhof, Imhove oder van den Hove. Das Pseudonym Alamire ist zusammengesetzt aus dem Buchstaben A für den Ton a sowie den Solmisationssilben la - mi - re. Weitere Informationen über seine frühe Lebenszeit sind spärlich.
In den 1490er Jahren taucht Petrus Alamire in den Niederlanden auf. 1496 wird er in den Büchern der Bruderschaft Unserer Lieben Frau in ’s Hertogenbosch für die Lieferung von Manuscripten erwähnt, ebenso 1499 bei der Bruderschaft unserer Lieben Frau in Antwerpen. Ab 1503 lebt er in Antwerpen; Philipp der Schöne erwirbt in diesem Jahr ein Manuscript von ihm. 1509 wird er Kopist der Hofkapelle von Erzherzog Karl, dem späteren Kaiser Karl dem V. Diese Stelle an den burgundischen Höfen in Brüssel oder Mechelen behält er auch in den nächsten 25 Jahren. Gleichzeitig ist er aber auch auf vielen anderen Gebieten aktiv.
Alamire wird schnell zu einem der gesuchtesten Buchmaler und Kopisten der Niederlande. Rund 50 Handschriften und etliche Manuscriptfragmente sind erhalten, darin sind mehr als 850 Werke von Komponisten der franco-flämischen Schule überliefert.
Alamire betreibt wohl bald ein Scriptorium, für das inzwischen neben ihm 4 weitere Schreiber identifiziert sind.
Illuminierte Handschriften gelten aufgrund ihrer prachtvollen Ausstattung als wertvolle Geschenke; Karl verteilt diese großzügig an andere Regenten, den Papst, die Fugger und v.a. an die Fürsten des Reichs, die ihn später zum Kaiser wählen sollten. So verbreiten sich auch wesentliche Teile des zeitgenössischen franco-flämischen Repertoires in weiten Teilen Europas; diese Handschriften sind heute in vielen Bibliotheken zu finden, die meisten wohl in der Österreichischen Nationalbibliothek.
The A-la-mi-re Manuscripts.
Flemish Polyphonic Treasures for Charles V
Capilla Flamenca
Irgendwann zwischen 1505 und 1516 zieht Alamire nach Mechelen, das fortan sein fester Wohnsitz wird. Zwischen 1515 und 1518 reist er viel zwischen dem Kontinent und London hin und her. Er handelt mit Manuscripten, Bildern, Musikinstrumenten und wohl auch mit Nachrichten.
Im Exil in Metz residiert Richard de la Pole, letzter Anwärter des Hauses York auf den englischen Thron. Das Haus York war der Verlierer der Rosenkriege um den englischen Thron gegen das Haus Lancaster. Der burgundische Hof war dem Haus York seit der Hochzeit von Karl dem Kühnen mit Margareta von York verwandtschaftlich verbunden. Sicher kommt Alamire da einiges zu Ohren, auf der anderen Seite, bei Aufenthalten und Geschäften am Hof Heinrich VIII. ebenso.
Heinrich VIII. misstraut Alamire jedoch rasch, der wiederum hat wohl Angst um seinen Kopf und traut sich in der Folgezeit nicht mehr nach London.
Einen Hinweis auf Kenntnisse des Bergbaus läßt sich bei Petrus Alamire nicht finden. Umso erstaunlicher ist der Lohn, den Alamire für die Beratung des dänischen Königs Christian II. [und nicht Christian III, wie es in der niederl. Wikipedia heißt] in Bergbauangelegenheiten erhält. Auch Christian II. war dem burgundischen Hof verwandtschaftlich verbunden. In der niederländischen Wikipedia wird vermutet, dass dies eine Metapher für Spionage sei.
Von Alamire selbst ist nur noch eine Komposition erhalten: Tandernaken ob den Rijn. Es wird allerdings vermutet, dass sich unter den vielen anonymen Werken in seinen Manuscripten auch einige von ihm verbergen.
Alamire bleibt dem Hof in Mechelen auch unter Margarete von Österreich verbunden. Ab 1534 erhält er von ihr eine großzügige Rente.
Petrus Alamire stirbt 1536 in Mecheln.
In Belgien ist der Name Alamire nicht so unbekannt wie in Deutschland, ein Institut für Alte Musik trägt seinen Namen:
Alamire Foundation
Quellen: v.a.niederl. Wikipedia und Booklet der o.a. CD
Zur oben abgebildeten CD s.medieval. Org
Tandernaken ob den Rijn: “http://www.youtube.com/watch?v=qIixZ1uiLf8"
Er wird geboren 1470 in einer Kaufmannsfamilie in Nürnberg, sein Geburtsname ist vermutlich Imhof, Imhove oder van den Hove. Das Pseudonym Alamire ist zusammengesetzt aus dem Buchstaben A für den Ton a sowie den Solmisationssilben la - mi - re. Weitere Informationen über seine frühe Lebenszeit sind spärlich.
In den 1490er Jahren taucht Petrus Alamire in den Niederlanden auf. 1496 wird er in den Büchern der Bruderschaft Unserer Lieben Frau in ’s Hertogenbosch für die Lieferung von Manuscripten erwähnt, ebenso 1499 bei der Bruderschaft unserer Lieben Frau in Antwerpen. Ab 1503 lebt er in Antwerpen; Philipp der Schöne erwirbt in diesem Jahr ein Manuscript von ihm. 1509 wird er Kopist der Hofkapelle von Erzherzog Karl, dem späteren Kaiser Karl dem V. Diese Stelle an den burgundischen Höfen in Brüssel oder Mechelen behält er auch in den nächsten 25 Jahren. Gleichzeitig ist er aber auch auf vielen anderen Gebieten aktiv.
Alamire wird schnell zu einem der gesuchtesten Buchmaler und Kopisten der Niederlande. Rund 50 Handschriften und etliche Manuscriptfragmente sind erhalten, darin sind mehr als 850 Werke von Komponisten der franco-flämischen Schule überliefert.
Alamire betreibt wohl bald ein Scriptorium, für das inzwischen neben ihm 4 weitere Schreiber identifiziert sind.
Illuminierte Handschriften gelten aufgrund ihrer prachtvollen Ausstattung als wertvolle Geschenke; Karl verteilt diese großzügig an andere Regenten, den Papst, die Fugger und v.a. an die Fürsten des Reichs, die ihn später zum Kaiser wählen sollten. So verbreiten sich auch wesentliche Teile des zeitgenössischen franco-flämischen Repertoires in weiten Teilen Europas; diese Handschriften sind heute in vielen Bibliotheken zu finden, die meisten wohl in der Österreichischen Nationalbibliothek.
The A-la-mi-re Manuscripts.
Flemish Polyphonic Treasures for Charles V
Capilla Flamenca
Irgendwann zwischen 1505 und 1516 zieht Alamire nach Mechelen, das fortan sein fester Wohnsitz wird. Zwischen 1515 und 1518 reist er viel zwischen dem Kontinent und London hin und her. Er handelt mit Manuscripten, Bildern, Musikinstrumenten und wohl auch mit Nachrichten.
Im Exil in Metz residiert Richard de la Pole, letzter Anwärter des Hauses York auf den englischen Thron. Das Haus York war der Verlierer der Rosenkriege um den englischen Thron gegen das Haus Lancaster. Der burgundische Hof war dem Haus York seit der Hochzeit von Karl dem Kühnen mit Margareta von York verwandtschaftlich verbunden. Sicher kommt Alamire da einiges zu Ohren, auf der anderen Seite, bei Aufenthalten und Geschäften am Hof Heinrich VIII. ebenso.
Heinrich VIII. misstraut Alamire jedoch rasch, der wiederum hat wohl Angst um seinen Kopf und traut sich in der Folgezeit nicht mehr nach London.
Einen Hinweis auf Kenntnisse des Bergbaus läßt sich bei Petrus Alamire nicht finden. Umso erstaunlicher ist der Lohn, den Alamire für die Beratung des dänischen Königs Christian II. [und nicht Christian III, wie es in der niederl. Wikipedia heißt] in Bergbauangelegenheiten erhält. Auch Christian II. war dem burgundischen Hof verwandtschaftlich verbunden. In der niederländischen Wikipedia wird vermutet, dass dies eine Metapher für Spionage sei.
Von Alamire selbst ist nur noch eine Komposition erhalten: Tandernaken ob den Rijn. Es wird allerdings vermutet, dass sich unter den vielen anonymen Werken in seinen Manuscripten auch einige von ihm verbergen.
Alamire bleibt dem Hof in Mechelen auch unter Margarete von Österreich verbunden. Ab 1534 erhält er von ihr eine großzügige Rente.
Petrus Alamire stirbt 1536 in Mecheln.
In Belgien ist der Name Alamire nicht so unbekannt wie in Deutschland, ein Institut für Alte Musik trägt seinen Namen:
Alamire Foundation
Quellen: v.a.niederl. Wikipedia und Booklet der o.a. CD
Zur oben abgebildeten CD s.medieval. Org
Tandernaken ob den Rijn: “http://www.youtube.com/watch?v=qIixZ1uiLf8"