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Musik für zwei Tasteninstrumente von Frühbarock bis Frühklassik

Unbekannt Samstag, 16. Januar 2010, 03:43
Work in progress, wird nach und nach ergänzt!

Dieser Thread soll der Musik für zwei (oder mehr) Tasteninstrumente von Frühbarock bis Frühklassik gewidmet sein.

Die Praxis, mit zwei oder mehr Spielern an einem Tasteninstrument oder an zwei oder gar mehr Tasteninstrumenten parallel (ohne andere Instrumententypen!) zu spielen, scheint so alt wie die Instrumente selbst zu sein, u.a. auch wegen der praktischen Bedeutung im Unterricht. Werke mit einem leichten Part für den Schüler oder die Schülerin und einem virtuosen, technisch ansprucksvolleren für den Lehrenden scheint es so lange zu geben wie das Spiel auf Orgeln, Cembali, Virginalen, Clavichorden und Hammerclavieren - die Instrumentenzuordnung ist nicht immer eindeutig, und auch die Spezifikation, ob zwei an einem oder zwei Instrumenten sitzen sollen, ist manchmal variabel. Stücke für zwei Orgeln sind meistens ausdrücklich so bezeichnet - die Kirchen mit entsprechender Ausstattung waren und sind rar.
Des weiteren muß man zwischen Originalkompositionen für zwei Tasteninstrumente und Arrangements für diese Besetzung unterscheiden - für das Spiel im Bereich des häuslichen Musizierens wurden oft Bearbeitungen populärer Stücke z.B. aus Opern angefertigt; diese können vom Komponisten selbst angefertigt oder zumindest autorisiert sein.
Von der im Vergleich geringen Anzahl an ausdrücklich entsprechend bezeichneten Kompositionen lässt sich nur bedingt auf die Häufigkeit einer Spielpraxis mit zwei Cembali o.ä. schließen, da auch die Praxis, Kammermusik auf Tasteninstrumente zu übertragen, offenbar ziemlich verbreitet war - dazu später mehr.

Zu den ältesten Werken, die ich bis jetzt finden konnte, zählen:

Arnolt Schlick (ca. 1460 - 1525):
- Ascento ad patrem meum à 10 - ein 10stimmiges (!) Orgelstück, 4 Pedal- und 6 Manualstimmen - da wird es eng auf der Orgelbank :shock:
- Gaude Dei genitrix à 3-5 - offenbar auf drei bis fünf Orgeln zu spielen oder mit mehreren Spielern, je nachdem was auch an kleineren Nebenorgeln vorhanden war

In der englischen Musik tauchen frühe Beispiele auf:
Giles Farnaby (ca. 1563 - 1640):
- For two Virginals
Das einzige so bezeichnete Stück, aber es ist bekannt, daß ein Typ des Virginals, Muselaar oder als "Mutter und Kind" bezeichnet, aus zwei Virginalen bestehend, die gekoppelt als ein oder auseinandergebaut als zwei Instrumente gespielt werden konnten, recht verbeitet war. Ich konnte 2009 ein paar Stücke auf einem solchen Virginal im Konzert hören.

Thomas Tomkins (1573 - 1656):
- Pavan of Three Parts
- Gailliard of Three Parts
- Short Pavan
- Fancy - For Two to Play
Die ersten 3 Stücke sind dreistimmig - ein Spieler übernimmt den Basspart, der andere die beiden Oberstimmen; die Fancy ist 4-stimmig.

Skip Sempé z.B. geht davon aus, daß in England die Praxis, auf zwei oder drei Virginalen, Spinetten oder Cembali, auch in beliebigen Kombinationen, zu spielen viel weiter verbreitet war als die wenigen erhaltenen Noten suggerieren, und spielt mit Stimmverdopplungen, improvisiertem Continuo, Übertragungen von Consortmusik usw. - dazu mehr bei den Vorstellungen der Tonträger.

Einen weiteren Schwerpunkt scheint es in der französischen Barockmusik zu geben.

In den 4 Livres de Pièces de Clavecin von François Couperin (1668 - 1733) finden sich neben einer Allemande, die ausdrücklich "à deux clavecins" bezeichnet ist, mehrere Stücke mit einer zusätzlichen Oberstimme, die man ebenso gut auf einem zweiten Cembalo, bei entsprechenden Fähigkeiten des Spielers mit improvisiertem Continuo, ausführen kann. Die Allemande war in der Bach-Familie bekannt - darauf komme ich später noch zurück.
In den Vorworten zu Couperins Kammermusikzyklen Les Nations (1726) und Les Apothéoses (1724) ist die Möglichkeit der Ausführung auf zwei Cembali ausdrücklich erwähnt.

Der mysteriöse Gaspard Le Roux, unter dessen Namen 1705 ein Buch mit Suiten erschienen ist, nimmt eine Schlüsselstellung ein, denn dieses Buch kann man auf dreierlei Art aufführen:
- mit einem Cembalo
- mit zwei Cembali, wofür er aber nur einige Stücke ausgeschrieben hat, ansonsten die Anweisung liefert, wie die zweite Cembalostimme aus dem vorhandenen Material abzuleiten ist - er liefert für alles eine dritte Stimme mit
- mit Kammerensemble, zwei Oberstimmen und basse continue, wofür er auch wieder die Anleitung für das Erstellen der Noten liefert.
Man vermutet, daß Johann Sebastian Bach auch dieses Werk gekannt haben könnte ...

Auch beim letzten großen Vertreter der Couperin-Dynastie, Armand-Louis Couperin (1727-1789) gibt es ausdrücklich für zwei Cembali bestimmte Stücke:
- 3 Quatuors pour deux clavecins (leider ist nur das 2. komplett erhalten)
- Symphonie pour deux clavecins
Diese Stücke verlangen ausdrücklich französische Cembali neuster Bauart mit allen Innovationen incl. Büffelregister und Jalousieschwellern.
Unbekannt Samstag, 16. Januar 2010, 03:54
Johann Sebastian Bach
Wilhelm Friedemann Bach
Carl Philipp Emanuel Bach
Johann Christoph Friedrich Bach
Johann Christian Bach

Händel
Johann Ludwig Krebs
Christoph Schaffrath
Johann Mattheson
Johann Gottfried Müthel

(Erläuterung folgt)
Unbekannt Samstag, 16. Januar 2010, 03:54
Rust
Hässler
E.W.Wolf
Wölfl
G.F. Wolf
Schubart
Vanhal
Haydn
Kozeluh
Hummel
Eberl
Rinck

Wesley

(Erläuterung folgt)
Unbekannt Samstag, 16. Januar 2010, 04:05
Pasquini
Jomelli
Zipoli
Zuchinetti
Clementi

Soler

(Erläuterung folgt)
Unbekannt Samstag, 16. Januar 2010, 07:48
Stücke für zwei Orgeln sind meistens ausdrücklich so bezeichnet - die Kirchen mit entsprechender Ausstattung waren und sind rar.

Stimmt. In Kathedralen gibt es aber meistens neben der Langschifforgel noch eine Chororgel (und in separaten Kapellenräumen manchmal noch zusätzlich Instrumente).
In großen Klosterkirchen stehen oftmals auch mehrere Instrumente (Muri, Ottobeuren, Ochsenhausen...).

In Italien und auf der iberischen Halbinsel wurden häufig zwei oder mehr Orgeln zugleich installiert, die sich fast immer als Evangelien- und Epistelorgel vor dem Chor (der Kirche) gegenüberstehen. Häufig sind sie optisch als Spiegelbilder ausgelegt.

In Mafra, einem großen barocken Klosterkomplex, der zugleich Sommerresidenz der portugiesischen Könige war, stehen (eher hängen) in der Vierung sechs einander sehr ähnliche Orgeln.
Und dafür gibt es sogar Musik:
Frei José de Santa Rita Marques e Silva (1780-1837): Hino "Veni Assur" para solistas, coro e três órgãos — geschrieben für Mafra (wohl, weil drei immer kaputt waren :D ).
Unbekannt Samstag, 16. Januar 2010, 13:35
Guten Tag
Stücke für zwei Orgeln sind meistens ausdrücklich so bezeichnet - die Kirchen mit entsprechender Ausstattung waren und sind rar.

Stimmt. In Kathedralen gibt es aber meistens neben der Langschifforgel noch eine Chororgel (und in separaten Kapellenräumen manchmal noch zusätzlich Instrumente).


Könnte man diese Aufnahme



mit Orgelmusik von Onkel und Neffe Gabrieli zu dieser Rubrik zählten, hier werden mehrere Stücke für zwei Orgeln - an San Marco zu Venedig wohl an der 1. + 2. Orgel mit dem 1. + 2. Organisten - geschlagen. zu dieser Rubrik zählen? Hört sich jedfenfalls gewaltig an.

Zitat

In großen Klosterkirchen stehen oftmals auch mehrere Instrumente (Muri, Ottobeuren, Ochsenhausen...).
Von den Orgeln der Klosterkirche zu Muri habe ich diese



Aufnahme, auf der mehrere Stücke z.B. von Gussago und da Vidana für zwei Orgeln - reizvoll anzuhören - eingespielt sind.



Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Samstag, 16. Januar 2010, 19:07
Ja, die würden passen - San Marco in Venedig war dafür bekannt, die mehrchörigen Werke brauchten ja auch mehrere Orgeln als Continuoinstrumente für die einzelnen Vokal/Instrumentalchöre.

Ich habe mich erst mal auf die Musik für 2 und mehr Saitenclaviere konzentriert - für Hinweise auf entsprechende Kompositionen für Orgeln bin ich dankbar!
Unbekannt Samstag, 16. Januar 2010, 19:10
In Kathedralen gibt es aber meistens neben der Langschifforgel noch eine Chororgel (und in separaten Kapellenräumen manchmal noch zusätzlich Instrumente).
In großen Klosterkirchen stehen oftmals auch mehrere Instrumente (Muri, Ottobeuren, Ochsenhausen...).

Für solche Ausstattung waren die oben erwähnten Stücke von Arnolt Schlick wohl auch gedacht.

Zitat

In Italien und auf der iberischen Halbinsel wurden häufig zwei oder mehr Orgeln zugleich installiert, die sich fast immer als Evangelien- und Epistelorgel vor dem Chor (der Kirche) gegenüberstehen. Häufig sind sie optisch als Spiegelbilder ausgelegt.

So etwas musste Antonio Soler zur Verfügung haben, als er seine Sechs Concerti für zwei Orgeln schrieb.
Weisst Du, ob diese Anordung oder diese Instrumente allgemein eine bestimmte Funktion hatten, wie z.B. in der Begleitung mehrchöriger Kompositionen?
Unbekannt Samstag, 30. Januar 2010, 03:50
Beabrbeitungen für zwei Cembali:




(Erläuterung folgt, ich wollte erst mal die links auf die Bilder retten.)
Unbekannt Samstag, 30. Januar 2010, 11:18
So etwas musste Antonio Soler zur Verfügung haben, als er seine Sechs Concerti für zwei Orgeln schrieb.


Der hatte was anderes: Im Escorial stand eine Doppelorgel, deren Spieler sich direkt gegenüber saßen. Exakt dafür hat Soler die Concerti geschrieben.

Zwei und mehr Orgeln kommen schon in der Antike vor, im Mittelalter gibt es sie auch. Anlässe und/oder Verwendungszwecke sind verschieden:
In Spanien und sonstwo, wo sich zwei Orgeln im Chor gegenüberstehen, ging es wohl in erster Linie um architektonische Symmetrie. Liturgische Gründe kenne ich nicht. Es gibt sogar einige Anlagen, wo ein Gehäuse vollkommen blind ist (also nur Fassade, die nicht gespielt werden kann). Da kam die Musik dann erst hinterher.

Kleinere Orgeln auf verschiedenen Emporen sind meistens Begleit- bzw. Continuoinstrumente für mehrchörige Angelegenheiten (Venedig, Salzburg etc.), wurden aber auch als Gelegenheit zum Zweiergeorgel genutzt – in San Marco traten Merulo und Gabrieli als Duellanten an.

Die zusätzlich zur Hauptorgel im Westen installierte Orgel im Chorraum diente als Intonations- und Begleitinstrument vor allem für die dort beschäftigten Liturgen und Chorsänger, hauptsächlich in Haupt- und Klosterkirchen. In vielen Kirchen genügt sie heute angesichts der Besuchermenge als musikalische Unterstützung des Gemeindegottesdienstes.
Unbekannt Samstag, 30. Januar 2010, 12:36
In Spanien und sonstwo, wo sich zwei Orgeln im Chor gegenüberstehen, ging es wohl in erster Linie um architektonische Symmetrie. Liturgische Gründe kenne ich nicht.
Warum wurden in Spanien (und auch Italien) die Orgeln dann als Evangelien- und Epistelorgel bezeichnet? Diese Bezeichnungen weisen doch auf die Liturgie hin, und hier wird ausdrücklich die liturgische Bestimmung erwähnt.

Leider kenne ich mich mit der katholischen Liturgie nicht aus und kann deshalb auch keinen konkreten Bezug dazu herstellen. In der evangelischen Liturgie gibt es drei Lesungen (alttestamentliche Lesung, Lesung aus einem der vier Evangelien und Lesung aus einem der sogenannten Lehrbriefe [Epistel, also z. B. Römerbrief]), wobei die erste Lesung oft entfällt; es bleiben also noch Evangelium und Epistel. Ich kann mir vorstellen, dass dies in der katholischen Messe ähnlich ist.

Viele Grüße,
Andreas
Unbekannt Samstag, 30. Januar 2010, 13:10
Warum wurden in Spanien (und auch Italien) die Orgeln dann als Evangelien- und Epistelorgel bezeichnet? Diese Bezeichnungen weisen doch auf die Liturgie hin, und hier wird ausdrücklich die liturgische Bestimmung erwähnt.


Du meinst diesen Satz:

Zitat

Traditionell war die Chororgel (oder in Italien/Spanien das Evangelien/Epistel-Orgelpaar) für eine katholische Liturgie bestimmt, die sich großteils im Chorraum der Kirche abspielte.


Man kann auch einfach interpretieren, dass der Chorraum hier das wichtige Wort ist.
Die linke Kirchenhälfte wird gemeinhin als Evangelienseite, die rechte als Epistelseite bezeichnet. Das stammt wohl vom jeweiligen Aufenthaltsort der beiden Bücher her, die dort zur Lesung bereitlagen, bzw. dorthin gebracht wurden. Das ist aber keine italienische oder spanische Besonderheit.
Die linke Orgel ist also die Evangelien-, die rechte die Epistelorgel. Backbord und Steuerbord. Aus die Maus.
Tja, Wikipedia eben... :D :stumm:
Unbekannt Samstag, 6. März 2010, 21:27

Haydn


Vorhin habe ich CD 3 der Schornsheim-Box gehört, und unter allen Werken der ersten drei CDs (das sind die ganz frühen Klavierwerke Haydns) hat mir die Partita Hob.XVIIa:2 für 2 Cembali am besten gefallen. Das Stück hat zwei Sätze (Allegro und Menuet), und Frau Schornsheim spielt hier zusammen mit Herrn Staier. Auf CD 10 spielen sie dann nochmal zusammen eine vierhändige Sonate von 1779.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Samstag, 6. März 2010, 21:35
...nicht zu vergessen der 'musikalische Scherz', während dessen das Handy klingelt und Christisne sich mit dem Ausruf 'Andreas!' empört... (Variation 6 oder 7 der Sonate vierhändig F-Dur Hob. XVIIa: 18 - bei mir Track 213 oder 214).

Wie witzig!

8|
Unbekannt Sonntag, 28. März 2010, 19:29
Beabrbeitungen für zwei Cembali:




Wobei der Titel Quatuors pour deux clavecins noch hätte ergänzt werden müssen um ...et un mathématicien déconcertant.

Ich fand die Platte bis auf den Fandango ziemlich nervtötend.

:angel:
Unbekannt Sonntag, 27. Februar 2011, 21:50
Musik für 2 Tasteninstrumente wird immer ein Schattendasein führen: welcher Haushalt hat schon 2 + - gleichwertige Tastenistrumente, möglichst noch in 1 Raum? (Wer stimmt die permanent? :D
Hier eine kurze Ergänzung zu Werken, Noten, CD´s einiger Komponisten:
- JS Bach:
1) Concerto C-Dur, BWV 1061 (mit Orchester) und BWV 1061a (ohne Orchester). Nur die beiden Cembalostimmen sind original von AM Bach geschrieben, Titel und Korrekturen von der Hand JSB. Die Orchesternoten sind Abschriften. Es könnte sehr gut sein (und ist es wahrscheinlich auch), dass dieses Konzert ursprünglich nur für 2 Tasteninstrumente komponiert wurde, und später für Konzertzwecke orchestriert wurde. Das Orchester spielt NICHTS, was nicht auch in den Cembalostimmen steht.
Noten: Verlag Peters (alt); Verlag Breitkopf&Härtel; NBA (Bärenreiter)
CD: Label Globe: Egarr/Ayrton, zusammen mit Mattheson, WFB, JL Krebs für 2 Cembali; Label RG: Heyerick/Penson, zusammen mit JL Krebs, WFB, GF Händel für 2 Cembali. Uvam
2) Kunst der Fuge BWV 1080, daraus original (teilweise jedoch eingerichtet) die von JSB NICHT in die KdF gewünschten Stücke (hier Fugen genannt, und nicht Contrapunctus), nämlich 2 Spiegelfugen (inversa/versa)
Noten: NBA (Bärenreiter)
CD: Label Harmonia Mundi: Leonhardt/Asperen; Label Erato: Koopman, Mathot
Fortsetzung morgen, mir fallen die Augen zu.
Unbekannt Montag, 28. Februar 2011, 08:22
Fortsetzung mit Werken von JSB:
3) Für 2 Claviere und Orchester hat JSB noch ein Konzert geschrieben (umgeschrieben): das in c-moll, BWV 1060. Die Soloinstrumente der Urfassung sind unbekannt. Es wird stark angenommen, dass diese Violine und Oboe sind (den Oboisten sei das von Herzen gegönnt). Also: man nehme die allein überlieferte Clavierfassung, transponiere das Ganze 1 Ton höher (hat Bach doch immer so gemacht ?( ), schmeisse obligate Stimmen für die linken Hände raus, vornehmlich im 2. Satz (hat Bach doch auch immer so gemacht ?( ), richte eine konzertante Oberstimme etwas violinistischer ein, und schon haben wir die "originale" Urfassung, die dann sogar Eingang in das BWV unter BWV 1060R findet. Na ja, alles ist ja erlaubt, hier sogar nützlich. Mir gefällt jedoch die überlieferte Fassung wesentlich besser.
Noten: siehe BWV 1061
CD: Referenz unter vielen Aufnahmen: Label Erato: Koopman/Mathot; Label MDG: Hollmann/Remy

WF Bach:
von ihm sind 2 Werke für 2 Tasteninstrumente überliefert:
1) Concerto für 2 Cembali solo in F-Dur, Fk. 10
Dieses Werk, sich zu Recht zunehmender Beliebtheit in Hörerkreisen erfreuend, bietet den Spielern haufenweise Ärger im Zusammenspiel. Es ist "intrikat" geschrieben, um einen beliebten Bach´schen Familienausdruck zu benutzen. Liebhaberspieler müssen schon sehr viel üben und Geduld aufbringen, um dieses Werk einigermaßen zum Klingen zu bringen.
Noten: hoffnungsfroh baldige Neuausgabe beim Verlag Carus; sonst: Verlag Schott
CD: siehe BWV 1061
2) Mit Ochester: Konzert in Es-Dur, Fk 46, ein groß besetztes und großartiges Werk.
CD: Label Carus: Behringer/Hill, Label DGA: Staier/Hill

CPE Bach:
Überliefert sind von ihm:
1) 2 Werke für 2 Claviere: a) 4 Duette, Wq.115 (hat CPEB auch anders instrumentiert), und neuerdings 1 Sonate in C-Dur, Wq. n.b. Triosonaten in Sonaten für 2 Claviere umschreiben? Kürzlich wurde ein bislang unbeachtetes Blatt in der Pariser Nationalbibliothek genauer unter die Lupe genommen. Es war dem Autograph der Sonate für Flöte und obl. Cembalo, Wq 87 beigeheftet. Und siehe da, es entpuppte sich als CPEB-Autograph, Änderungen in der Flötenstimme, damit dieses Werk mit 2 Clavieren gespielt werden kann. Der minutiöse CPEB hat dabei ausdrücklich vermerkt, dass die Bassstimme unverändert zu bleiben hat. Und schon haben wir eine Sonate für 2 Claviere von ihm.
Noten: Sonate in C: Verlag Carus; Duette Wq. 115: Verlag Breitkopf&Härtel
CD: (nur Duette) Label Decca: Hogwood/Rousset; Label Violet: Friedrich/Friedrich
Unbekannt Montag, 28. Februar 2011, 12:03
Von WFB gibt/gab es insgesamt folgendes für 2 Cembali ohne Begleitung:

BR A6 Sonata D-Dur für 2 Cembali (Fk 11) (verloren, gelistet in einem Katalog von Westphal 1782)
BR A12 Concerto a duoi Cembali concertati F-Dur (Fk 10) (ca. 1740)
BR C12a Concerto in E-moll - Arrangement für 2 Cembali (F 43a)

Letzteres harrt leider noch eines Neudrucks oder Tonträgeraufnahme, das Arrangement hat er wohl eigenhändig angefertigt.
BR A 12 ist in Band 1 der neuen Werkausgabe neu gedruckt worden. Vielleicht gibt es auch eine Einzelveröffentlichung.
Unbekannt Montag, 28. Februar 2011, 12:08
Die erhaltenen Werke von Bach und Söhnen (außer JCF) für zwei unbegleitete Tasteninstrumente gibt es übrigens alle auf einen Schlag auf dieser schon erwähnten CD von Christopher Hogwood und Christophe Rousset:



Sie wechseln zwischen Cembalo, Clavichord und Tafelklavieren, das spielerische Niveau ist sehr gut. BWV 1061a und WFBs Stück sind die auf dem höchsten kompositorischen Niveau.
Unbekannt Montag, 28. Februar 2011, 12:12
... neuerdings 1 Sonate in C-Dur, Wq. n.b. Triosonaten in Sonaten für 2 Claviere umschreiben? Kürzlich wurde ein bislang unbeachtetes Blatt in der Pariser Nationalbibliothek genauer unter die Lupe genommen. Es war dem Autograph der Sonate für Flöte und obl. Cembalo, Wq 87 beigeheftet. Und siehe da, es entpuppte sich als CPEB-Autograph, Änderungen in der Flötenstimme, damit dieses Werk mit 2 Clavieren gespielt werden kann. Der minutiöse CPEB hat dabei ausdrücklich vermerkt, dass die Bassstimme unverändert zu bleiben hat. Und schon haben wir eine Sonate für 2 Claviere von ihm.

Dieses Duett haben Léon Berben und Wolfgang Kostujak in ihrem Duo-Repertoire - ein meiner Ansicht nach wesentlich niveauvolleres Stück als die Duette, die für die Hausmusik der Liebhaber konzipiert zu sein scheinen.
Diese Bearbeitung ist ein weiteres Indiz dafür, wie häufig die Komponisten Triosonaten auf zwei Tasteninstrumenten gespielt haben dürften.
Unbekannt Montag, 28. Februar 2011, 12:16
Fortsetzung mit Werken von CPE Bach

2) Konzerte mit Orchester und 2 Clavieren:
- Wq 46, F-Dur, 1740 komponiert. Da Vater Bach 1741 seinen Sohn Carl Philipp in Berlin besucht hat, ist zu vermuten, dass CPEB dieses Konzert für diesen Anlass geschrieben und es in Berlin aufgeführt wurde. Vater und Sohn an den Clavieren. Das muss was gewesen sein! Dafür sprechen auch sehr die virtuosen Ansprüche an die Concertisten, Liebhaber müssen da passen. Das Konzert ist eine Meisterleistung, ein Vergnügen für Hörer. Nur, auf welchen Tasteninstrumenten wurde es in Berlin aufgeführt? Der Werkstitel nennt Cembali, was nicht allzu viel besagen will. Eine Aufführung bei Hof wäre auch mit 2 Silbermann Fortepiano möglich gewesen, wir wissen es nicht.
Noten: Verlag Hans Sikorski
CD: Label DGA: Staier/Hill; Label Berlin: Alpermann/Schornsheim

- Wq 47, Es-Dur, in CPE Bach´s letztem Lebensjahr 1788 komponiert. Im Titel werden ausdrücklich "Concerto doppio a cembalo concertato, fortepiano concertato..." genannt, also eine bewusste Gegenüberstellung beider Tasteninstrumente. Schon diese Tatsache macht das Werk einmalig, andere in dieser Besetzung sind mir nicht bekannt. Gleiches gilt für seine Qualität. Unauffälig schreibt er Cembalo-gemäß, und stellt es dem Fortepiano-gemäßen gegenüber. Letzteres intoniert manchmal schon typisch "Wiener" Passagen. Ein Wettstreit ist dieses Konzert schon, aber ohne Sieger, wie manche Kommentatoren es gerne hätten. Zum Abschluss des 3. Satzes zeigt uns CPEB etwas Besonderes: ein kurzes Fugato, sofort in Engführung, Themenverkürzung- und Verlängerung, eine letzte Verbeugung vor dem Vater?
Noten: Verlag Bärenreiter
CD: Label DGA: Hill/Berben uvam

JCF Bach
Er schreibt an den Verleger Breitkopf in Leipzig 1791:" Ich habe kürzlich 2 Clavier Sonaten vor 2 concertierende piano Forte ohne Begleitung gesetzt, sollten sie Lust haben, sie zu drucken?"
Offensichtlich hatte er keine Lust, denn die Werke sind nicht mehr greifbar. Schade!
Unbekannt Montag, 28. Februar 2011, 12:36

- Wq 47, Es-Dur, in CPE Bach´s letztem Lebensjahr 1788 komponiert. Im Titel werden ausdrücklich "Concerto doppio a cembalo concertato, fortepiano concertato..." genannt, also eine bewusste Gegenüberstellung beider Tasteninstrumente. Schon diese Tatsache macht das Werk einmalig, andere in dieser Besetzung sind mir nicht bekannt. Gleiches gilt für seine Qualität. Unauffälig schreibt er Cembalo-gemäß, und stellt es dem Fortepiano-gemäßen gegenüber. Letzteres intoniert manchmal schon typisch "Wiener" Passagen. Ein Wettstreit ist dieses Konzert schon, aber ohne Sieger, wie manche Kommentatoren es gerne hätten. Zum Abschluss des 3. Satzes zeigt uns CPEB etwas Besonderes: ein kurzes Fugato, sofort in Engführung, Themenverkürzung- und Verlängerung, eine letzte Verbeugung vor dem Vater?

Die Verbeugung ist umso wahrscheinlicher, als dieses Werk, ebenso wie WFBs für zwei Cembali und Orchester, als Auftragswerk für Sara Levy entstanden zu sein scheint, die ja für ihre Bach-Verehrung bekannt war. Näheres steht in Peter Wollnys neuem Buch über Sara Levy:

Unbekannt Montag, 28. Februar 2011, 19:37
Eigentlich war dieser Thread nur für die Werke für zwei oder mehr Tasteninstrumente ohne weitere Mitwirkende gedacht ... das ließe sich aber noch auseinandernehmen.
Unbekannt Montag, 28. Februar 2011, 19:41
JC Bach
- Sonate für 2 Claviere, op. 15,5, G-Dur
Noten: Verlag Schott
CD: Label L´Oiseau-Lyre: Hogwood/Rousset; Label Agora: Barbero/Sorrento (auf Cembali); Label CPO: Genoveva/Dimitrov (die Agora und CPO-Aufnahmen bieten zusätzlich noch die drei 4-händigen Sonaten)

Die Sonate für 2 Claviere hatte ich lange Jahre aus dem Gedächtnis verloren. Nach nochmaligem Anhören (mit Noten) weiss ich auch warum: so leid es mir tut, es wird unterdurchschnittliche Claviermusik geboten, melodisch und harmonisch langweilig, einfachste Kost, nette, harmlose Hintergrundsmusik.

Johann Ludwig Krebs

- Concerto für 2 Cembali, a-moll, KrWV 840
Dieses Werk wurde 1753 komponiert, und mit großem Erfolg am Dresdner Hof aufgeführt. Es besteht aus 3 Sätzen: ohne Bezeichnung, Affetuoso, Allegro, und ist sicherlich für Lehrer und Schüler geschrieben: das Cembalo primo hat mehr zu tun als das secondo. Deswegen ist es für Liebhaber noch gut beherrschbar. Diese Tatsache bringt dem Stück keinerlei qualitativen Mängel. Es ist gut und sinnvoll aufgebaut, spannungsreich, ein Genuss für Spieler und/oder Hörer.
Noten: Verlag Klein
CD: Label Globe: Egarr/Ayrton; Label HM: Cremonesi/de Marchi; Label RG: Heyerick/Penson

Johann Gottfried Müthel
Hier nähern wir uns einem "Spezialisten" der Musik für 2 Claviere: in seinem nicht gerade üppigen Werkbestand befinden sich 2 große Duetti für 2 Claviere:
- Duetto in C-Dur, mit den Sätzen Moderato, un poco Adagio, Allegro. Leider ist mir kein neuer Notendruck dieses Werks bekannt (Interessenten können von mir 2 gut lesbare Stimmhefte zugesandt bekommen). Dieses Duetto ist auch für Liebhaber, zwar nicht problemlos, aber spieltechnisch beherrschbar. Hören kann man das hervorragende Werk bei
CD: Label MDG: Hollmann/Lohr (2 CD´s mit Clavierkonzerten und weiteren Werken Müthels)

- Duetto in Es-Dur, mit den Sätzen: ohne Bezeichnung; Adagio mesto e sostenuto, con affetto; Allegretto.
Vorab: es ist ein sehr anspruchvolles, schwieriges Werk für Hörer (wahrscheinlich Müthels großartigstes Werk), Clavierliebhaber sollten garnicht erst versuchen, es spielen zu wollen. Die technischen Schwierigkeiten sind immens, das Einüben des Zusammenspiels wird von Takt zu Takt qualvoller - Finger weg. Da müssen wahre "Fachleute" ran. Und selbst die scheuen diese Materie. Mir ist derzeit keine CD-Aufnahme dieses Duetts bekannt (es soll da eine auf 2 Clavichorden geben, finde die aber nicht)
Noten: Nagels Musikverlag
Unbekannt Dienstag, 1. März 2011, 08:02
ein meiner Ansicht nach wesentlich niveauvolleres Stück als die Duette, die für die Hausmusik der Liebhaber konzipiert zu sein scheinen.
Ach ja, die 4 Duette. "Wie hätten sie es denn gerne , gnä` Frau?" Diese Stücke gibt es wahl/teiweise für 2 Klarinetten; Clavier, Klarinette, Fagott; Bläsersextett; alles im Autograph. Die waren halt nützlich.....und zeitsparend. All das kann man getrost vergessen, wie so manches anderer Komponisten (ich könnte da so einiges aufzählen, unterlasse das jedoch, um Ärger zu vermeiden).