Alte Musik Forum

ALTE MUSIK FORUM

Digitales Archiv & Expertenwissen

Musik an den Höfen der Kurfürsten von der Pfalz

Unbekannt Sonntag, 8. November 2009, 11:06
Guten Tag

im Thread über Musik am Mannheimer Hof wurde die die "Musik am Düsseldorfer Hof" erwähnt. Ich will den Thread hier aufgreifen und fortsetzen.

Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz (1658 – 1716), aus dem Hause Pfalz-Neuburg stammend, war der Inbegriff des barocken Herrschers. Er regierte knapp vierzig Jahre, erst als Herzog von Jülich-Berg, ab 1690 als Kurfürst von der Pfalz, seine Territorien größtenteils von seiner Residenz in Düsseldorf aus. Die enorme Zerstörung der kurpfälzer Stammlande am Rhein und Neckar infolge des Pfälzer Erbfolgekrieges ließen eine repräsentative Hofhaltung dort nicht zu.
Verheiratet war Kurfürst Johann Wilhelm zuerst mit der Erzherzogin Maria Anna Josepha von Habsburg, nach deren Tode 1689 heiratete er 1691 Prinzessin Anna Maria Luisa de’ Medici. Johann Wilhelm (volkstümlich auch „Jan-Wellem“ genannt) nahm sich die Hofkapellen des Wiener Kaisers, des Sonnenkönigs zu Versailles und auch des sächsischen Kurkurfürsten zu Dresden zum Vorbild für seine Düsseldorfer Hofkapelle. Während seiner Regierungszeit brachte er die Kurpfälzer Hofkapelle und Hofoper auf ein höchstes künstlerisches Niveau. Die Hofmusik diente vor Allem dem barocken Fürsten als Instrument höfischer Prachtentfaltung. In den glanzvollsten Tagen der Regierungszeit des Kurfürsten erreichte die Kapelle die stattliche Anzahl von 60 Musikern, einen großen Teil der Musiker brachte Kurfürst Johann-Willhelm, als er 1679 von seinem Stammsitz Neuburg/Donau nach Düsseldorf zog, aus der Hofkapelle seines Vaters mit. Der Hofmusik war für besondere repräsentative Aufgaben noch ein „Herrschaftliches Blechbläser-Corps“ angegliedert. Die beachtliche Stärke der kurfürstlichen Hofkapelle zu Düsseldorf beschreibt ein Protokoll über die anlässlich der Kaiserkrönung 1711 nach Frankfurt angereiste kurfürstliche Delegation:
„Sämbliche Churfüstliche Cammer-Musici in Summa 53, mit 15 Bediensten und 4 Calcanten“ sowie „12 Trompeter drey Pauker undt Obristtrompeter“
seien aus Düsseldorf angereist; über eine solch
„ruhmbvolle Capelle“ verfügten weder Chur Mainz noch sonst ein anderer deutscher Fürst.
An der Spitze der Hofkapelle stand zunächst Sebastiano Moratelli, ein Priester, der vorher als Altist an San Marco in Venedig, später am Wiener Kaiserhof Kariere gemacht hatte. Ab 1695 als Kapellmeister, und zuvor als Hoforganist und Vizekapellmeister, wirkte der aus Bayern stammende Johann Hugo Wilderer, ein Schüler Legrenzis. Wilderer trug den Titel eines Kammerrates und wurde später geadelt. Vizekapellmeister war der Mailänder Carlo Luigi Pietra Grua d.Ä, dessen Bruder Vincenzo Paolo wirkte in Düsseldorf als Hoforganist. Carlo Luigi hatte zuvor in der Dresdner Hofkapelle gesungen. Zur fürstlichen Hofmusik zählte neben einer stattlichen Anzahl von Instrumentalisten mehrere Sänger, darunter italienische, gelegentlich von anderen Höfen ausgeliehene oder in ihrem Heimatland angeworbene Kastraten für die Sopran- und Altpartien.
Diese musikalische Blütezeit Düsseldorfs zog große Musiker aus ganz Europa an den Hof nach Düsseldorf. Besondere Bedeutung waren hierbei die engen durch Einheirat geknüpften familiären Beziehungen zu den Häusern Habsburg und Medici. Bedeutende Komponisten widmeten dem Kurfürsten Hauptwerke, zum Beispiel schrieb Arcangelo Corelli für ihm ein Kammerkonzert und widmete ihm seine Concerti grossi op. 6, der Kurfürst verlieh ihm Posthum den Titel eines „Marchione de Ladenburg“. Agostino Steffani wirkte zeitweise, u.a. auch als Diplomat, am Hof; er hatte zwar kein musikalisches Amt inne, gab aber durch sein Wirken dem musikalischen Leben am Hofe starke Impulse. Opernlibretti verfassten Giorgio Maria Rapparini und Carlo Pallavicini. Johann Schenck, Georg Andreas Kraft und Francesco Maria Veracini waren als bedeutende Streicher-Virtuosen tätig, Holzbläser aus den Familien Holzbauer und Cannabich waren ebenfalls hier im Dienst. Die Lautenisten-Familie Weiss, mit Vater und Söhnen, standen ebenfalls zeitweise in Diensten Jan Wellems; Silvius Leopold Weiss, der wohl bekannteste Lautenist der Zeit, komponierte seine Sonate c-moll 1706 in Düsseldorf. Auch Georg Friedrich Händel besuchte mehrmals den Hof in Düsseldorf und lernte die dortigen Hofmusiker kennen, er schätzte die Sänger der Düsseldorfer Oper, die über einen hervorragenden Ruf verfügten. Händel verpflichtete unter anderem den Lieblingssänger des Kurfürsten, Valeriano Pellegrini, nach London. Man nimmt an, dass Händel in Düsseldorf die Komposition einer Oper dem Kurfürsten versprochen hatte und dass auch eine Händel-Oper in Düsseldorf aufgeführt wurde.
Mit vielen Komponisten pflegte der Kurfürst darüber hinaus regen Briefwechsel.
Das neue Opernhaus 1696 wurde mit der Oper "Giocasta" von Johann Hugo von Wilderer eröffnet. Die Pläne dafür stammten von Matteo di Alberti, der auch zusammen mit Jan Wellem große Pläne zum Ausbau der Residenzstadt Düsseldorf entwickelte. Die Kurfürstin Anna Maria Luisa stiftete sogar für den Bau der Oper 80.000 Gulden aus ihrem Privatsatulle. Ein außerordentlich guter Ruf eilte der Düsseldorfer Oper sehr schnell voraus, der auch benachbarten Fürstenhöfe erreichte.
Jan Wellem, der selbst Viola da Gamba spielte, verfügte über eine reichhaltige Instrumentensammlung. Als Instrumentenbauer wirkten zu dieser Zeit die Gebrüder Kaiser. Die Streicher der Hofmusik wurden von ihrem Kollegen Pancratius Reber d.Ä. (ca. 1670 -1734) mit Streichinstrumenten versorgt, Reber war als Hornist Mitglied der Hofmusik. Augenzeugen, wie der ehemalige Gesandtschaftssekretär der Niederlande, Blainville, berichteten über das Düsseldorfer Hofmusikleben:
"...eine treffliche Bande von Tonkünstlern"; über die Lustbarkeiten am Hofe schrieb er lobend: "Bälle, Opera, Comödien, Musikconzerte, Freudenfeste, alles ist herrlich, und alle diese Ergötzlichkeiten genossen wir fast alle Tage...".
In den Kurpfälzischen Stammlanden an Rhein und Neckar war Johann-Wilhelm weniger beliebt, man warf ihn seine Verschwendungssucht vor; angesichts der Zerstörungen des Pfälzer Erbfolgekrieges verständlich. Allerdings genoss man seinen höfischen Glanz bei einen seiner wenigen Aufenthalten in der Kurpfalz.
Das Mannheimer Ratsprotokoll von 1707 berichtete anlässlich des 100-jährigen Stadtjubiläums Mannheim, über ein rauschendes Fest in Anwesenheit des Herrschers:
„Abends wurde auf dem Markt eine Serenada von allerhand musikalischen Instrumenten gehalten, und sobalden auch auf dem neuen Rathausturm und an dem großen Brunnen auf dem Markt ein ganz künstliches Feuerwerk unter dem Trompeten- und Paukenschall präsentiert.“.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 8. November 2009, 11:17
Guten Tag

Nachdem Kurfürst Johann Wilhelm 1716 in Düsseldorf verstarb, folgte ihn sein ebenfalls kunst- und musikliebender Bruder Karl Philipp als Kurpfalz von der Pfalz nach. Von Anfang an war Karl Philipp entschlossen, seine Residenz in der Kurpfalz, zuerst in der Hauptstadt Heidelberg zu nehmen. Karl Philipp begleitete nach etlichen geistlichen und militärischen Stellungen ab 1704 das Amt eines Gubernator und später als kaiserlicher Stadthalter in Tirol mit Amtssitz in Innsbruck. Bereits in Innsbruck verfügte er über eine stattliche Hofkapelle, deren Grundstock aus dem schlesischen Breslau und aus Brieg stammten. Für Innsbruck sind festliche Konzerte und Opernaufführungen, meist in zeittypischer italienischer Sprache, bezeugt. Reisende berichteten, dass sie selten solch ein Orchester von dieser Klangpracht und Perfektion gehört hätten. Seine Hofmusiker begleitenden ihn auch 1716 beim Antritt seiner Regentschaft in die Kurpfalz. Karl Philipp engagierte seine Musiker nicht nach Belieben oder Kassenlage, sondern verpflichtete sie als feste Mitglieder der Hofkapelle. Ein Personalverzeichnis der Hofbeamten von 1724 verzeichnet über 70 Mitglieder der Hofkapelle, darunter zehn Trompeter, zwei Pauker und drei Kastraten für Sopran und Alt, 16 dieser Musiker waren schon für Innsbruck belegt. 1720 wurde die kurfürstliche Residenz von Heidelberg nach Mannheim am Zusammenfluss von Rhein und Neckar verlegt, für das große neue Schloss war bereits in selben Jahr der Grundstein gelegt worden. Das seit dieser Zeit geplante Hoftheater im Schloss konnte erst 1741 vollendet und mit der Aufführung der Oper „Meride“ des Hofkapellmeisters Carlo Pietro Grua eingeweiht werden.
Am Hofe Karl Philipps, der 1742 verstarb wurden hauptsächlich konzertante Musik und Kirchenmusik, Oratorien und kleine Pastoralopern aufgeführt, erhaltene Textbücher deuten auf eine gelegentliche szenische Aufführung hin. Zu den Geburts- und Namenstagen der kurfürstlichen Familie wurden regelmäßig Serenaden veranstaltet, so etwa 1721 ein componimento per musica: „il concillio de pianti“. Anlässlich des Besuches des ebenfalls wittelsbacher Erzbischofs Clemens von Köln 1722, wurde die Pastoraloper „Coronide“ zu Ehren des Gastes gegeben. 1723 kam die italienische Pastoraloper „Amor sul monte“, 1724 „il giudicio di Paride“ als festa teatrale zur Aufführung. Die Sprache der Musik blieb weitgehend italienisch, es überwogen bei den Mannheimer Musikern damals allerdings schon deutsche Künstler, wie den Kapellmeister Wilderer, den Komponist en Jacob Greber oder den Konzertmeister Gottfried Finger.
Diese Mischung von Musikern aus den Hofkapellen der früheren Residenzen Düsseldorf und Innsbruck kann man als Vorläufer der „eigentlichen“ Mannheimer Schule gelten lassen. Unter seinem Nachfolger, dem Kurfürsten Carl-Theodor von der Pfalz aus dem Hause Pfalz-Sulzbach, erlangte die Mannheimer Hofkapelle eine enorme Blüte.



Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 8. November 2009, 11:50
Guten Tag

einen exemplarischen Überblick über die Kirchenmusik am Düsseldorfer Hof bietet diese



CD "Jan Wellem - Musik der Ära Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg " mit dem Norddeutscher Figuralchor und Düsseldorfer Hofmusik.

Vom Hofkapellmeister Wilderer wurde eine Missa in g-moll, bestehend aus "Kyrie u. Gloria", für 4-stimmigen Chor, Streicher undB.c. aufgenommen. J.S. Bach besaß in seiner Notenbibliothek eine Abschrift der Missa und führte sie wohl mehrmals in Leipzig auf. Als weitere Kompostionen Wilderers finden sich auf der CD die Motetten "Quando jesus adest" und Custodi me". Ein Höhepunkt ist sein prunkvolles "Te Deum" für 4 Singstimmen, 4 Trompeten, Pauke, Streicher und B.c., das die barocke Pracht der damaligen Festmessen erahnen läßt.
Der Vicecapellmeister C.P. Grua ist mit einer Osterkantate "Halleluja fideles plaudie" für 5 Vokalstimmen, Trompeten, Streicher u. B.c. und zwei Psalmvertonungen vertreten. Kirchenmusik nahm am Hofe dieses katholischen Herrschers großen Raum ein.
Ganz überzeugen kann mich diese Einspielung mit einigen Unzulänglichkeiten nicht, ihr fehlt der letzte Biss; das Repertoire wäre z.B. bei Hengelbrocks Balthasar-Neumann-Chor und Ensemble in besten Händen.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 8. November 2009, 19:34
gerade diese Einspielung empfand ich ganz anders.
Vor allem weil es ja ein Livemitschnitt ist - mich hat diese Einspielung mehr mitgerissen und begeistert als die auf Hochglanz polierten Produktionen anderer Ensemble.

Da hätte ich gerne noch eine zweite CD mit der höfischen Musik gehabt.
Unbekannt Montag, 9. November 2009, 12:44
Guten Tag
Da hätte ich gerne noch eine zweite CD mit der höfischen Musik gehabt.




Da gäbe es noch diese CD und diese CD.

der Neuen Düsseldorfer Hofmusik

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Montag, 9. November 2009, 14:53
oh supi - aber gehe ich recht in der Annahme, dass ich die CD's bei dem Ensemble bestellen kann ?
Das scheint ja auch eigener Vertrieb zu sein.
Unbekannt Sonntag, 31. Januar 2010, 13:15
Wettsingen in Schwetzingen :hahaha:



Ist das HIP?

Sicher:

  • authentische Instrumente
  • authentische Inszenierung
  • historischer Aufführungsort
Unbekannt Montag, 1. Februar 2010, 13:48
Guten Tag
Wettsingen in Schwetzingen :hahaha:

Dem Kurfürsten und seinem Hofstaat hätte das Spektakel bestimmt gefallen; er liebte ja "zeitgenössige Musik" :D

Und bei dieser z.Zt. laufenden schrägen Aufführung der Barockoper "Spartakus" von Giuseppe Porsile wird zwischen durch u.a. auch gerockt :hahaha:

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Freitag, 3. Dezember 2010, 06:47
mir fallen spontan diese Cds ein:




Hier wird die Hochzeit zwischen Pfalzgraf Friedrich mit der Englischen Prinzessin Elisabeth nachempfunden.
Ein spannendes Repertoire, toll interpretiert.
Was folgte sind 30 Jahre Krieg....

nur noch als MP3 Album zu haben (muss ich mal bei Gelegenheit machen):



Kennt die CD schon jemand ?


und natürlich die hervorragende Aufnahme mit dem Concerto Köln:



Solche Aufnahmen mit Musik aus der Mannheimer Schule wünscht man sich

:jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
Unbekannt Samstag, 4. Dezember 2010, 20:59
Guten Abend


Hier wird die Hochzeit zwischen Pfalzgraf Friedrich mit der Englischen Prinzessin Elisabeth nachempfunden.
Ein spannendes Repertoire, toll interpretiert.
Was folgte sind 30 Jahre Krieg....

Es wäre interessant zu wissen, was am kurpfälzer Hof in "Der Pfaltz Haupt flecken" Heidelberg vor dem 30-jährigen Krieg so alles musiziert wurde, immerhin läßt sich der Geiger Thomas Simpson um 1610 am Heidelberger Hof für kurze Zeit nachweisen. An Kirchenmusik pflegte man am kalvinistischen Hof nur Psalmengesang und einstimmige Choräle zu singen; mehrstimmige Musik wurde als papistisch abgelehnt, auf Orgelmusik wurde allgemein noch verzichtet. Bei der weltliche Musik bei den vielen Festen, Masken und Balletten -es sind zahlreiche "Heidelberger Ballette" bezeugt- wird man auf die zeitgenössige Musikliteratur, wie z.B. auf diesen







CDs eingespielt, zurückgegriffen haben. Eine Quelle bietet auch die anonyme Sammelhandschrift "Tabulatur Zweibrücken", die um 1610 entstanden und in deutscher Orgeltabulatur abgefasst ist. Überliefert sind Details der musikalischen Umrahmung bei den Feierlichkeiten anläßlich der Taufe des Kurprinzen und späteren Kurfürsten Karl-Ludwig vom 9. bis 12. März 1618:



" Folgende Herrn und Gesanten seind zu dieser
Fürstlich Kindtstauff angelanget, welche auch
von Ihrer Churfüstlichen Gnaden statlich sein eingeholet word.
[…]
Selben tag haben sich Ihr Churfürsatlichen Gnaden selbst mit
120 pferdt und 9 Trometer auch einer her-
Paucken sambt vielen Graffn, Junkern und
[…]
Welches uf 4 uhr abend geschehn, do was mit allen tro-
menten und heerpaucken lerm geschlagen und ge-
blasen.
[…]
Unter dessen hat man sich im hoff mit tromme-
ten in der Kirch aber mit musica instrumentali
und vockali lieblich hören lassn.
[...]
Umb 10 hat man angefang mancherlei seiten spiel
zu musicieren . darauff sie 12 Edelknabn
ihrer Churfürstlichen Gnaden ein ied mit zwei weissen bren-
nend fackend auffgezogen, in sich un, in sich und 6 gegen
einander sehr zierlich getantzet.
Diesn nach komen in Roter kleidung
Welcher ein schön gelliart getantzt und wieder abgetrettn
[…]
Alß sie angetrettn thut sich parnassus auff
Ein welcher mitlen theil zu undt fasst 3 Jüng-
linge in roter und and farb kleidung, zu Dryt
fassen 3 dem einer ein globum der and ein trian-
gel, der dritte ein circulum in der hand hatte,
do man dan sehr schön und deß musicierte.
[…]
Dies so lange man dn berg mit
der lautn musicirt, bleibn stet sitz, alß
halt aber die lauteristn auffhörtn, und der
Reign anfing,
[…]
Dabei ich acht zu nehmen dz im unterschied-
lich chorus viererlei Musicen gewessen.
Neben des berges Parnassi rechten seiten
ist gewesen Musica vocalis sampt einem
Positiv. Hind dem Berg sein gewessen.
Die lauteristen, welche überaus lieblich
gespielet.
Auff des Berges linken seitn seind die
Frembder musici mit posaun und zincken
gestanden, neben ihnen besser hinab werts
hat der princessin geign meister mit dn
andern geigern frei platz gehabt.

Erwähnt werden in dem Bericht Instrumete wie Trompeten, Heerpauken, Triangel, Globum (?), Lauten, Posaunen, Zinken, Regal und Violinen, aber auch die Aufführung von Vokalmusik. Im Bericht ist von einem "Geigenmeister" der Kurfürstin die Rede, dies könnte ein englicher Musiker gewesen sein, die Kurfürstin Elisabeth war eine engliche Prinzessin aus dem Hause der Stuarts und reiste mit großen Gefolge nach ihrer Hochzeit mit dem Kurfürsten Friedrich V. 1613 ins damals noch unzerstörte Heidelberger Schloß. Er kommen aber auch zwei Franzosen ins Spiel. Überliefert auf einem Sammelband von Tanzmusik ist der Vermerk "Stephan Naw, Der Princessin zu Heydelberg Dantzmeister hatts componiert", mit Etienne Nau (Stephan Naw) ist ein französischer Tanzmeister und Geiger in Heidelberg nachweisbar. Ein weiterer französischer Tanzmeist am Heidelberger Hof war Jacques Cordier "dit Boccan" , ab 1604 in London in königlichen Diensten, organisierte der "violen Bouchan" 1615 ein Ballett für die Kurfürstin, auf der o.g. CD "le Bal" ist von ihm ein "Ballett entre de Mores Heidelberg" mit eingespielt. Nach der Verlegung des kurpfälzer Hofstaates nach Prag wurden keine französischen Tanzmeister mehr gebraucht; die beiden genannten "Dantzmeystern" suchten anderwo ihr Auskommen; Nau ging an den englichen Königshof zu Charles I., Bocan machte im Umfeld der königlichen Familie in Frankreich Karriere.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 5. Dezember 2010, 14:03
Guten Tag
immerhin läßt sich der Geiger Thomas Simpson um 1610 am Heidelberger Hof für kurze Zeit nachweisen.

Weis da wer mehr darüber ? Bevor Th. Simpson ~ 1615 an den Bückeburger Hof tätig ging, war er am Kurpfälzer Hof in Heidelberg von 1608-10 (?) als "Violist" tätig.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard