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Luigi Cherubini (1760-1842): Aufnahmen mit historischen Instrumenten

Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 16:27


Luigi Carlo Zenobio Salvatore Maria Cherubini (* 14. September 1760 in Florenz; † 15. März 1842 in Paris) ist von den Solisten und Ensembles der historischen Aufführunsgpraxis eher vernachlässigt worden, so wie er als Komponist immer im Schatten berühmterer oder beliebterer Kollegen seiner Generation, vor allem Mozart und Beethoven, zu stehen scheint. Auch im Jahr seines 250. Geburtstages scheint sich daran nicht viel zu ändern. An Neuaufnahmen in HIP ist mir bis jetzt nichts aufgefallen.
Seine Zeitgenossen sahen das anders: Er zählte zu den berühmstesten und einflußreichsten Komponisten seiner Zeit im Bereich der Sakralmusik, auch der Oper - Beethoven nannte ihn den größten lebenden Komponisten und wurde von einigen Werken Cherubinis deutlich inspiriert.

Eine umfassendere Würdigung des Komponisten kann ich aus Zeitgründen nicht schreiben, möchte einfach nur Bilanz ziehen, was bisher in HIP erschienen ist, denn einige sehr gelungene Aufnahmen finden sich darunter.
Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 16:33


Die Aufnahme der sechs Streichquartette Cherubinis mit dem englischen Quartett Hausmusik ist ein überzeugendes Plädoyer für den Komponisten - wem das nicht gefällt, dem gefällt der Stil nicht, an der mustergültigen Interpretation kann es nicht liegen. Die stilistischen Unterschiede zu den deutschen Quartett-Komponisten liegen offen zutage - eine andere Melodik, leicht an der französischen Vokalmusik orientiert, die mir persönlich sehr zusagt. Auch Cherubinis Entwicklung als Komponist ist sichtbar, eine deutliche qualitative Steigerung. Diese Stücke zählen in ihrer für mich unverbrauchten Frische zu meinen Lieblingsquartetten.

Cherubini begann erst nach seinem 50. Lebensjahr mit dem Komponieren von instrumentalen Werken - warum dann Streichquartette, und ob sie auch aufgeführt wurden, ist nicht bekannt. nach dem ersten folgte eine Pause, dann das zweite als Umarbeitung der Symphonie D-Dur mit neuem zweiten Satz, dann die letzten vier.
Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 16:36
Ganz allgemein wird Cherubinis Sakralmusik zu seinen bedeutendsten Werken gezählt.
Christoph Spering hat sich des Requiem in c-moll angenommen - die Aufnahme ist mir positiv in Erinnerung geblieben und noch erhältlich.

Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 16:40
Die Einspielung des Chant sur la Mort de Joseph Haydn, seiner bewegenden Verbeugung vor dem (angeblich) verstorbenen Kollegen (1805 kursierte eine Falschmeldung über Haydns Tod) mit der Capella Coloniensis bietet auch die einzige Gelegenheit, seine einzige Symphonie in D-Dur in HIP zu hören - ein Werk, daß nicht das Gewicht derer von Beethoven hat, trotzdem eine hörenswertes Werk.
(In einer früheren Ausgabe war das Stück für Haydn mit der Messe zur Krönung Karls XX. kombiniert - diese CD ist aber schwer zu bekommen.)



Nicht HIP, aber preiswert und ausgezeichnet gespielt, gibt es die Symphonie mit dem Züricher Kammerorchester:



Das zweite Streichquartett ist übrigens eine Transskription der Symphonie mit neu komponiertem zweiten Satz.
Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 16:46
Die Cembalosonaten können nicht mit der Frische und den Innovationen der besten Klaviersonaten eines Mozart oder Haydn mithalten, sind eher gefällige Divertissements, gehen aber in ihren Anforderungen über das weit hinaus, was an Werken für die Amateure der Zeit veröffentlicht wurde. Er verwendet gängige Floskeln incl. der unvermeidlichen Alberti-Bässe, geht aber ziemlich abwechslungsreich mit ihnen um. Vor allem die Länge der Sätze dürfte viele Kenner und Liebhaber vor zu große Anforderungen gestellt haben.
Sie wurden aber schon mehrere Male auf historischen Tasteninstrumenten eingespielt.

Derzeit erhältlich an Aufnahmen auf Cembalo ist eine CD mit Paule van Parys, die ich nicht kenne:



Ich besitze eine ältere vergriffene Aufnahme von Laura Alvini , die ich gelungen finde, aber unbedingt haben muß man das nicht ... bei mir bleibt der Eindruck, man könnte aus diesen Stücken durchaus mehr herausholen. (Die Wiederveröffentlichung ist momentan sogar nur teurer zu haben:



Auf Hammerklavieren (kenne ich aber noch nicht):


Diane Andersen


Francesco Giammarco
Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 16:50
Leider scheint sich noch keiner der Operndirigenten der HIP-Szene der berühmten Oper Medée angenommen zu haben, das ist überfällig.

Auch Christoph Spering hat nur die kleine Oper Les deux journées wieder ausgegraben, aber mit hervorragenden Resultaten. Ein sehr empfehlenswerter Einstieg in Cherubinis Opern.

Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 18:07

Christoph Spering hat sich des Requiems angenommen - die Aufnahme ist mir positiv in Erinnerung geblieben und noch erhältlich.



Es handelt sich um eine Aufnahme des Requiems c-moll von 1816, das in memoriam Louis XVI. komponiert wurde und auch bei Beethovens Trauerfeier aufgeführt wurde.
Mir gefällt allerdings das spätere, intimere Requiem d-moll von 1836 mehr, das Cherubini für sich selbst komponiert haben soll. Leider scheint es davon keine HIP-Aufnahme zu geben, oder?

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 18:39

Mir gefällt allerdings das spätere, intimere Requiem d-moll von 1836 mehr, das Cherubini für sich selbst komponiert haben soll. Leider scheint es davon keine HIP-Aufnahme zu geben, oder?


Nicht daß ich wüsste ... :dontknow:
Unbekannt Sonntag, 20. Juni 2010, 14:20
Auch Martin Pearlman und Boston Baroque haben das c-moll Requiem gewählt (einmal SACD und einmal CD - klanglich sicher sehr gut).

Unbekannt Sonntag, 20. Juni 2010, 14:23
Vom d-moll Requiem kann ich auf Anhieb überhaupt nur wenige Aufnahmen finden, alle nicht HIP - warum sich Malgoire o.ä. sich dieses Werks nicht annehmen, verstehe ich nicht.
Unbekannt Montag, 21. Juni 2010, 11:23
Die französische Originalfassung (mit gesprochenen Dialogen) von Cherubinis wohl berühmtester Oper, der Medée gibt's (oder zumindest: gab's) ebenfalls in einer HIPpen Einspielung (Label: Newport Classic):



Unter der Leitung von Bart Folse singen und spielen u.a. Phyllis Treigle (Médée), Carl Halvorson (Jason), D'Anna Fortunato (Néris), David Arnold (Créon), Thais St. Julien (Dircé), der Chorus Quotannis und das Brewer Chamber Orchestra.

Ich habe diese Einspielung lange nicht gehört, erinnere mich aber, dass da insgesamt etwas tranig musiziert wird. Müsste ich aber mal wieder hören, um was genaueres darüber sagen zu können.

Viele Grüße,
Medard
Unbekannt Montag, 16. August 2010, 00:56
Neu angekündigt für September 2010 - allerdings wieder c-moll:

Unbekannt Montag, 16. August 2010, 00:58
Eine sieben CDs umfassende Box mit nicht-HIP-Aufnahmen ist jetzt sehr preiswert erhältlich, das d-moll Requiem ist enthalten: