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Johann Friedrich Fasch (1688-1758)

Unbekannt Donnerstag, 27. August 2009, 16:38
Als Einführung ein von practico verfasster Beitrag:

1) Literatur:
- MGG, Grove, das wohl unvermeidliche Wiki. Wichtig: Rüdiger Pfeiffer: JF Fasch (Noetzelverlag, 1994). Dieser hat auch das Fasch WV herausgegeben (Magdeburg, 1988), schwierig zu bekommen. Ziemlich detaillierte Auskünfte erteilt die:
Internationale Fasch-Gesellschaft in Zerbst. Diese führt auch die erhältlichen

2) Noten an.

3) CD:
- Label Capriccio: Missa brevis, Concerti, Ouvertüren
- Label Naxos: Brockes-Passion, FWV F-1
- Label CPO: Kantaten (FWV D D-10; FWV D W-8; FWV I L-1;Ouvertüre FWV J B-3; Carl Fasch: Psalm 119)
- Label CPO: Kantaten (FWV D J-1; FWV D-S2; Overture FWV k d-3; Concerto FWVL B-1
- Label CPO: Overture FWV L G-16; Concerti FWV L C-2; L c-2; L A-3; L d-1; L Es-1
- Label CPO: Overture FWV K F-3; K A-2; Concerti FWV L F-2; L D-22; Sinfonie FWV M A-2; M G-4
- Label Accent: Concerti FWV L d-7; L d-4; L A-3; L D-11; L g-1; L D-22
- Label Archiv: Concert FWV L D-1; L c-2; L B-1; L D-14; Overture FWV K g-2
- Label Aeolus: Concerti FWV L B-1; L d-4; L a-2; Sinfonie FWV M B-2; M g-1; M a-1
- Label Chaconne: Ouverture FWV K D-8; Conceri FWV L B-3; L D-15;
- Label MDG: 6 Concerti ohne Angabe des FWV
- Label CPO: Sonaten (Solo, Trio, Quadro) FWV N C-1; N e-1; N d-1; N B-1; N g-2; N F-2; N F-5
- Label HM: Trios, Quadros FWV N B-2; N d-1; N F-2; N g-2; N d-2; N F-6; N g-1
- Label EMI: 6 Trios, Quadros ohne Angabe des FWV

4) Kurzbiographie:
geboren 1688 in Buttelstedt, 1700 Umzug nach Weißenfels, dort Unterricht durch JP Krieger, 1701 Thomasschule, Unterricht durch Kuhnau, 1708 stud. iur in Leipzig, 1711/13 Beginn der Zusammenarbeit mit dem Zeitzer Hof, 1717 Heirat,1722 Bewerbung um das Thomaskantorat, Ernennung zum Hofkapellmeister in Zerbst, 1724/25 in Prag beim Grafen Morzin,Tod 1758.
Faschs Hauptaufgabe in Zeitz war die Belieferung der Schlosskirche mit Figuralmusik (2 Kantaten/Sonntag/Festtag). Daneben die zeitbedingt üblichen Aufgaben als Hofkapellmeister. Fasch hat über 1.000 Kantaten komponiert, von denen heute leider nurmehr ca 100 vorhanden sind. Zeitz war, wie viele andere Höfe, eine Hochburg der Orthodoxie, die eine üppige Figuralmusik bevorzugte. Damit kommt man zu einer Außergewöhnlichkeit in Faschs Lebenslauf: er war dezidierter Pietist, und stand viele Jahre in Briefkontakt mit dem Grafen Zinzendorf, dem Hauptvertreter des Pietismus, den er in Dresden kennen lernte. Diese Einstellung brachte Fasch in Zerbst in existenzielle Probleme, seien die aus seiner persönlichen Haltung, oder durch die geistliche Zensur, die keinerlei "Schwärmerei" duldete, bedingt. Deswegen unternahm Fasch mehrere Anläufe, aus Zerbst wegzukommen (er wäre wahrscheinlich vom "Regen" in die "Traufe" geraten, Ausnahme der dänische Hof. Dort jedoch untersagte der Pietismus jegliche figurale Kirchenmusik).

5) Faschs Werk:
Seine geistlichen Werke zeichnen sich durch Einfachheit, gute Verständlichkeit der Texte, Eingängigkeit aus. Diese Tatsache ist sicherlich seinem Pietismus zu verdanken. Das wiederum wird ihm heute zum "Vorwurf" gemacht: seine Kantaten böten zu wenig musikalische Substanz, Polyphonie würde an/eingesetzt, aber nie bis zum Ende. Irgendwann, meist sehr schnell, verläuft es sich dann in einfachere Formen.
Ähnliches ist auch in seiner sonstigen Musik zu bemerken. Eine Ausnahme bilden hierbei einige Sinfonien. Dort hat Fasch gezeigt (warum hier, ist die Frage), dass er "richtige" Fugen schreiben konnte.

6) Faschs Nachwirkung.
Gegenüber dem "Riesen" JSB hat es Telemann mittlerweile geschafft, Graupner ist dabei, es zu schaffen. Ob das der Musik Faschs gelingen wird, wage ich zu bezweifeln. Erschwerend kommt hinzu, dass Fasch kaum Clavierwerke hinterlassen hat. Das wird viele Musikliebhaber daran hindern, Fasch durch eigenes Musizieren kennen zu lernen.
Unbekannt Samstag, 30. Januar 2010, 21:54
ich hab einige CD's von Fasch, aber ganz besonders gefallen hat mir die Aufnahme von Trevor Pinnock:



Neben einer schönen Suite in g-moll bekommt noch 3 sehr schöne Konzerte geboten:

ein prächtiges Concerto für Trompete (natürlich Barocktrompete)
ein Oboenkonzert und ein Concerto für Chalumeau, dem Vorläufer der Klarinette.
Unbekannt Samstag, 30. Januar 2010, 23:13
Guten Abend

. Ein Jahr später ging Fasch nach Leipzig, wurde Thomaner und erhielt Unterricht vom Thomaskantor Johann Kuhnau. 1708 schrieb sich Fasch als Student an der Leipziger Universität ein und gründete nach dem Vorbild Telemanns ein studentisches Collegium musicum.
An der Leipziger Thomasschule brachte Fasch sich selbst das Violin- und Clavierspielen bei, eigenen Angaben zufolge konnte er sich den Musikunterricht finanziell nicht leisten. 1708 gründete er als Student bekanntlichein zweites Collegium musicum , in dessen Mitgliederverzeichnis bekannte Namen wie Pisendel, Stötzel und Heinischen zu lesen sind.
Spaß machte es ihm, Suiten nach dem Vorbild Telemanns zu komponieren, sie als von Telemann komponiert auszugeben und mit seinem collegium musicum aufzuführen. Dabei freute er sich diebisch, wenn sie im collegium musicum als "Telemannsche Suiten" mit großen Erfolg gespielt wurden.
In einer Autobiographie schrieb er darüber:

"Entlich hatte ich gar die Verwegenheit, da die Telemannischen Overturen bekannt wurden, auch eine auf solchen Schlag zu versuchen.
Da die Primaner ein collegium nusicum hielten, gab ich sie unter dessen Namen zur Probe hin, und sie glaubten, zu meiner Freude, daß solche von ihm wären."


War bestimmt ein lustiges, studentischen Musikleben in Leipzig dieser Zeit, und Kuhnau sah zu seinem Verdruss, wie die jungen Musikanten Spaß am diesem neuen Musikstil fanden. Eine diesbezügliche Eingabe Kuhnaus an den Rat der Stadt blieb erfolglos. Der alte Kuhnau kann einem Leid tun, da zieht er seine Schüler groß und dann,,,,, !

Zitat

Ist Fasch auch bei Euch eher unbekannt? Wenn nicht, welche Aufnahmen habt Ihr?
Fasch ist mir u.a. durch diese Einspielungen diverser Ensembles bekannt:












(Dazu gelegentlich mehr)



Gruß :wink:



aus der Kurpfalz



Bernhard
Unbekannt Samstag, 30. Januar 2010, 23:29
Guten Abend
Als Kapellmeister in Zerbst komponierte Fasch neben Kammermusik, Suiten und Konzerten auch geistliche Musik, darunter viele Kantaten. Da seine Werke nicht im Druck erschienen, gerieten sie bald nach Faschs Tod in Vergessenheit, vieles ist verlorengegangen.
Fasch hatte bereits um 1740 Sinfonien komponiert und dies noch vor der Sinfonik der "Mannheimer Schule". 19 Sinfonien verlangen nur Streicher und ein Generalbasscembalo, in drei weiteren Sinfonien kommen zusätzlich noch Hörner und Oboen, beim basso continuo zusätzlich ein Fagott, zum Einsatz.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Samstag, 30. Januar 2010, 23:34
Die bisher aufgeführten CDs habe ich auch bis auf eine - da ist nichts schlechtes bei.

Ich habe Fasch zum ersten mal so um 1990 in Konzerten der Camerata Köln gehört, so gut wie Fasch hat meiner Ansicht niemand im Barock für Bläser geschrieben.


http://www.camerata-koeln.de/images/003.jpg



Die hier ist auch nicht schlecht:

Unbekannt Sonntag, 31. Januar 2010, 07:13
War bestimmt ein lustiges, studentischen Musikleben in Leipzig dieser Zeit, und Kuhnau sah zu seinem Verdruss, wie die jungen Musikanten Spaß am diesem neuen Musikstil fanden. Eine diesbezügliche Eingabe Kuhnaus an den Rat der Stadt blieb erfolglos.
Laut MGG kam es zum Konflikt zwischen Fasch und Kuhnau, als Fasch und sein Collegium musicum Weihnachten 1710 mit der Musik in der Universitätskirche beauftragt wurden - das muss Kuhnau wohl gar nicht gefallen haben.

Wieder auf Fasch aufmerksam geworden bin ich durch diese CD mit Kammermusik, die ich sehr empfehlen kann:



Faschs Kammermusik erinnert mich sehr an diejenige Telemanns: abwechslungsreiche Besetzungen, witzige und geistreiche Einfälle, niemals platt oder schematisch, aber auch nicht zu "gelehrt". Es macht einfach Spaß, diese Musik zu hören.

Viele Grüße,
Andreas
Unbekannt Sonntag, 31. Januar 2010, 09:34

Wieder auf Fasch aufmerksam geworden bin ich durch diese CD mit Kammermusik, die ich sehr empfehlen kann:



Viele Grüße,
Andreas
Das ist bisher die einzige CD, die ich von Fasch kenne und sie gefällt mir ebenfalls sehr gut. Vor allem auch, weil Fasch endlich mal das Fagott aus der Conitnuo-Ecke holt und schwungvoll konzertieren lässt. Ich habe mir jetzt auch noch die oben gezeigte CPO-CD mit Konzerten auf den Merkzettel gesetzt.

Gruß, Carola
Unbekannt Sonntag, 31. Januar 2010, 09:36
Guten Tag
Nachdem er im Dienst des Grafen Morzin in Böhmen gewesen war, wurde Fasch auf Vermittlung von Gottfried Heinrich Stölzel 1722 Kapellmeister in Zerbst.

Fasch legte in Zerbst nicht nur ein enormes kompositorisches Schaffen an den Tag -pro Woche bis zu drei Kantaten-, er vergrößterte die Hofkapelle von zwölf auf zwanzig Musiker. Er stellte ein Vokalsolistenquartett und vier Chorsänger, Streicher und Holzbläser, sowie drei Kapellknaben, die auch an mehreren Instrumenten ausgebildet wurden, in Dienst. Weiterhin beschaffte er neue Musikinstrumente und Noten; er führte einen regen Austausch vom Musikalien mit anderen Städten -besonders Dresden- und Komponisten, durch.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 31. Januar 2010, 14:09
Mit Telemann, Graupner und Bach muß er auch fleißig Noten getauscht haben. In Darmstadt liegt auch einiges.

Auf den CDs mit Bläserkonzerten und Sonaten, die ich weiter oben empfohlen habe, ist einiges für Fagott - Michael McCraw spielt das auch erstklassig. Daß diese CDs wieder gestrichen wurden, ist bedauerlich.
Unbekannt Sonntag, 31. Januar 2010, 14:12
Wen es interessiert:

Pfeiffer, Rüdiger:
Johann Friedrich Fasch 1688-1758. Leben und Werk
Verlag : Noetzel, Florian
ISBN : 978-3-7959-0613-9
Einband : gebunden
Preisinfo : 25,00 Eur
196 S., 32 Taf. - 14,8 x 21 cm
Erschienen : 1994

Als erste Einführung durchaus brauchbar - ich habe es und würde es auch einen Monat ausleihen gegen Portoerstattung und Zusicherung von sorgfältiger Behandlung.
Unbekannt Montag, 1. Februar 2010, 00:42
Hier habe ich eine CD erwähnt, die meine Lieblingssuite von Fasch enthält, mit grandiosen Partien für die Fagottisten!
Unbekannt Montag, 1. Februar 2010, 11:19
Guten Tag
Hier habe ich eine CD erwähnt, die meine Lieblingssuite von Fasch enthält, mit grandiosen Partien für die Fagottisten!
Diese Einspielung höre ich auch gerne; eine hörenswerte Aufnahme eines aus einem Oboenkonzert stammenden Lautenkonzertes in d-moll -S. L. Weiß läßt grüssen :wink: - hat die musica antiqua Köln auf dieser



CD eingespielt, Goebels Truppe hätte mehr Fasch aufnehmen sollen !

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Samstag, 4. September 2010, 09:10
Guten Tag
Mit Telemann, Graupner und Bach muß er auch fleißig Noten getauscht haben. In Darmstadt liegt auch einiges.

Fasch belieferte fast 30 Jahre lang auch das Dresdner Hoforchester mit eigenen Instrumentalwerken, meist Overtüren-Suiten und Konzerte. Fasch weile bekanntlich 1726/27 zu Studien an der Dresdner Hofkapelle und kannte die dortigen Musiker wie Heinischen und Pisendel persönlich. Ob Fasch Kompositionen für Dresden in nur Anerkennung brachten oder er damit seine riesigen persönlichen Schulden begleichen wollte ? Fasch verdiente zuerst 350, dann 400 Thaler im Jahr, hatte mit 40 Jahren allerdings schon 1000 Thaler Schulden. Drei Overtüren Faschs für die Dresdner Kapelle sind u.a. auf dieser



CD mit dem Kammerorchester Basel eingespielt und imponieren durch ihre reiche Instrumentalbesetzung mit Trompeten, Pauken, Oboen und Streicher. Das Konzert für "Solo-Violine, 2 Oboen, Fagott, 3 Trompeten, Pauken, Streicher und Basso continuo, D-Dur" wurde für Georg Pisendel komponiert, der die viruose Violinstimme spielte.


Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Montag, 1. November 2010, 11:48
Ich war sehr angetan von dem Doppelhornkozert, welches heute Nacht via Klassikradio meine Ohrtrompete und Paukenhöhle beglückte:



:pleased:
Unbekannt Sonntag, 2. Januar 2011, 11:30
Guten Tag
War bestimmt ein lustiges, studentischen Musikleben in Leipzig dieser Zeit, und Kuhnau sah zu seinem Verdruss, wie die jungen Musikanten Spaß am diesem neuen Musikstil fanden. Eine diesbezügliche Eingabe Kuhnaus an den Rat der Stadt blieb erfolglos.
Laut MGG kam es zum Konflikt zwischen Fasch und Kuhnau, als Fasch und sein Collegium musicum Weihnachten 1710 mit der Musik in der Universitätskirche beauftragt wurden - das muss Kuhnau wohl gar nicht gefallen haben.


Darüber gibt es einigen Aktennotiven der Zeit zu lesen:

"mit Faschen würde es sich nicht schicken, weil er auf den Coffeè Hauße, Schloß`s Keller und in den Opern nebst den Studenten musiciere"

und:

"daß H. Fasch und die Studiosi auf den Coffeè Hauße und in den Opern musicieren, auch praesenitire derjenige, so den Discant singe, die lustige Person in der Opera, da denn öffters allerhand Zoten gesungen würden und würde also vielmehr eine Hame geben, wenn von ihnen in der Kirche hernach sollte musicieret werden."

Auch nach 300 Jahren noch köstlich zu lesen :D

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Mittwoch, 2. März 2011, 12:11
Guten Tag
"daß H. Fasch und die Studiosi auf den Coffeè Hauße und in den Opern musicieren, auch praesenitire derjenige, so den Discant singe, die lustige Person in der Opera, da denn öffters allerhand Zoten gesungen würden und würde also vielmehr eine Hame geben, wenn von ihnen in der Kirche hernach sollte musicieret werden."

Mindestens vier Opern hat Fasch komponiert, die sich leider nicht erhalten haben. Bei der Naumburger "Peter-Paul-Messe" 1711 wurde das Opernhaus am Salztor mit seiner Oper "Clomire" eröffnet. Im gleichem Jahr erklang zu den Geburtstagsfeierlichkeiten der Herzogin Marie Amalie von Sachsen-Zeitz seine Repräsentationsoperr "Lucius Versus". Die Naumburger "Peter-Paul-Messe" 1712 eröffnete seine Oper "Die getreue Dido" und am Karneval 1715 brachte man in Bayreuth seine Oper "Die königliche Schäferin Margenis" zur Aufführung.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Sonntag, 6. März 2011, 20:03
Das Konzert für Trompete D Dur von Johann Friedrich Fasch gibt es hier live
- nicht von CD - mit dem Kammerorchester Basel und Giuliano Sommerhalder, Naturtrompete

http://www.youtube.com/watch?v=sslzAjVFkIM
Unbekannt Donnerstag, 22. September 2011, 16:23
Momentan zum Sonderpreis, mit erstklassigem Chalumeau von Christian Leitherer: