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Johan Helmich Roman (1694 - 1758), der "Vater der schwedischen Musik"

Unbekannt Donnerstag, 17. Juni 2010, 14:25
Guten Tag

Johan Helmich Roman wurde am 26. Oktober 1694 in Stockholm als erster schwedischer Komponist von internationaler Bedeutung geboren. Durch seine Tätigkeit als Geiger, Oboist, Dirigent, Konzertorganisator, Musiklehrer und Komponist formte er das moderne schwedische Konzertleben. Sein Vater, ein Geiger der königlichen Hofkapelle, erteilte ihn den ersten Musikunterricht und sorgte für seine musikalische Erziehung. Ab 1711 offiziell Mitglied der Hofkapelle, schickte König Karl XII. den musicus Roman junior 1712 zum Studium ins Ausland, um dort in der music perfektonieren. Von 1715 bis 1721 weilte er in England und war u.a. als zweiter Geiger in Händels Orchester tätig. Musikalische Eindrücke erhielt er von namhaften Komponisten wie Händel, Pepusch, Ariosti, Bonocini, Gemmiani und Veracini. Nach seiner Rückkehr nach Schweden wurde Roman zum Vizehofkapellmeister und 1727 zum ersten Hofkapellmeister ernannt. Er führte die durch Krieg und Seuchen heruntergekommene Hofkapelle beharrlich zu einem qualitativ hochwertigen Klangkörper, den am Hof vorherrschenden französischen Musikgeschmack verdrängte er zu Gunsten des italienischen Stils. Von 1735 bis 1737 unternahm Roman nochmals eine große Reise durch Europa und besuchte England, Frankreich, Italien und Deutschland. Ab 1745 übergab Roman krankheitsbedingt mehr und mehr die Leitung der Hofkapelle an seinen Konzertmeister Per Brant, komponierte aber weiterhin. Roman starb am 20. Nov. 1758.

Johan Helmich Roman hinterließ ein reichhaltiges musikalisches Oeuvre, darunter viele Instrumental- und Kammermusik, Kantaten, Hymnen und Lieder. Besonders bekannt ist seine „Drottningholm- Musik", 1744 komponiert für die Hochzeit des schwedischen Thronfolgers Adolf Frederik mit der Schwester Friedrich II., Louise Ulrike.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Donnerstag, 17. Juni 2010, 14:33
Guten Tag

einen Überblick über J.H. Roman Instrumentalschaffen bietet diese



CD mit Sinfonien, Partiten, Violin- und Flötenkonzerten, Triosonate und einem kurzen Allegro aus der "Drottningholm Musik" . Das schwedische Ensemble REBaroque mit einer frischen und farbigen, in den langsamen Sätzen aber auch einfühlsamen Einspielung,

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Freitag, 18. Juni 2010, 14:28
Guten Tag

Romans Werke liegen meist als Handschriften vor, als einzigst gedrucktes Werk liegen seine 1727 herausgegebenen und der Königin Ursula Eleonora gewidmeten 12 Flötensonaten vor. Roman bezeichnet sie im Vorwort als "Jugendkompositionen", auf der Titelseite der Sonaten zitiert er Cicero: "Neque ab indoctissimi neque a doctissimis legi vellem". Sie könnten schon kurz nach seinem ersten Englandaufenthalt entstanden sein, im abschließenden Allegro der 12. Sonate zitiert Roman aus Händels op. 1. Einige Stücke seiner Flötensonaten verwendete Roman in Kantaten und Arien sowie in einer Orchestersuite, sie wurden auch gerne von anderen Komponisten arrangiert oder textiert.

Eine temperamentvolle Einspielung der Flötensonaten liegt mit dieser



Aufnahme mit Verona Fischer (Traversflöte), Klaus-Dieter Brandt (Cello) und Leon Berben (Cembalo), allesamt Meister ihrer Instrumente, vor.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Samstag, 19. Juni 2010, 02:23
Eine neue HIP-Aufnahme der Drottningholmsmusiken wird nächste Woche bei CPO erscheinen:

Unbekannt Sonntag, 29. August 2010, 22:31
Nicht HIP, aber recht entspannend vom Orpheus Chamber Ensemble begleitet, spielt Nils-Erik Sparf einige Violinkonzerte Romans:



Eingestreut sind auch drei Sinfonien des Komponisten.

Die Suite der Drottningholms-Festmusiken hatte auch seinerzeit die Capella Coloniensis (Ulf Björlin) eingespielt:



Die CD enthält zudem ein Concerto Grosso B-Dur.

:wink:
Unbekannt Montag, 13. September 2010, 09:25
Guten Tag
Eine neue HIP-Aufnahme der Drottningholmsmusiken wird nächste Woche bei CPO erscheinen:

Zwischenzeitlich habe ich die CD.

Helmichs „Drottningholmsmusiken“ , er selbst gab ihr in seinem Manuskript die Bezeichnung „Bilägers Musiquen uppförd 1744 pa Drottningholm of Roman“, wurde zur Vermählung des Herzoges Adolf Fredrik mit der Prinzessin Louise Ulrike –einer Schwester Friedrichs des Großen- komponiert und anlässlich der "Bettleite“ des Paares erstmals 1744 aufgeführt. In den damaligen Zeiten war es üblich bei königlichen Hochzeiten lange zeremonielle Feierlichkeiten durchzuführen, bevor sich das Brautpaar in die Schlafgemächer zurückzog. Solche Festlichkeiten wurden durch passende Musik -teil festlich, teils ausgelassen- eingerahmt. Das Brautpaar selbst war sehr musikalisch, sie spielte Cembalo, er Violoncello und musizierte öfters zusammen, beide waren mit der zeitgenössischen Musik vertraut. Von kulturellen Leben am schwedischen Hof war Lovisa Ulrika nicht gerade begeistert, in einem Brief an ihren Bruder schrieb sie, dass der Hof über einen tauben Kapellmeister ( Roman ), einen hinkenden Tanzmeister und einen blinden Hofmaler verfügte. Wie weit Romans Hochzeitmusik dem Brautpaar zusagte ist nicht bekannt, manche Sätze klingen stilistisch altmodisch, andere entsprachen der neusten Mode, die einzelnen Sätze gehen jedenfalls leicht ins Ohr. Die Anwendung von Hörnern, Trompete und Blockflöte machen Händels Einfluss unüberhörbar, aber auch Telemanns Orchesterstil hört man heraus. Aufgeführt wurde die Musik für die königliche Hochzeit im Foyer des Schlosses, die Musiker befanden sich hinter Statuen und auf der Treppe, um einen Überraschungseffekt zu erzielen; Roman hat einige kurze Anweisungen zur Aufführung und Besetzung gegeben. Von den Drottningsholmsmusiken mit ihren 24 Tanz- und Zermoniensätzen gibt es mehrere zeitgenössische Abschriften.

Das Ensemble Lund 1700 liefert eine angenehme und frische Einspielung dieser barock-höfischen Unterhaltungsmusik.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Montag, 29. November 2010, 17:16

Zitat

Ab 1711 offiziell Mitglied der Hofkapelle, schickte König Karl XII. den musicus Roman junior 1712 zum Studium ins Ausland


In dieser Zeit soll er auch eine kurze Zeit in Kassel als "Intendant" tätig gewesen sein, allerdings ist nur der Nachname genannt "Roman"
Ob es sich um den gleichen Komponisten handelt ist nicht erforscht.


Ich habe einige CDs von Roman, da ich ihn auch sehr schätze.

u.a. noch diese hier:



Die Golovin Musik, ist ähnlich wie die Drottingholmmusik eine Abfolge von festlichen Orchesterstücken, manche erinnern frappierend an die Wassermusik von Händel.

[leider kein Cover gefunden]
J.H. Roman - Sinfonior
Drottningholm Barockensemble - Jaap Schröder

Die Sinfonior sind auch ganz ausgezeichnete Werke, Roman steht da schon mit einem Fuß in der Frühklassik.
Es sind Kompositionen die auf der ital. Sinfonia basieren, teilweise aber auch mit einem ordentlichen frz. Einfluss.



Ganz und gar begeistert bin ich von dieser CD mit seinen Solo Konzerten im ital. Stil.
Eine der schönsten CDs in meinem Archiv!

:jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
Unbekannt Samstag, 11. Dezember 2010, 14:51
Na, da darf der Tastenfreak mit Hinweisen nicht fehlen:
Roman: 12 Suites for Harpsichord (2 CD) gespielt von Joseph Payne, erschienen bei BIS.
Nicht alles reisst einen vom Hocker, manchmal etwas dünne die Musique. Weder konservativ, noch galant, noch empfindsam, so von jedem ein bißchen, nette Unterhaltung.
Der schwedische "Händel" offenbart hier und dort Satzprobleme, und mit der Polyphonie stand er offensichtlich auf Kriegsfuß.

Unbekannt Dienstag, 28. Dezember 2010, 14:32
Der schwedische "Händel" offenbart hier und dort Satzprobleme, und mit der Polyphonie stand er offensichtlich auf Kriegsfuß.

Kannst Du das etwas konkretisieren?
Woran vermeinst Du, ein Satzproblem erkennen zu können, oder mangelnde Polyphonie-Fähigkeiten?
Unbekannt Donnerstag, 30. Dezember 2010, 09:58
Woran vermeinst Du, ein Satzproblem erkennen zu können, oder mangelnde Polyphonie-Fähigkeiten?
Zuvor sollte festgestellt werden, dass die auf den beiden CD´s vorliegenden Stücke möglicherweise in dieser Form erst im 20. Jhdt. zusammengstellt worden sind, also nicht unbedingt den Vorstellungen Romans entsprechen müssen. Auch sind es keine Suiten, sondern Sonaten.
Von den insgesamt 53 Sätzen zeigt keiner auch nur Ansätze von Polyphonie oder polyphoner Entwicklungsmöglichkeit. Gut, Roman muss das nicht unternehmen, für einen Komponisten (1694 - 1758) doch etwas verwunderlich.
Satztechnisch gesehen sind es Continuo-Sonaten, ohne dass die Bassstimme irgendetwas zur thematischen Bearbeitung beiträgt, reine Harmoniestütze, clavieristisch etwas angereichert. Harmonisch ist der Verlauf: Tonika, Dominante, Subdominante, Tonika, Parallelmoll(Dur)tonart, Sequenzenkette zurück zur Tonika, Schluss. Das alles ohne Ausnahme. Das bezeichne ich schlicht als Satzprobleme.
Fazit: nette Unterhaltungsmusik.