J.S. Bachs Konzerte für Cembalo solo BWV 972-987: Eine musikwissenschaftliche Analyse
Thematische Einführung
Die sechzehn Konzerte für Cembalo solo, katalogisiert als BWV 972-987, bilden eine einzigartige und stilistisch höchst bedeutsame Werkgruppe im Œuvre Johann Sebastian Bachs. Es handelt sich hierbei nicht um originäre Kompositionen Bachs für Tasteninstrument, sondern um hochkomplexe Transkriptionen von Instrumentalkonzerten anderer Komponisten, vorwiegend aus dem italienischen Barock. Diese Bearbeitungen, hauptsächlich in seiner Weimarer Zeit (ca. 1713-1714) entstanden, offenbaren Bachs unübertroffene Meisterschaft in der Adaption orchestraler Texturen für ein einzelnes Tasteninstrument und sind zugleich ein Schlüssel zum Verständnis seiner eigenen kompositorischen Entwicklung.
Bach verwandelte hierbei die konzertanten Prinzipien des `tutti` und `solo` in eine virtuose und klanglich vielschichtige Cembalofassung, die sowohl pädagogischen Zwecken diente als auch das Repertoire für das Solocembalo auf revolutionäre Weise erweiterte. Die intensive Beschäftigung mit der Form und den stilistischen Eigenheiten des italienischen Konzerts – insbesondere Vivaldis – durch diese Bearbeitungen beeinflusste Bachs spätere originäre Kompositionen, von den Brandenburgischen Konzerten bis zu seinen Solowerken, zutiefst.
Historischer Kontext & Werkanalyse
Historischer Kontext
Die Entstehung dieser Cembalokonzerte fällt in Bachs Zeit als Hoforganist und Konzertmeister in Weimar. Während dieser Periode, insbesondere nach seiner Rückkehr von einer Studienreise nach Kassel 1713, setzte sich Bach intensiv mit der in Deutschland populär werdenden italienischen Konzertform auseinander. Der junge Prinz Johann Ernst von Sachsen-Weimar, selbst ein begabter Komponist und Student Vivaldis, spielte hier eine wichtige Rolle, indem er Noten italienischer Komponisten, darunter Vivaldi, nach Weimar brachte. Bachs Aufgabe, diese Werke für den Weimarer Hof zu studieren, führte zur Transkription nicht nur für Orgel und Cembalo, sondern auch für orchestrale Besetzungen.
Die Gründe für diese umfassende Bearbeitungstätigkeit waren vielfältig: