Unbekannt
Donnerstag, 13. Mai 2010, 11:03
Hallo,
(spätestens) im Jahre 1720 (so lautet zumindest die Jahreszahl auf dem Autograph) komponierte Bach in Köthen die Sei Solo - a Violino senza Basso accompagnato - "Sechs Soli für Violine ohne begleitenden Baß", ein Opus bestehend aus je drei Sonaten und Partiten für Violine solo.
Es wird allerdings vermutet, daß Bach bereits in Weimar zumindest Teile der Werke komponiert hatte. [Wer das Buch von Wolff gelesen hat, kann ja zum Gehalt dieser These hier noch etwas schreiben.]
Es handelt sich um eines der herausragenden Kammermusikwerke der Epoche, allerdings nicht ohne Vorbild: Die Sonaten für Violine solo von Johann Paul von Westhoff (1696) hatte Bach in Weimar wahrscheinlich kennengelernt und sich davon inspirieren lassen.
Es ist nicht bekannt, für wen Bach diese Sonaten und Partiten komponiert hat (es muß ein begabter Violinist gewesen sein; das war Bach selbst allerdings auch), oder ob es sich eher um Kompositionen für "pädagogische Zwecke" handelte. Ich weiß nicht, ob irgendwelche Aufführungen zu Bachs Lebzeiten belegt sind (kann jemand helfen?).
Im Druck erschienen die Sonaten und Partiten erst 1802 bei Nicolaus Simrock, dann 1843 bei Ferdinand David. Allerdings war die Verbreitung und Wirkung sehr gering. Robert Schumann interessierte sich beispielsweise für die Werke und komponierte (warum auch immer) eine Klavierbegleitung hinzu. Auch Johannes Brahms befaßte sich damit und arrangierte die berühmte Chaconne der zweiten Partita für Klavier solo. Doch den "Durchbruch" (im Sinne von einem breiten Interesse an den Werken) bereitete Joseph Joachim, der die Sonaten und Partiten mehrfach im Konzert aufführte und 1908 erneut als Druck herausgab. Im 20. Jahrhundert wurden die Stücke dann zu einem zentralen Bestandteil des Repertoires für die Violine, was zahllose Aufführungen und Aufnahmen zeigen.
Die drei Sonaten (g-moll, a-moll, C-dur) folgen dem Modell der Sonata da chiesa. Die drei Partiten (h-moll, d-moll, E-dur) bestehen aus (stilisierten) Tanzsätzen, deren prominentester und auch sonst überragendster die 256-taktige Chaconne der d-moll-Partita ist (für mich einer der Höhepunkte der Kammermusik überhaupt).
Vielleicht kann noch jemand erklären, wie Bach es hinbekommt, eine "Fuge" für Violine solo zu komponieren? (z.B. Schlußsatz der ersten Sonate)
Dieser thread war ja längst überfällig, da in "Was höre ich gerade" bereits über Aufnahmen der Sonaten und Partiten diskutiert wurde. Ich hoffe, daß diejenigen, die das taten, ihre Meinung dazu hier nochmal vorbringen und so eine Diskussion in Schwung kommt. Es wäre auch insofern gut, da die Beiträge im "Was höre ich gerade" ja doch irgendwann schwer wiederfindbar untergehen.
Ich selbst muß gestehen, noch keine HIP-Aufnahme zu besitzen, werde aber die Empfehlungen hier sicher zum Anlaß nehmen, mir eine anzuschaffen.

Viele Grüße,
Martin.
(spätestens) im Jahre 1720 (so lautet zumindest die Jahreszahl auf dem Autograph) komponierte Bach in Köthen die Sei Solo - a Violino senza Basso accompagnato - "Sechs Soli für Violine ohne begleitenden Baß", ein Opus bestehend aus je drei Sonaten und Partiten für Violine solo.
Es wird allerdings vermutet, daß Bach bereits in Weimar zumindest Teile der Werke komponiert hatte. [Wer das Buch von Wolff gelesen hat, kann ja zum Gehalt dieser These hier noch etwas schreiben.]
Es handelt sich um eines der herausragenden Kammermusikwerke der Epoche, allerdings nicht ohne Vorbild: Die Sonaten für Violine solo von Johann Paul von Westhoff (1696) hatte Bach in Weimar wahrscheinlich kennengelernt und sich davon inspirieren lassen.
Es ist nicht bekannt, für wen Bach diese Sonaten und Partiten komponiert hat (es muß ein begabter Violinist gewesen sein; das war Bach selbst allerdings auch), oder ob es sich eher um Kompositionen für "pädagogische Zwecke" handelte. Ich weiß nicht, ob irgendwelche Aufführungen zu Bachs Lebzeiten belegt sind (kann jemand helfen?).
Im Druck erschienen die Sonaten und Partiten erst 1802 bei Nicolaus Simrock, dann 1843 bei Ferdinand David. Allerdings war die Verbreitung und Wirkung sehr gering. Robert Schumann interessierte sich beispielsweise für die Werke und komponierte (warum auch immer) eine Klavierbegleitung hinzu. Auch Johannes Brahms befaßte sich damit und arrangierte die berühmte Chaconne der zweiten Partita für Klavier solo. Doch den "Durchbruch" (im Sinne von einem breiten Interesse an den Werken) bereitete Joseph Joachim, der die Sonaten und Partiten mehrfach im Konzert aufführte und 1908 erneut als Druck herausgab. Im 20. Jahrhundert wurden die Stücke dann zu einem zentralen Bestandteil des Repertoires für die Violine, was zahllose Aufführungen und Aufnahmen zeigen.
Die drei Sonaten (g-moll, a-moll, C-dur) folgen dem Modell der Sonata da chiesa. Die drei Partiten (h-moll, d-moll, E-dur) bestehen aus (stilisierten) Tanzsätzen, deren prominentester und auch sonst überragendster die 256-taktige Chaconne der d-moll-Partita ist (für mich einer der Höhepunkte der Kammermusik überhaupt).
Vielleicht kann noch jemand erklären, wie Bach es hinbekommt, eine "Fuge" für Violine solo zu komponieren? (z.B. Schlußsatz der ersten Sonate)
Dieser thread war ja längst überfällig, da in "Was höre ich gerade" bereits über Aufnahmen der Sonaten und Partiten diskutiert wurde. Ich hoffe, daß diejenigen, die das taten, ihre Meinung dazu hier nochmal vorbringen und so eine Diskussion in Schwung kommt. Es wäre auch insofern gut, da die Beiträge im "Was höre ich gerade" ja doch irgendwann schwer wiederfindbar untergehen.
Ich selbst muß gestehen, noch keine HIP-Aufnahme zu besitzen, werde aber die Empfehlungen hier sicher zum Anlaß nehmen, mir eine anzuschaffen.
Viele Grüße,
Martin.