Thematische Einführung
Gerade eben erst in meine Sammlung aufgenommen, eine neue Einspielung oder eine kritische Edition von Claudio Monteverdis "Marienvesper" (Vespro della Beata Vergine, 1610), regt der heutige Erwerb dieses monumentalsten Werkes der frühen Barockzeit sogleich zu einer vertieften Auseinandersetzung an. Es ist ein Privileg und stets aufs Neue faszinierend, sich einem solchen Eckpfeiler der westlichen Musikgeschichte zu widmen, dessen Komplexität und Innovationskraft auch nach über 400 Jahren nichts von ihrer Anziehungskraft verloren haben. Die Marienvesper steht exemplarisch für den Übergang vom späten Renaissance-Stil zur neuen Ästhetik des Barocks und ist ein unverzichtbares Studienobjekt für jeden, der die Entwicklung der Musik zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert verstehen möchte. Diese "Neuerwerbung" ist somit nicht nur ein Genuss für das Ohr, sondern auch ein Katalysator für eine frische Reflexion über ihre Entstehungsgeschichte, musikalische Struktur und Interpretationsgeschichte.
Historischer Kontext & Werkanalyse
Die 1610 in Venedig veröffentlichte "Vespro della Beata Vergine" ist ein Schlüsselwerk Monteverdis, das zu einer entscheidenden Phase in seinem Leben entstand – der Zeit seiner Bewerbung um die Kapellmeisterstelle am Markusdom in Venedig. Es ist eine beeindruckende Bewerbungsmappe, die seine gesamte kompositorische Bandbreite und Meisterschaft demonstriert. Das Werk ist dabei keine kohärente, liturgisch durchgängige Vesper im modernen Sinne, sondern eine Sammlung von musikalischen Stücken, die für eine Vesper an Marienfesttagen geeignet wären. Diese Sammlung umfasst virtuose Motetten, prachtvolle Psalmvertonungen, eine Hymne und zwei unterschiedliche Vertonungen des Magnificats, umrahmt von einer Eröffnungs-Responsorium und einer Sonate.
Die musikalische Analyse offenbart Monteverdis geniale Synthese unterschiedlicher Stile: