Georg Friedrich Händel: La Resurrezione – Ein frühes Meisterwerk des Barock
Thematische Einführung
Georg Friedrich Händels Oratorium *La Resurrezione* (HWV 47) ist ein bemerkenswertes Zeugnis seines frühen Schaffens in Italien und ein Höhepunkt der römischen Oratorienkunst des frühen 18. Jahrhunderts. Komponiert im Frühjahr 1708 in Rom, behandelt das Werk die tiefgreifende biblische Erzählung der Auferstehung Christi. Es ist nicht als liturgisches Werk konzipiert, sondern als dramatisches geistliches Oratorium, das sich durch eine lebendige Charakterzeichnung, tief emotionale Arien und Rezitative sowie eine außergewöhnlich reiche und farbenprächtige Instrumentation auszeichnet. Händel zeigt hier bereits die dramatische Sensibilität und musikalische Virtuosität, die seine späteren Opern und englischen Oratorien prägen sollten.
Die Handlung folgt keinen direkten biblischen Quellen, sondern nutzt allegorische Figuren und die Reaktionen menschlicher Zeugen auf das Ereignis der Auferstehung. Die Hauptfiguren sind der Engel (Sopran), Maria Magdalena (Sopran), Kleophas (Alt), der Apostel Johannes (Tenor) und Luzifer (Bass). Durch den Dialog zwischen diesen sehr unterschiedlichen Charakteren – vom himmlischen Glanz des Engels über die menschliche Verzweiflung und Freude der Frauen bis hin zur wütenden Ohnmacht Luzifers – entfaltet Händel ein breites Spektrum an Affekten und musikalischen Ausdrucksformen.
Historischer Kontext & Werkanalyse
*La Resurrezione* entstand während Händels entscheidenden Aufenthalt in Italien (1706–1710), wo er sich intensiv mit den italienischen Musikstilen vertraut machte und seine eigene Stimme als Komponist weiterentwickelte. Das Oratorium wurde im Auftrag des kunstliebenden Marchese Francesco Maria Ruspoli für die Osterfeierlichkeiten des Jahres 1708 komponiert und am Ostersonntag, den 8. April, sowie am Ostermontag, den 9. April, im Palazzo Bonelli in Rom uraufgeführt. Dies war eine Zeit, in der Papst Clemens XI. Opernaufführungen verboten hatte, was die Entwicklung des Oratoriums als Ersatz für weltliche Bühnenwerke förderte.
Das Libretto stammt von Carlo Sigismondo Capece, dem Hofdichter der Königinwitwe Maria Casimira von Polen. Es ist in zwei Teile gegliedert und zeichnet sich durch seine rhetorische Eleganz und dramatische Struktur aus. Händel vertonte dieses Libretto mit einer musikalischen Reife, die für sein junges Alter (er war erst 23 Jahre alt) erstaunlich ist.
Musikalische Merkmale und Analyse: