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Francesco Cavalli (1602 - 1676)

Unbekannt Mittwoch, 1. Dezember 2010, 14:30
Francesco Cavalli, eigentlich Francesco Caletti wurde am 14. Februar 1602 in éiner kleinen italienischen Provinzstadt (Crema) geboren,
dort erregte der Junge die Aufmerksamkeit des Frederico Cavalli, er war Stadthalter der kleinen Stadt Crema.
Schon 1616 wurde er von dem Stadthalter, der sein Förderer wurde, nach Venedig geschickt, dort lernte er bei dem großen Meister Monteverdi an San Marco.
Francesco wurde in den Kirchenchor aufgenommen und diesem gehörte er die nächsten 23 Jahre an.
Er komponierte zuerst im Stile seinen Meisters Kirchenmusik aber auch Instrumentalmusik für die Messen in San Marco.
Francesco nam den Namen seines Förderes an: Cavalli - unter diesem Namen sollte er zu internationalen Ruhm gelangen und zum berühmtesten Opernkomponisten seiner Zeit werden.


1637 öffnete das erste öffentliche Opernunternehmen in Venedig im Teatro San Cassiano.
Die beiden führenden Impressari waren Benedetto Ferrari und Francesco Manelli, sie waren sowohl als Librettisten, Komponisten und Sänger dort tätig.
Cavalli war mittlerweile ein berühmter Kirchenkomponist und an mehreren Kirchen gleichzeitig angestellt, er war 35 Jahre alt.
Durch die extravagante Führung der Opernhäuser durch die beiden Theaterleute, fand auch Cavalli interesse an dem Neuen Medium, er wurde ihr Geschäftspartner.

Innerhalb der nächsten 10 Jahre schrieb Cavalli nicht weniger als 12 Opern die alle erfolgreich waren. Sie wurden sowohl in dem Teatro Cassiano, als auch an verschiedenen anderen neugegründeteten Opernhäusern gegeben.
Cavalli setzte auf Witz und erhöhte die Anzahl von Arien in den Opern enorm, stets mit eingängie Melodien.
Sein Name garantierte volle Häuser und volle Kassen, man setzte deshalb auch seinen Namen unter Werke die er gar nicht verfasst hatte.
Das macht es den Musikhistorikern etwas schwer die genaue Anzahl seiner Opern zu bestimmen.

1640-1660 hatte Cavalli seine fruchtbarste Schaffensperiode.
"Egisto" war sein erster internationaler Erfolg.
Nach der Aufführung 1643 an San Cassiano wurde sie in der französischen Botschaft in Rom gegeben, und in den darauffolgenden Jahren in Genua, Florenz, Bologna und schließlich in Paris.
1644 folgte "Ormindo".
"Giasone" 1649 war vielleicht der größte Triumph in diesen frühen Jahren und wurde, was außergewöhnlich ist, noch lange nach seinem Tod gespielt.
Giasone gilt Heute als die meistgespielte Oper des 17. Jahrhunderts, auch gibt es von keiner Oper des 17. Jh. soviele Abschriften.
"Orimonte" 1650 begründete seine Zusammenarbeit mit dem Rechtsgelehrten und Librettisten Nicolo Minato.
"Oristeo" und "La Calisto" folgten ein Jahr darauf und danach, 1652, Eritrea.
"Orione" wurde 1654 direkt von Mailand beauftragt.
"Xerse", eines der schönsten Cavalli Werke, kam erstmals 1654 am Teatro SS. Giovanni e Paolo heraus und ist sechs Jahre später in Paris aufgeführt.


1660 heiratete Ludwig XIV von Frankreich die spanische Infantin Marie Therese von Habsburg.
Zu diesem Anlass gab Kardinal Mazarin eine große Festoper in Auftrag. Man versuchte zuerst Pietro Antonio Cesti zu gewinnen, der aber ablehnte.
Francesco Cavalli sagte zu und begann mit der Komposition der Oper "Ercole amante" (der verliebte Herkules)
Doch weder das neue Theater in den Tuillerien (Salle des Maschines) noch die Oper selbst wurde rechtzeitig fertig.
Oft wurde Lully unterstellt, er habe maßgeblich im Hintergrund die Schrauben gedreht um eine Aufführung der Oper zu verhindern, was aber nach neuerer Forschung wenig glaubhaft ist, da er selbst Ballettmusiken für die Oper verfasst hatte.
Hauptgrund war, dass das Theater nicht einsatzbereit war, denn die neue Oper war auf die ganzen Spezialeffekte hin ausgelegt worden.
Und so disponierte man um und man gab Cavallis beliebte Oper "Xerse"

Die Gazette de France berichtet von der Oper Xerse als eine Ehrenbezeigung für den französischen Monarchen,
"denn das Thema wurde der Geschichte eines großen Königs entnommen.
Sie fand in den Sängern die schönsten Stimmen Italiens, in den Instrumentalisten die besten Italiens und in den Tänzen die fähigsten Frankreichs vereint."


Auch zu dieser Oper schrieb Lully eine Ballettmusik.
Das Libretto des Xerse wurde später auch von anderen Komponisten Bearbeitet, wie z.B. Bononcini und Händel.
So ist die berühmte Arie "Ombra mai fù" in Cavallis Oper auch eines der frühesten Beispiele einer echten Dacapo Arie.

Aber die Oper wurde vom Publikum recht kühl aufgenommen. Zu lang, eine Sprache die man nicht verstand und über 4 Stunden nur Gesang - das war zuviel für das Publikum das an das höfische Ballett gewöhnt war.

Zwei Jahre später war dann auch endlich der "Salle des Maschine" im Tuillerienpalast fertig. Und Louis XIV, der die italienische Musik im Gegensatz zu seinen Höflingen schätzte befahl die Aufführung der großen Cavalli Oper.

Aber auch "Ercole Amante" wurde ein Flopp, das Thema der Oper verstimmte das Publikum, so fand Herkules der sich in die falsche Frau verliebte und schließlich von ihr gemeuchelt wird, erst im Himmel seine große Liebe. Das wurde grundlich mißverstanden.
Dagegen feierte Lully mit seinen Balletteinlagen seinen ersten großen Triumph.
Die gewaltigen Bühnenmaschinerie und kostbarsten Ausstattung, und schließlich die lauttöhnende Ballettmusik Lullys überstrahlten Cavallis Musik.
Obwohl Cavalli versucht hatte mit großen Chorszenen und viel Instrumentalmusik dem frz. geschmack mehr zu entsprechen, vermochte er es nicht, das frz. Publikum für seine Musik zu begeistern.
Verbittert kehrte er nach Venedig zurück und schwor niemals mehr für das Theater zu komponieren.

Jedoch Cavallis Opern wurden auch weiterhin mit Erfolg (außerhalb Frankreichs) gespielt.
Der anhaltente Erfolg seiner Werke brachte Cavalli dazu die Oper Xerse wieder aufzunehmen und und es entstsanden in kurzer Zeit zwei drei Werke: "Scipione africano" , "Mutio Scevola" und "Pompeo Magno".

1665 wurde Cavalli erster Organist am Markusdom, diese Stelle verpflichte ihn sich mehr der geistlichen Musik zuzuwenden.
1668 wurde er zum maestro di capella ernannt und bald darauf zog sich Cavalli entgültig vom Theater zurück.

Zwar komponierte er noch einige Bühnenwerke, "Coriolano" 1669, "Eliogabalo" 1667 und "Massenzio" 1673, doch sie alle hatten keinen großen Erfolg mehr.
Man verwendete aber die Libretti dieser Opern für neue Werke, diese Demütigung war zuviel für den alten Meister.
Er komponierte von nun an nur noch geistliche Musik und sogar sein eigenes Requiem.

Er starb am 17. Januar 1676 und wurde in der Familiengruft in der Kirche San Lorenzo beigesetzt.



Eine seiner frühesten Opern liegt sogar in zwei Aufnahmen vor:



Die Aufnahme von Zedda ist ein Paradebeispiel für Selbsdisqualifikation.
Herr Zedda lässt sich im Booklett seitenweise darüber aus, was für ein Mumpitz die hist. informierte Aufführungspraxis sei. und ist der festen Überzeugung,
nur so wie er es hier gemacht hat, kann man eine Oper aus dem 17. Jh. einem modernen Publikum näher bringen.
(Die Aufnahme ist von 2005)
Dazu kommen die üblichen Behauptungen, mit den Ohren des 20. Jh. bla bla bla.
Nun ja, musikalisch ist das ganze eine Frechheit - sowas überhaupt aufzunehmen grenzt schon an schwarzen Humor.
Die Sänger sind eine mittlere Katastrophe, das Orchester klingt wie ein Weihnachtsmarkt nach 20 Uhr und die üble Aufnahmetechnik tut ihr übriges.
Eine 1A Cavalli - Karikatur.

Garrido zeigt wie es richtig gemacht wird !! Und widerlegt den Stuss den Zedda von sich gegeben hat glänzend.
Unbekannt Mittwoch, 1. Dezember 2010, 15:19
ganz grandios die 3 Aufnahmen von Rene Jacobs:




Cavallis Giasone ist hier wirklich in einer unerreichten Aufnahme vorgelegt worden.
(ich kenne noch zwei weitere Aufführungen als Radiomitschnitt anderer Ensembles)

Jacobs instrumentiert wunderbar, fügt auch nach der damaligen Praxis "Ritornelli" anderer Komponisten mit ein, so findet sich z.B. Schmelzers "Fechtschule" als Combattiemento wieder.
Besonders erheiternd, der stotternde Zwerg (jedes Opernhaus das damals etwas auf sich hielt hatte einen Zwerg, der stotterte...andere Zeiten, andere Sitten)
Eine ganz großartige Aufnahme!



Xerse ist mit einer minimalen Besetzung dennoch eine sehr einnehmende Oper, auch wenn es hart ist, die komplette Länge der Oper (4CDs) durchzustehen.
Natürlich hat Jacobs die originale Version von 1654 aufgenommen, im Booklett spricht er sich vehemnt gegen die frz. Fassung aus mit den "überwuchernden Balletten Lullys und dem frz. platten Prolog" :D




Bei La Calisto fährt Jacobs ein Instrumentalensemble auf, wie es wohl nur an den großen Höfen der damaligen Zeit möglich gewesen ist.
Und er scheut sich auch nicht davor, hier ordentlich Musik von Cesti und anderen Komponisten einzubauen.

unbedingt sollte man aber auch die Inszenierung von Wernicke dazu sehen, denn diese Produktion ist wohl eine der schönsten Opernaufführungen unserer Zeit:

Unbekannt Donnerstag, 2. Dezember 2010, 14:35
Guten Tag
Innerhalb der nächsten 10 Jahre schrieb Cavalli nicht weniger als 12 Opern die alle erfolgreich waren. Sie wurden sowohl in dem Teatro Cassiano, als auch an verschiedenen anderen neugegründeteten Opernhäusern gegeben.
Cavalli setzte auf Witz und erhöhte die Anzahl von Arien in den Opern enorm, stets mit eingängie Melodien.
Sein Name garantierte volle Häuser und volle Kassen, man setzte deshalb auch seinen Namen unter Werke die er gar nicht verfasst hatte.

Cavalli soll auch einen nicht unerheblichen kompositorischen Anteil an der Oper "L´incoronazione di Poppea " haben, der bekanntlich Monteverdi als Komponist gilt. Die Eröffnungssinfonie der venezianischen Handschrift kann mit einiger Sicherheit Cavalli zugeschrieben werden, weitere zahlreiche Passagen der Oper lassen seine Komposition erahnen..

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Freitag, 3. Dezember 2010, 06:14
Von der Festoper Ercole amante gibt es sowohl eine DVD als auch eine CD-Aufnahme:




Hier spielt Concerto Köln unter Ivor Bolton.
Eine wirklich grandiose Inszenierung, tolle musikalische Umsetzung und selbst die Ballette Lullys sind vollständig enthalten.
Das lässt wirklich die Pracht und die Schönheit dieser Parade-Barock-Festoper wiedererstehen.

Die Inszenierung ist natürlich bestes Regietheater mit extrem viel Humor - ansehen !!
Die Oper macht auf diese Weise gleich doppelt Spaß. Herkules (Ludwig XIV) als Bodybuilder mit Allongeperücke ist schon sehr speziell :hahaha:

:jubel: :jubel: :jubel: :jubel:

Die CD Aufnahme ist weniger zu empfehlen.
Zwar musikalisch nicht so völlig daneben wie Zeddas Weihnachtsmarktoper, aber dafür eben auch schon hörbar betagt:



Das Orchester "Bach festival Ensemble" unter Corboz hört sich eben auch danach an, oder vielmehr nach einem Ensemble, dass sich irgendwie in der Zeit geirrt hat.
Der Klangkörper hört sich einfach etwas seltsam an.
Zudem fehlen die Ballette Lullys (auf die im Booklett aber ständig Bezug genommen wird ...)
Die Sänger sind ganz in Ordnung, aber das ganze wirkt schwerfällig, zäh und stellenweise echt langweilig.

Wahrscheinlich wird Rene Jacobs diese Oper niemals spielen, aber wenn man an seine Interpretationen der Werke Cavallis oder Cestis denkt, dann vermisst man doch so manches...und würde es sich wünschen, dass er auch mal Ercole amante macht.

Die Ballette (Ballet Royal d'Hercule amoureux) sind nirgendwo besser gespielt als hier:



Hugo Reyne präsentiert hier nicht nur einfach eine Musikaufnahme, es wird eigentlich die ganze Hochzeit Ludwig XIV. nacherzählt und durch die Musik wird dieses historische Ereignis ein wenig lebendig.
Das musikalische Repertoire auf CD 1 beschreibt (auch mit rezitierten historischen Briefzitaten und Augenzeugenberichten) die Ereignisse bis zur Eheschließung.
Hier gibt es das "Ballet de Toulouse", von dem nur noch die Ouvertüre erhalten ist, das Ballet de Xerxes, für die Cavalli Oper und neben "3 Airs de la Paix" noch die Motette "Jubilate Deo"

Auf CD gibt es dann Auszüge aus "Ercole amante" zu hören (Prolog und Finale) und die komplette Ballettmusik Lullys.

:jubel: :jubel: :jubel: :jubel: :jubel:
Unbekannt Donnerstag, 9. Dezember 2010, 23:18


unbedingt sollte man aber auch die Inszenierung von Wernicke dazu sehen, denn diese Produktion ist wohl eine der schönsten Opernaufführungen unserer Zeit:



Definitiv! :yes:
Unbekannt Dienstag, 28. Dezember 2010, 22:23
Hallo,

kennt noch jemand diese Aufnahme von "L'Ormindo"?



Da ich sie neulich günstig bekommen konnte, hatte ich die Gelegenheit wahrgenommen, die große Bildungslücke, die ich bei italienischen Barockopern habe, etwas zu füllen. Allerdings ist der Funke so gar nicht übergesprungen. :(
Jetzt weiß ich nicht: Liegt's an mir, an der Aufnahme oder an Cavalli? (wahrscheinlich ja eher die ersten beiden)

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Mittwoch, 29. Dezember 2010, 17:39
Ja ich hab sie.
Mir geht es genauso - ich finde Correas ist zu historisch korrekt - denn er rekonstruiert die Gegebenheiten der kommerziellen Theater des 17. Jahrhunderts.
Die Instrumentalisten sind nicht mehr als bei einer Kammerkantate, wenn ich mich recht entsinne, nur 2 Violinen und B.C.

Dadurch verliert die Musik natürlich für unsere Erwartungen (wenn man z.B. an die Interpretationen von Jacobs denkt) extrem an Farbe und Reiz.
Hier wird wirklich das Libretto interessanter.
Musiklaisch bleibt das ganze auch für mich ziemlich distanziert, schlecht ist das nicht, aber eben nicht mein Geschmack.


Wer sich für Cavalli bzw. die typische Oper des 17. Jh. interessiert sollte mit "La Calisto" einsteigen - und am besten auch die DVD wählen.
Das hat bisher noch jeden mitgerissen !

Musikalisch fährt Jacobs ein Spitzenensemble auf, ein riesiges Instrumentalistenensemble mit den unterschiedlichsten Farbtönen.
Außerdem verfeinert er die erhaltene Partitur nach damaliger Praxis mit "Ritournelli" anderer Komponisten au s der Epoche, so hört man Cesti, Sacrati, Schmelzer, Rosenmüller und viele andere.
Unbekannt Mittwoch, 29. Dezember 2010, 22:42
Da ich sie neulich günstig bekommen konnte, hatte ich die Gelegenheit wahrgenommen, die große Bildungslücke, die ich bei italienischen Barockopern habe, etwas zu füllen. Allerdings ist der Funke so gar nicht übergesprungen.

Ja, bei mir war's genau so. Obwohl ich an der Platte nichts auszusetzen habe, konnte sie mich nicht begeistern.

LG
Tamás
:wink: