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Die Clavierbauer-Dynastie Stein/Streicher

Unbekannt Freitag, 4. Februar 2011, 19:28
Hallo,

ich habe ein wenig recherchiert und folgende Übersicht gebastelt, damit ich da mal durchblicke:


[Vergrösserung durch Anklicken möglich]

Die (Kurz-) Biografien lassen sich ganz gut über Wikipedia und/oder TastenWiki nachlesen. Ich werde hier zu gegebener Zeit textlich ergänzen.

Man kann diesen Thread vielsaitig nutzen: Zum einen für Diskussionen über die Instrumente, ggfs. deren Verschiedenheiten und Entwicklungen, zum andern natürlich auch über Aufnahmen betreffender Instrumente. Anregungen gerne gesehen.

:wink:
Unbekannt Freitag, 4. Februar 2011, 22:13
Guten Abend

auf dieser



CD habe ich eine Aufnahme von Schuberts "Drei Moments Musicaux" von M. Bilson auf einem Hammerklavier von André Stein gespielt. Der um 1825 gebaute Flügel weist drei Pedale (Fagottzug, Verschiebung, Dämpfungsaufhebung) auf.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Freitag, 4. Februar 2011, 22:20
Diese CD besitze ich ebenfalls :) und der enthaltene Schubert gefällt mir darauf außerordentlich gut (im Vergleich zu den auf Walter & Sohn gespielten Werken von Haydn und Mozart - besonders das 'alla turca' ist schlimm...)

Auf einem J. B. Streicher von c1850 hat Andreas Staier Schumanns Clavierkonzert a-moll op. 54 eingespielt. Ich finde die Einspielung sehr hörenswert:



Clara Schumann allerdings wurde von Ihrem Vater 1828 mit einem Instrument von André Stein beglückt. Das Instrument zierte, nebst der berühmten Pianistin, lange Jahre einen relativ wertvollen Papierlappen (jetzt weiß ich, warum das immer mein Lieblingsschein war ^^ ):



:wink:
Unbekannt Freitag, 4. Februar 2011, 22:27
Auf einem Hammerflügel Ferdinando Granziera nach André Stein c1782 spielt Mario Martinoli Clavierwerke von Joseph Martin Kraus:



Welche Instrumente Kraus wirklich bediente, wäre dabei noch zu klären ;)

Mozarts Klavierkonzerte Es-Dur KV 271 und A-Dur KV 414 auf einem Johann Andreas Stein (Nachbau McNulty), gespielt von Robert Levin:



Nochmals Mozart, nochmals Johann Andreas Stein (Nachbau von Claude Kelecom, Brüssel, 1978):



Klavierwerke, gespielt von Jos van Immerseel

Die Einspielung gefällt mir immer mehr; schade ist nur, daß neben KV 511 nicht auch KV 540 enthalten ist.


:wink:
Unbekannt Freitag, 4. Februar 2011, 23:15
Und mal ein Originalinstrument der Geschwister Stein von 1794 (Frére & Soeur Stein), begonnen noch in Augsburg, fertiggestellt in Wien:



Maria Bader-Kubizek (Violine) und Richard Fuller (Hammerflügel) spielen Violinsonaten Mozarts.

:wink:
Unbekannt Freitag, 4. Februar 2011, 23:37
Auf zwei originalen Hammerflügeln Johann Baptist Streichers (1851 und 1876) aus der Sammlung Gerd Hechers, Wien, Brahms mit Gerrit Zitterbart (Abegg-Trio):



Sowie Mozart-Lieder mit Werner Güra (Tenor) und Christoph Berner (Hammerflügel):



Johann Baptist Streicher (1851)

Gerrit Zitterbart am Flügel aus der Werkstatt Nannette Streicher & Sohn c1829 mit Schubert:

:!: http://www.gerrit-zitterbart.de/31.htm?PHPSESSID=e20d4f69e9f9665b23b7dd228ed42360 :!:

:wink:
Unbekannt Samstag, 5. Februar 2011, 07:50
Man kann diesen Thread vielsaitig nutzen: Zum einen für Diskussionen über die Instrumente, ggfs. deren Verschiedenheiten und Entwicklungen, zum andern natürlich auch über Aufnahmen betreffender Instrumente. Anregungen gerne gesehen.
Ja, man könnte...tut es aber nicht.
Wie zu erwarten, werden schöne covers hochgehalten (bekommen eigentlich die "cover-Zeiger" alle von den Labels Freiexemplare? ;)
Wie wärs denn, man ginge auf die konstruktiven/klanglichen Unterschiede der Pianoforte-Bauweisen ein, "Wiener Mechanik" (Stein, Walter, Streicher, etc), "englische" Mechanik (Cristofori, Silbermann, Broadwood, etc), Tangentenmechanik (Spaeth), über Erard bis zum heutigen Klavierbau.
Oder, die Äusserungen/Kritiken von Komponisten über Pianofortes, angefangen bei JSB über Silbermann, CPEB über Pianofortes, Mozart, Haydn(!!), Beethoven, Clementi, Hummel uswusf. Die haben nämlich auch etwas dazu zu sagen, und berichten über die unterschiedlichsten Rezeptionsgeschichten dieser Instrumente. Da gibt es vieles, so ich mich dunkel erinnern kann.
Da kommt noch, lieber @ Hyacint, viel Arbeit auf Dich zu.
Unbekannt Samstag, 5. Februar 2011, 10:30
Da kommt noch, lieber @ Hyacint, viel Arbeit auf Dich zu.


Solange mir ein langes Leben beschieden ist, habe ich kein Problem damit, denn

Zitat

Ja, man könnte...


...genau das ist meine Absicht.

Zitat

Wie zu erwarten, werden schöne covers hochgehalten


Klar. Um zu zeigen, auf welchen CDs entsprechende Instrumente bespielt wurden. Mir jedenfalls geht es so, daß ich durch das optische Aufzeigen einer CD diese schneller finden kann, wenn ich sie erwerben möchte, zumal sie hier direkt zum Shop verlinkt sind. Da ich hier, sofern nicht explizit anders angegeben, nur CDs poste, die ich auch selbst besitze, werde ich meine Hörerfahrungen zu gegebener Zeit nachtragen, s.w.u.

Zitat

bekommen eigentlich die "cover-Zeiger" alle von den Labels Freiexemplare?


Wäre eigentlich mal 'ne Maßnahme!

Selbstverständlich wird hier über die klanglichen und technischen Unterschiede später noch eingegangen, aber - zumindest ich - kann nicht alles gleichzeitig machen; die Posts mit den einzelnen CDs können ja jederzeit geändert und/oder ergänzt werden. Ein Punkt übrigens, den ich hier sehr schätze.

Ich recherchiere im eigenen Interesse und veröffentliche meine Ergebnisse hier freiwillig, damit andere (interne wie externe) Leser daran teilhaben können - also auch Du. Vielleicht ist es Dir ja möglich, solche Arbeiten (auch die der anderen!) einmal zu schätzen. Kritik, Korrekturen, Verbesserungsvorschläge sind natürlich immer gerne gesehen.

Zu Cristofori und den Silbermännern darfst Du gerne selber Hand anlegen... ich bin ja hier nicht der Sagittarius für Dich ;)

:wink:
Unbekannt Sonntag, 6. Februar 2011, 19:11
Hammerflügel Nannette Streicher née Stein, Wien
FF-f4
3 Pedale




Johan Wikmanson (1753-1800)
Divertissement på Söderfors bruk D-Dur
Finalsatz der Sonate C-Dur

Stig Ribbing, Hammerflügel

Tolle Aufnahme! Die CD enthält noch Einspielungen von seltenen Werken seltener Komponisten auf seltenen Instrumenten, darunter solche von Johann Andreas Stumpff (London), Johan Söderberg (Stockholm, vide Cover), Pehr Lundborg (Stockholm)...

:wink:
Unbekannt Dienstag, 8. Februar 2011, 00:27
Wie wärs denn, man ginge auf die konstruktiven/klanglichen Unterschiede der Pianoforte-Bauweisen ein
Man? Dann gehe doch mit gutem Beispiel voran ;)

Ulli muss ja nicht alles alleine machen, nicht wahr?



Gerrit Zitterbart hat Werke Schuberts auf einem Flügel aus der Firma Nanette Streichers aufgenommen, das Instrument stammt aus dem Jahr 1829 und befindet sich heute im Museum Huelsmann in Bielefeld, wo auch die betreffende Aufnahme entstanden ist. Eine Besonderheit dieses Flügels ist seine sogenannte oberschlägige Mechanik, die wohl von Johann Baptist Streicher erfunden wurde. Oberschlägig ist hier dem Wortsinne nach zu verstehen.Die Hämmer schlagen von oben auf die Saiten herab.

Der Klang des Instruments ist, meiner Erinnerung nach - ich müsste die CD noch einmal hören - silbriger, heller - als man ihn von anderen Klavieren dieser Zeit kennt.

:wink: :wink:

Christian
Unbekannt Montag, 14. Februar 2011, 18:28
Ein sehr klangschöner Nannette-Streicher-Nachbau erklingt hier zusammen im Duo mit Gitarre:



Italienische Serenade
Werke für Guitarre und Hammerflügel

Ferdinando Carulli (1770-1841)
Grand Duo op. 86
Duo op. 134

Tommaso Giordani (1730-1806)
Sonata c-moll
Sonata C-Dur
Sonata c-moll
Sonata a-moll

Mauro Giuliani (1781-1829)
Rondo h-moll op. 68 Nr. 1
Rondo A-Dur op. 68 Nr. 2

Maximilian Mangold, historische Guitarre des 19. Jahrhunderts
Kristian Nyquist, Fortepiano Nannette Streicher, Vienna 1814 (Nachbau)

Titel und Optik des Albums wiedersprechen dem Inhalt in so großer (überraschender, aber doch irgendwie vermuteter) Weise, daß es kaum wundert, wenn solches für 4,99 € nachgeworfen wird (aktuell bei 2011).

Guitarre und Hammerflügel ergänzen sich hier klanglich auf wirklich wunderliche und angenehme Weise, außerdem handelt es sich um überaus hörenswerte Musik! Neben der leicht heroischen Noblesse der Streicherflügels erklingt die Guitarre manchmal ziemlich volkstümlich dagegen, wird aber im Volumen des Flügels stets herzlich aufgefangen. Die enthaltenen Werke sind meistenteils in Dialogform komponiert, so daß die Klangprioritäten beider Instrumente sehr schön herauskommen.

:wink: