Unbekannt
Freitag, 26. November 2010, 21:00
Wenn man barocke Orchestersuiten denkt, dann sind es wohl zuerst die 4 Ouvertüren bzw. Orchestersuiten von J.S.Bach.
In zweiter Linie dann an die beiden berühmten Orchesterwerke von G.F. Händel, die Wassermusik und die Feuerwerksmusik.
Eine Orchestersuite ist eine Ansammlung von Instrumentalsätzen, meist Tänze wie Menuett, Bourree, Gigue etc. die von einer Ouverture, wie sie auch Opern der Zeit eröffnen, eingeleitet werden, daher werden diese Werke auch sehr oft als "Ouvertures" bezeichnet.
Die Orchestersuite nach französischem Vorbild ist neben dem ital. Concerto Grosso die wichtigste Gattung der Orchestermusik im Barock.
Entstanden ist die Suite in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts am Hofe Louis XIII von Frankreich.
Der Musikbegeisterte Monarch gründete die 24 Violons du Roi als erstes feststehendes Orchester der Musikgeschichte – nicht nur um kurzfristig die beliebten Hofballette aufführen zu lassen, sondern eben auch Einzelsätze aus den Balletten zu unterhaltsamen „Suiten“ zusammenstellen und für sich spielen zu lassen.
Eine solche Suite findet sich glücklicherweise in der „Philidor-Sammlung“ :
Concert donnée a Louis XIII en 1627 par les 24 Violons et les 12 Grands Hautbois
Und dürfte wahrscheinlich die älteste erhaltene Orchestersuite der Musikgeschichte sein.
Es gab bereits um 1600 eine Suitentradition, schon zu Zeiten Henri IV. von Navarra waren Konzerte mit Tanzsätzen beliebt.
Im 19. und 20. jahrhundert sprach man dieser Musik jegliche Berechtigung ab, da sie nur "höfisches Divertissement" (Adorno) sei.
Doch dies wurde im 17. und 18. jahrhundert natürlich anders gesehen, diese Tänze wurden als "absolute Musik" im Konzert gegeben und auch getanzt, man sah da keinen Widerspuch.
Nach Deutschland kamen diese Suiten durch die Tanzsammlungen von Praetorius und dem franz. Geiger Francois Caroubel, der verschiedene deutsche Residenzen besuchte.
In der Folgezeit entstanden sehr rasch Werke nach diesen Vorbildern aus Frankreich.
Das berühmteste dürfte zweifellos Scheins Banchetto Musicale von 1617 sein.
Diese frühen Suiten wurden von Intradas oder Pavanen eingeleitet, es folgten Allemanden, Couranten und endeten meist mit einer Gigue oder einer Sarabande.
Sarabanden wurden bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts übrigens in einem sehr raschen Tempo gespielt, durch neue choreographien der Tanzmeister Louis XIV wurde der Charakter des Tanzes völlig verändert.
Diese Suiten haben auch die Cembalisten und Lautenisten inspiriert, fast die gesamte Literatur des 17. Jahrhunderts für diese Instrumente ist in Suitenform.
Mit der Zeit zeichnete sich auch hier ein allgemeingültiges Schema ab. Eine Prelude eröffnet stets die Suite, es folgen die Tänze Allemande – Courante – Gigue. Oft noch durch weitere Tänze oder „Charakterstücke“ ergänzt.
Ebenso wurde in der frz. geprägten Kammermusik verfahren.
Am französischen Hof war es üblich geworden solche Suiten aus den Tänzen der Hofballette zusammen zustellen, später unter Lully auch aus den Opern.
Dann aber als Eröffnung stets eine Ouverture.
Eine Ouverture nach dem Vorbild Lullys hat stets einen gravitätischen ersten Teil, dann einen schnelleren fugierten zweiten Teil, oft wird der erste Teil noch mal wiederholt.
Diese Form der Ouvertüre entstand um 1660, die ersten Ouvertüren in diesem neuen Stil finden sich im Ballet d’Alcidiane et Polexander (1659) und dem Ballet de Xerxes (1660) von Lully. Die Ouverturen davor waren einfache gravitätische Stücke, die große Ähnlichkeit mit den gewöhnlichen Entrées der Ballette hatten.
Diese neue Ouverturen-Form Lullys blieb bis weit ins 18. Jahrhundert hinein verbindlich.
Händels Ouvertüren zu seinen Opern folgen alle diesem Vorbild. Händel lernte den frz. Orchestersil an der Hamburger Oper kennen, dort wurde Ballett und Instrumentalmusik nach frz. Vorbild gefordert, zudem standen Opern von Lully regelmäßig auf dem Spielplan, das prägte Händels frühe Schaffensphase entscheidend.
So wurde er von seinem Meister Agostino Steffani kritisiert, dass er nicht in der Lage sei auch den italienischen Stil zu bewältigen.
Händel widerlegte dies gründlich nach seiner fulminanten Italien-Reise, hielt aber an der französischen Art der Ouvertüre bei seinen Opern fest.
Und aus einer Sarabande aus seinen frühen Jahren schuf er schließlich eine seiner schönsten Arien "L'ascia ch'io pianga" aus Rinaldo.
Am französischen Hof ließ Louis XIV eine Sammlung anlegen mit den „Hof - Melodien“ gewissermaßen eine Art "Best of" der Musik seiner Zeit: „Les plusieurs Airs“
Von Philidor in mehreren Suiten geordnet und teilweise mit Stücken zusammengestellt die von mehreren Komponisten stammten.
Die berühmteste Sammlung solcher Orchestersuiten sind die „Symphonies pour les Soupers du Roi“ von Delalande, die sich ebenfalls zum großen Teil in dieser Sammlung wiederfinden.
Und gerade im damaligen Deutschen Raum (heiliges römisches Reich deutscher Nation) erfreuten sich die Suiten aus französischen Opern und Balletten von Lully, Campra, Destouches etc. höchster Beliebtheit und Abschriften finden sich fast in allen Schlossbibliotheken.
Die deutschen Fürsten verfügten oft nicht über die Mittel ganze Opern aufzuführen, und so war dies eine Möglichkeit diese Musik zu erleben – zumal der französische Gesang hingegen in Deutschland weniger geschätzt wurde.
So lässt sich Graun auf ganzer Bahn gegen den französischen Stil aus, spricht sogar davon, dass der französische Gesang (bei im als Recitatif bezeichnet) nirgends gefalle außer in Frankreich und andernorts bestenfalls "ekel" auslösen würde.
Aber nicht alle teilten die Meinung von Graun und Quantz, die wohl auch ein persönliches Problem mit französischen Musikern hatten.
In Hamburg, in Hannover, Celle, Darmstadt und München wurden auch vollständige Opern von Lully aufgeführt.
Die deutschen Komponisten schufen für ihre Auftraggeber dann gleich solche Suiten, ohne eine zugehörige Oper.
Entweder waren es komplette Neuschöpfungen, oder aber Zusammenstellungen aus Hofballetten, die an vielen Höfen üblich waren.
Es gab zwei unterschiedliche Gruppen von Musikern, einmal diejenigen die sich zwar an den französischen Vorbildern orientierten, aber eigene (deutsche) und vor allem italienische Einflüsse verstärkt in ihre Werke einfließen ließen.
Telemanns unzählige Orchestersuiten, Bachs 4 Orchestersuiten und Händels Wassermusik & Feuerwerksmusik sind dafür die besten Beispiele.
Georg Muffat suchte bereits im 17. Jahrhundert einen Weg, die beiden großen nationalstile zu verbinden.
Und es gab die "deutschen Lullisten", die versuchten den französischen Stil bis zur Perfektion zu imitieren, vor allem Kusser, der nach eigenen Aussagen direkt bei Lully studierte sowie Erlebach und J.C.F. Fischer.
Lullisten wurden die Anhänger Lullys genannt, die vehement den Stil ihres großen Meisters verteidigten und vernichtende Kritiken gegen andersartige Musiken verfassten.
In Frankreich hatten sie erheblichen Einfluss auf das Musik- und Kulturleben in der Hauptstadt, sie förderten und vernichteten Karrieren.
In Deutschland war man jedoch gemäßigter und suchte nach dem Ideal der „goûts reunis“ der vereinigten Geschmäcker“ Man versuchte das Beste aus beiden großen Nationalstilen mit der deutschen Musik zu vereinen.
Hierzu muss man wissen, dass zwischen den beiden großen Musikstilen im damaligen Europa, dem italienischen und den französischen Stil ein heftiger intellektueller Kampf tobte, der von Lully und Louis XIV ausgelöst wurde und bis zur französischen Revolution andauerte.
Dies betraf vor allem die Oper, die Instrumentalmusik galt als niedere Gattung.
Die Orchestersuite verlor schließlich zur gleichen Zeit an Bedeutung wie das italienische Concerto.
In den letzten Werken dieser Art zeichnete sich bereits der neue Weg ab, aus beiden Gattungen ging schließlich die klassische Sinfonie hervor.
Diese Übergangsphase wird z.B. von Werken wie den Ouvertures von Arne und Boyce oder Pugnani sehr deutlich.
In zweiter Linie dann an die beiden berühmten Orchesterwerke von G.F. Händel, die Wassermusik und die Feuerwerksmusik.
Eine Orchestersuite ist eine Ansammlung von Instrumentalsätzen, meist Tänze wie Menuett, Bourree, Gigue etc. die von einer Ouverture, wie sie auch Opern der Zeit eröffnen, eingeleitet werden, daher werden diese Werke auch sehr oft als "Ouvertures" bezeichnet.
Die Orchestersuite nach französischem Vorbild ist neben dem ital. Concerto Grosso die wichtigste Gattung der Orchestermusik im Barock.
Entstanden ist die Suite in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts am Hofe Louis XIII von Frankreich.
Der Musikbegeisterte Monarch gründete die 24 Violons du Roi als erstes feststehendes Orchester der Musikgeschichte – nicht nur um kurzfristig die beliebten Hofballette aufführen zu lassen, sondern eben auch Einzelsätze aus den Balletten zu unterhaltsamen „Suiten“ zusammenstellen und für sich spielen zu lassen.
Eine solche Suite findet sich glücklicherweise in der „Philidor-Sammlung“ :
Concert donnée a Louis XIII en 1627 par les 24 Violons et les 12 Grands Hautbois
Und dürfte wahrscheinlich die älteste erhaltene Orchestersuite der Musikgeschichte sein.
Es gab bereits um 1600 eine Suitentradition, schon zu Zeiten Henri IV. von Navarra waren Konzerte mit Tanzsätzen beliebt.
Im 19. und 20. jahrhundert sprach man dieser Musik jegliche Berechtigung ab, da sie nur "höfisches Divertissement" (Adorno) sei.
Doch dies wurde im 17. und 18. jahrhundert natürlich anders gesehen, diese Tänze wurden als "absolute Musik" im Konzert gegeben und auch getanzt, man sah da keinen Widerspuch.
Nach Deutschland kamen diese Suiten durch die Tanzsammlungen von Praetorius und dem franz. Geiger Francois Caroubel, der verschiedene deutsche Residenzen besuchte.
In der Folgezeit entstanden sehr rasch Werke nach diesen Vorbildern aus Frankreich.
Das berühmteste dürfte zweifellos Scheins Banchetto Musicale von 1617 sein.
Diese frühen Suiten wurden von Intradas oder Pavanen eingeleitet, es folgten Allemanden, Couranten und endeten meist mit einer Gigue oder einer Sarabande.
Sarabanden wurden bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts übrigens in einem sehr raschen Tempo gespielt, durch neue choreographien der Tanzmeister Louis XIV wurde der Charakter des Tanzes völlig verändert.
Diese Suiten haben auch die Cembalisten und Lautenisten inspiriert, fast die gesamte Literatur des 17. Jahrhunderts für diese Instrumente ist in Suitenform.
Mit der Zeit zeichnete sich auch hier ein allgemeingültiges Schema ab. Eine Prelude eröffnet stets die Suite, es folgen die Tänze Allemande – Courante – Gigue. Oft noch durch weitere Tänze oder „Charakterstücke“ ergänzt.
Ebenso wurde in der frz. geprägten Kammermusik verfahren.
Am französischen Hof war es üblich geworden solche Suiten aus den Tänzen der Hofballette zusammen zustellen, später unter Lully auch aus den Opern.
Dann aber als Eröffnung stets eine Ouverture.
Eine Ouverture nach dem Vorbild Lullys hat stets einen gravitätischen ersten Teil, dann einen schnelleren fugierten zweiten Teil, oft wird der erste Teil noch mal wiederholt.
Diese Form der Ouvertüre entstand um 1660, die ersten Ouvertüren in diesem neuen Stil finden sich im Ballet d’Alcidiane et Polexander (1659) und dem Ballet de Xerxes (1660) von Lully. Die Ouverturen davor waren einfache gravitätische Stücke, die große Ähnlichkeit mit den gewöhnlichen Entrées der Ballette hatten.
Diese neue Ouverturen-Form Lullys blieb bis weit ins 18. Jahrhundert hinein verbindlich.
Händels Ouvertüren zu seinen Opern folgen alle diesem Vorbild. Händel lernte den frz. Orchestersil an der Hamburger Oper kennen, dort wurde Ballett und Instrumentalmusik nach frz. Vorbild gefordert, zudem standen Opern von Lully regelmäßig auf dem Spielplan, das prägte Händels frühe Schaffensphase entscheidend.
So wurde er von seinem Meister Agostino Steffani kritisiert, dass er nicht in der Lage sei auch den italienischen Stil zu bewältigen.
Händel widerlegte dies gründlich nach seiner fulminanten Italien-Reise, hielt aber an der französischen Art der Ouvertüre bei seinen Opern fest.
Und aus einer Sarabande aus seinen frühen Jahren schuf er schließlich eine seiner schönsten Arien "L'ascia ch'io pianga" aus Rinaldo.
Am französischen Hof ließ Louis XIV eine Sammlung anlegen mit den „Hof - Melodien“ gewissermaßen eine Art "Best of" der Musik seiner Zeit: „Les plusieurs Airs“
Von Philidor in mehreren Suiten geordnet und teilweise mit Stücken zusammengestellt die von mehreren Komponisten stammten.
Die berühmteste Sammlung solcher Orchestersuiten sind die „Symphonies pour les Soupers du Roi“ von Delalande, die sich ebenfalls zum großen Teil in dieser Sammlung wiederfinden.
Und gerade im damaligen Deutschen Raum (heiliges römisches Reich deutscher Nation) erfreuten sich die Suiten aus französischen Opern und Balletten von Lully, Campra, Destouches etc. höchster Beliebtheit und Abschriften finden sich fast in allen Schlossbibliotheken.
Die deutschen Fürsten verfügten oft nicht über die Mittel ganze Opern aufzuführen, und so war dies eine Möglichkeit diese Musik zu erleben – zumal der französische Gesang hingegen in Deutschland weniger geschätzt wurde.
So lässt sich Graun auf ganzer Bahn gegen den französischen Stil aus, spricht sogar davon, dass der französische Gesang (bei im als Recitatif bezeichnet) nirgends gefalle außer in Frankreich und andernorts bestenfalls "ekel" auslösen würde.
Aber nicht alle teilten die Meinung von Graun und Quantz, die wohl auch ein persönliches Problem mit französischen Musikern hatten.
In Hamburg, in Hannover, Celle, Darmstadt und München wurden auch vollständige Opern von Lully aufgeführt.
Die deutschen Komponisten schufen für ihre Auftraggeber dann gleich solche Suiten, ohne eine zugehörige Oper.
Entweder waren es komplette Neuschöpfungen, oder aber Zusammenstellungen aus Hofballetten, die an vielen Höfen üblich waren.
Es gab zwei unterschiedliche Gruppen von Musikern, einmal diejenigen die sich zwar an den französischen Vorbildern orientierten, aber eigene (deutsche) und vor allem italienische Einflüsse verstärkt in ihre Werke einfließen ließen.
Telemanns unzählige Orchestersuiten, Bachs 4 Orchestersuiten und Händels Wassermusik & Feuerwerksmusik sind dafür die besten Beispiele.
Georg Muffat suchte bereits im 17. Jahrhundert einen Weg, die beiden großen nationalstile zu verbinden.
Und es gab die "deutschen Lullisten", die versuchten den französischen Stil bis zur Perfektion zu imitieren, vor allem Kusser, der nach eigenen Aussagen direkt bei Lully studierte sowie Erlebach und J.C.F. Fischer.
Lullisten wurden die Anhänger Lullys genannt, die vehement den Stil ihres großen Meisters verteidigten und vernichtende Kritiken gegen andersartige Musiken verfassten.
In Frankreich hatten sie erheblichen Einfluss auf das Musik- und Kulturleben in der Hauptstadt, sie förderten und vernichteten Karrieren.
In Deutschland war man jedoch gemäßigter und suchte nach dem Ideal der „goûts reunis“ der vereinigten Geschmäcker“ Man versuchte das Beste aus beiden großen Nationalstilen mit der deutschen Musik zu vereinen.
Hierzu muss man wissen, dass zwischen den beiden großen Musikstilen im damaligen Europa, dem italienischen und den französischen Stil ein heftiger intellektueller Kampf tobte, der von Lully und Louis XIV ausgelöst wurde und bis zur französischen Revolution andauerte.
Dies betraf vor allem die Oper, die Instrumentalmusik galt als niedere Gattung.
Die Orchestersuite verlor schließlich zur gleichen Zeit an Bedeutung wie das italienische Concerto.
In den letzten Werken dieser Art zeichnete sich bereits der neue Weg ab, aus beiden Gattungen ging schließlich die klassische Sinfonie hervor.
Diese Übergangsphase wird z.B. von Werken wie den Ouvertures von Arne und Boyce oder Pugnani sehr deutlich.
