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Claude Debussy (1862-1918): Klavier- und Kammermusik auf historischen Instrumenten

Unbekannt Sonntag, 6. Juni 2010, 23:28
Debussys Kammermusik mit der Familie Kuijken:



Klaviermusik mit Immerseel auf einem zeitgen. Flügel



Obige hat mir sehr gut gefallen, die zweite müsste ich erstmal wieder ausgraben. Wobei ich, besonders als ich sie vor einigen Jahren gekauft habe, noch nicht so besonders vertraut mit Debussys Werken war (so richtig immer noch nicht, aber mehr als damals).

JK jr.
Unbekannt Montag, 7. Juni 2010, 12:04
Über Debussy in HIP werde ich demnächst einen eigenen Thread eröffnen, da gibt es noch etwas mehr. ich werde den vorstehenden Beitrag dann als ersten dazustellen.

p.s. was hiermit geschehen ist.
Unbekannt Montag, 7. Juni 2010, 16:31
Über Debussy in HIP werde ich demnächst einen eigenen Thread eröffnen, da gibt es noch etwas mehr.
Da wirst Du in mir einen aufmerksamen Leser finden. lieber Michael! Und ich steure schon mal bei, was dann nicht fehlen darf:

Alain Planès:

die Préludes auf einem Bechstein 1897:


Suite bergamasque, Deux arabesques, Children's Corner, Images auf einem Blüthner 1902:


Wer bislang noch nichts von Planès und Debussy hat, dem empfehle ich die Gesamteinspielung auf 5 CDs (auch wenn es in diesen Kreisen Stirnrunzeln auslösen könnte, daß die übrigen Aufnahmen offensichtlich auf den modernen Steinway zurückgreifen):


:wink:
Unbekannt Montag, 7. Juni 2010, 23:46
Eigentlich scheint bei einem Komponisten wie Debussy die Verbindung von Klangfarbe und Komposition unauflösbar zu sein - dennoch hat sich die historische Aufführungspraxis seiner Musik eher vereinzelt angenommen. Zu stark scheinen die Hörgewohnheiten von den als "klassisch" geltenden Interpretationen (die natürlich alle auf nach der Lebenszeit des Komponisten gebauten Klavieren eingespielt wurden) geprägt zu sein. Aber gerade bei Tasteninstrumenten sind die Unterschiede oft beträchtlich.
Unsere Hauptquellen neben den Notentexten sind die Aufnahmen von Debussy und seinen Zeitgenossen auf Reproduktionsklavieren und Berichte von Zeugen, die sein Klavierspiel beobachtet haben - was sich in diesem Fall ergänzt, da der äußerst differenzierende Pedalgebrauch mit mehr als doppelt so vielen Postionen, wie sie damals am Konservatorium gelehrt wurden, nach Aussage von Jos van Immerseel auch bei den Welte-Mignon Aufnahmen zu beobachten ist. Er orientiert sich bei seiner 1995 bei Channel Classics erschienenen Aufnahme der Préludes - Premier Livre (1902-1910) und der postum veröffentlichten Images oubliées von 1894 dann auch stärker als jeder andere von mir gehörte Pianist an Debussys Vorbild, was mir persönlich ausgzeichnet gefällt, denn er versuch erst gar nicht, expressiver zu sein, als die Musik mit ihrem unerhört suggestiven Charakter ohnehin schon ist. Sein Spiel steht voll im Dienste der Musik und versucht nicht, mehr in die Musik hineinzudeuten, als sie assoziativ hergibt.

Unbekannt Montag, 7. Juni 2010, 23:54
Jos van Immserseel hat sich Claude Debussys Aufnahmen mehrmals vorspielen lassen, als er seine Debussy-Aufnahme vorbereitete und bestätigte die sehr fein abgestufte Pedalbewegung.

Rein gefühlsmäßig spüre ich bei Debussy eine Übereinstimmung von Spieler und Musik, wie sie nur der Komponist haben kann - da mag das eine oder andere technisch nicht perfekt sein, aber es hat immer Charakter und Persönlichkeit. Die feinen Differenzierungen in der Tempowahl und der rhythmischen Gestaltung z.B. der Habanera-Rhythmen, die tänzerisch und elastisch zugleich wirken, mit einer ungeheuren Weichheit, die aber nicht auf Kosten der Klarheit geht.

Die CD der sog. Condon Collection scheint mir ein älteres Klavier zu benutzen, der Klang ist irgendwie nicht Steinway-typisch. Schon bei den Aufnahmen anderer Pianisten, die wenige Jahre später entstanden, bemerke ich eine etwas weniger poetische Darbietung - mit dieser CD habe ich Debussys Klaviermusik lieben gelernt, und sie bleibt mein Maßstab.



Neueren Datums ist diese CD des Labels Tacet, die ich aber noch nicht hören konnte ...



Ich bin etwas skeptisch, ob die Verwendung eines modernen Flügels die gleichen Ergebnisse bringt wie ein 100 Jahre altes Klavier, dessen Anschlagsverhalten doch ziemlich anders ist. Die Reproduktionsmechanik war doch auf die leichtergängigen Flügel um 1900 eingestellt ...

Hier eine weitere Ausgabe, die ich auch noch nicht gehört habe:

Unbekannt Dienstag, 8. Juni 2010, 00:05
Der einzige Pianist, der eine Gesamtaufnahme auf historischen Klavieren in Angriff nahm, war Stany David Lasry für Arcana - aber die vorübergehende Schließung des Labels ließ die Serie unvollendet, nur zwei CDs waren erschienen:

Folge II:
Pour le Piano
Estampes
L'Isle Joyeuse
Images - 1re série
Images - 2me série
Children's Corner

Der Flügel ist ein Érard von 1921, der fast schon einen Tick zu modern klingt. Aber die absolut musikdienliche Spielweise hebt diese Aufnahme deutlich aus der Menge der eher über-expressiven heraus. Leider momentan auch gebraucht nicht zu bekommen - als Arcana vorübergehend in Ruhestand ging, wurde diese CD verschleudert ...

Folge III:
Préludes - Livre I
La plus que lente
Préludes - Livre II

Hier spielt Lasry einen Érard von 1874, der viel mehr und weichere Farben aufweist - ein herrliches Klavier. Die Aufnahme wirkt fast unspektakulär - Lasry lässt die Musik sich selbst spielen.

Unbekannt Dienstag, 8. Juni 2010, 00:10
Ebenfalls vergriffen ist die Auswahl von Liedern, die der Bariton Thierry Félix mit Stany David Lasry für Arcana gemacht hat - wieder mit dem 1874er Érard, der wunderbar zur Liedbegleitung geeignet ist, den Sänger nie in Bedrängnis bringt. Félix singt mit angenehmer Farbe und einem sehr gezielten, eher sparsamen und sehr differenzierten Gebrauch des Vibrato.

Unbekannt Dienstag, 8. Juni 2010, 00:13
Auf dem gleichen Niveau spielt die CD von Sandrine Piau mit Jos van Immerseel (auf seinem Érard von 1897) - Piau singt wesentlich expressiver als Félix, scheut vor etwas mehr Vibrato nicht zurück, wirkt aber nie übertrieben exaltiert.

Unbekannt Dienstag, 8. Juni 2010, 00:23
Ein absolutes Juwel der Kammermusik der frühen moderne in HIP ist die 2006 bei alpha erschiene CD Une flûte invisible ... Musique francaise à l'aube de XXe siècle:



Die Sopranistin Sandrine Piau, Tenor Hervé Lamy, Flötist Gilles de Talhouet und Arthur Schoonderwoerd auf einem Érard von 1907 verzaubern den Hörer 73 Minuten lang mit derart feinen und differenzierten Farben, daß mir die Worte versagen. Auf äußerst geschickte Weise kombinieren sie die Six épigraphes antiques und die Trois chansons de Bilitis von Claude Debussy mit den Deux poèmes de Ronsard von Albert Roussel sowie weiteren Stücken von André Caplet, Benjamin Godard, Gabriel Pierné, Camille Saint-Saens und Debussy zu einem faszinierenden Bild der Musik des fin de siècle - gemeinsamer roter Faden ist die Dichtung Viens! - une flûte invisible von Victor Hugo, die das meiste der hier zu hörenden Kompositionen inspiriert hat.

p.s. Hervé Lamy findet ich unglaublich gut auf dieser CD - eine virile, starke Stimme, trotzdem sehr differenziert. Männlicher Gesang in seiner besten Form, nach meinem Geschmack.
Unbekannt Dienstag, 8. Juni 2010, 00:28
Ebenfalls ein Juwel: die oben erwähnte CD der Familie Kuijken:



Wenn alle Streichquartette die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts so spielen würden, wäre ich seelig ...
Unbekannt Dienstag, 8. Juni 2010, 00:40
Alain Planès ist ein Sonderfall. Er sucht seine Klaviere völlig subjektiv aus, so wie sie ihm für seine jeweiligen Aufnahmeprojekte gefallen, die Übereinstimmung der Enstehungszeit von Werk und Instrument, oder ob der Komponist solche Klaviere kannte und gespielt hat, ist sekundär. Die Ergebnisse sind allemal hörenswert und heben sich wohltuend von den eingefahrenen Klischees der Debussy-Interpretation ab. Die Idee, auch historische Klaviere zu spielen, kam ihm nebenbei, die erste Folge mit den Douze études und drei Einzelstücken ist auf einem modernen Steinway gespielt - so gut haben mir die Études noch nie gefallen:



Folge zwei präsentiert die beiden Bücher der Préludes auf einem Bechstein von 1897:



Folge drei hat die Suite Bergamasque, Images und Children's Corner auf einem Blüthner von 1902:



Alles weitere auf einer Doppel-CD, wieder auf modernem Gerät:



Alles zusammen in dieser 5er Box, wie von Gurnemanz schon erwähnt:

Unbekannt Dienstag, 8. Juni 2010, 00:48
Inge Spinette & Jan Michiels wählten für ihre Aufnahme von Werken für zwei Klaviere zwei Steinways von 1873 und 1875 - nach vorliegenden Zeugnissen soll Debussy solche gekannt und auch geschätzt haben, die allerdings weicher und farbenreicher klingen als heute gebaute, aber weniger dunkel als Érard-Flügel.



Diese CD enthält eines meiner Lieblingstücke von Debussy, Lindaraja - der Titel mutet vielleicht indisch an, ist aber spanisch, der verwendete Grundrhythmus ist nichtsdestotrotz eher spanisch inspiriert: eine Art 6/8-Takt, der abwechselnd in 3x2 und 2x3 Sechzehnteln phrasiert ist, also 3 Achtelnoten und 2 punktierten, was die klassischen Pianisten so gut wie nie präzise hinbekommen. Im Cante Jondo, den Debussy ebenso wie Gamelan auf der Weltausstellung in Paris gehört hat, ist dies ein sehr verbreitetes Muster. Meistens halten die Klassiker wie hier die punktierten Achtel zu kurz aus und verzerren so den Rhythmus. Spinette und Michiels wählen zudem ein etwas gehetztes Tempo. Die von mir bevorzugte Aufnahme des Stückes vom Klavierduo Burger/Sala scheint aber nirgendswo aufzutreiben zu sein; sie ist sehr an Debussys Habanera-Tempo seiner eigenen Aufnahmen orientiert.
En blanc et noir in seiner temperamentvollen Modernität spielen die beiden allerdings absolut überzeugend.

p.s.: Lindaraja ist spanisch - linda bedeutet schön im zierlichen, hübschen Sinn, raja ... was das heisst, kann ich hier nicht hinschreiben :whistling:
Unbekannt Donnerstag, 15. Juli 2010, 17:40
Ebenfalls ein Juwel: die oben erwähnte CD der Familie Kuijken:



Wenn alle Streichquartette die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts so spielen würden, wäre ich seelig ...


Diese CD hatte ich in einem früheren Forenleben mal als unverzichtbar deklariert und beschrieb sie mit den Worten:

Zitat

Eine HIP-Aufnahme von Debussy?
JA!
Ich weiß nicht, ob es wirklich am (teilweise; das Cello beispielsweise wurde 1999 von Filip - richtig - Kuijken gebaut) alten Instrumentarium und den Darmsaiten liegt oder am familiären Zusammenspiel der Künstler oder am Feingespür für die debussy'sche Klangkultur - diese Aufnahmen der Kammermusik Debussys (leider fehlt das Klaviertrio) wage ich als Referenz zu bezeichnen.
Das Streichquartett ist dermaßen feinsinnig und klar interpretiert, wie es mir zuvor nicht untergekommen ist... der Klangzauber im Trio für Flöte, Viola und Harfe ist überwältigend... die Violinsonate, Debussys letztes Werk, so sensibel und ausdrucksstark gespielt...
Man entschuldige mir die Phrasendrescherei, ich weiß den besonderen Schönklang dieser CD-Aufnahme nicht besser auszudrücken.


Kann ich so stehenlassen.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Dienstag, 11. Oktober 2011, 22:44
Wenn ich die Zeichen richtig deute, wird im nächsten Jahr zum 150. Geburtstag von Debussy eine CD von Jos van Immerseel und Anima Eterna mit Orchestermusik erscheinen - das Ensemble hat Debussy schon auf seinen Konzertprogrammen.
Unbekannt Dienstag, 11. Oktober 2011, 23:00
Eine neue CD mit Liedern gibt es von Jan Van der Crabben und Inge Spinette - ob der Flügel historisch ist, konnte ich noch nicht herausfinden - nach den Klangbeispielen eher nicht, aber die auch mit alten Klavieren erfahrene Pianistin begleitet sehr sensibel. Der Sänger ist regelmäßig in der niederländischen HIP-Szene tätig, singt auf etlichen Bach-Aufnahmen Sigiswald Kuijkens.

Unbekannt Samstag, 15. Oktober 2011, 13:13
Ich wusste gar nicht, dass es so "viele" (immerhin!) HIP-Aufnahmen mit Debussy gibt. Ist ja cool! Was ist denn bei der Kuijken Platte drauf? Streichquartett, habe ich gelesen, Violinsonate, Trio - die Cellosonate auch?

Ich bin wie immer im Internetcaf´d und kann nix nachkucken in meiner Sammlung, aber ich möchte wie immer darauf hinweisen, dass manchmal der Griff zu alten Aufnahmen sowohl was das Instrumentarium, als auch was die viel unprätentiösere, erdigere Spielweise betrifft in die Nähe von nicht vorhandenen HIP-Aufnahmen führt. Ich habe irgendwie ein Ravel-Streichquartett von 1930, weiß auswendig nicht, mit wem; klingt aber definitv so, wie ich´s vom HIP-Ensemble erwarten würde (Cello G- und C-Saite!). Sorry, ich kuck´s nach...

Zum Schluss noch eine Anekdote, natürlich auch aus dem Gedächtnis zitiert: Ein als Debussy-Interpret bekannter Pianist war im Hause Debussy zu Besuch, spielte was und fragte daraufhin die 3- oder 4-jährige Tochter, ob das denn so geklungen habe, wie wenn Papa spielt. Sie darauf: "Papa nimmt nicht so viel Pedal."

:hahaha:
Unbekannt Samstag, 15. Oktober 2011, 13:17
Oh sorry, das war ein falscher Smiley. Ich lern´s noch...

:thumbup:
Unbekannt Samstag, 15. Oktober 2011, 15:02
Was ist denn bei der Kuijken Platte drauf? Streichquartett, habe ich gelesen, Violinsonate, Trio - die Cellosonate auch?

Ja, die Cellosonate auch, und Syrinx.

Unbekannt Samstag, 15. Oktober 2011, 15:12
... aber ich möchte wie immer darauf hinweisen, dass manchmal der Griff zu alten Aufnahmen sowohl was das Instrumentarium, als auch was die viel unprätentiösere, erdigere Spielweise betrifft in die Nähe von nicht vorhandenen HIP-Aufnahmen führt.


In Sachen Debussy fällt mir da zuallererst Désiré-Émile Inghelbrecht ein, der noch sehr nahe dran war an der Klangwelt des Komponisten - diese Aufnahmen finde ich sehr beeindruckend!



Oder diese Aufnahme von Pelleas & Melisande von Roger Desormière - unter extremem Zeitdruck an nur drei Tagen 1941 gemacht - der totale Wahnsinn, und fantastischer Klang mit nur einem Mikrofon!

Unbekannt Montag, 17. Oktober 2011, 15:40
In Sachen Debussy fällt mir da zuallererst Désiré-Émile Inghelbrecht ein,


Krass! Wer ist die denn?! Kenne ich zu meiner Schande gar nicht. :hide:
Unbekannt Montag, 17. Oktober 2011, 15:41
Ist das überhaupt ne "sie"?? Wieso heißt der Desiré??
Unbekannt Dienstag, 18. Oktober 2011, 19:35
Keine Ahnung .... Wiki.fr ... aber es gibt ja auch deutsche Männer, die Maria heißen.
Unbekannt Freitag, 21. Oktober 2011, 16:21
Auf dem Cover ist aber ´n Er!!

Gibt ja auch Camille Claudel und Camille Saint-Saens, sogar in gleicher Schreibung. Die spinnen, die Gallier...

:P
Unbekannt Donnerstag, 1. Dezember 2011, 22:52
Claude Debussy (1862-1918): Le Tombeau de Debussy
Berceuse heroique; Etüden (Heft 1 & 2); Pour l'Oeuvre du "Vetement du Blesse"; Elegie; Les soirs illumines par l'ardeur du charbon
Malipiero: Lento
Dukas: La plainte, au loin, du faune
Bartok: Sostenuto, rubato
Roussel: L'accueil de Muses
Falla: Homenaje pour Guitare
Strawinsky: Fragment des Symphonies pour instruments a vent - a la memoire de C. A.Debussy
Jan Michiels, Klavier



Irgendwie hören sich die Klangbeispiele nach historischem Klavier an - Michiels hat ja schon auf solchen CDs gemacht ...
Unbekannt Mittwoch, 7. Dezember 2011, 23:44
Jan Michiels spielt auf der CD Le Tombeau de Debussy einen Érard von 1892 - das Besondere an diesem Klavier ist, dass es noch mit paralleler Saitenbespannung gebaut wurde. Érard hat wegen der Beliebtheit der auf diese Weise konstruierten Klaviere bei vielen damaligen Pianisten (z.B. Paderewsky) noch eine kleine Anzahl um die Jahrhundertwende gebaut, die sehr begehrt waren. Dieses hier wurde von Chris Maene und peinlichster Beachtung der Verwendung historisch authentischer Materialien restauriert. Es hat eine ausgesprochen dunkle Klangfarbe, aber trotzdem erhebliche Durchschlagskraft und Klarheit, nicht eigentlich weich, sondern wie als ob sich die Töne alle miteinander verbinden, anstatt nebeneinander zu stehen. Es ist ein nur schwer zu beschreibender, eigenartiger Klang, wie er selbst mir von historischen Klavieren neu war.

Das Programm der CD ist sehr klug gewählt: Michiels spielt alle 12 Études, den letzten großen Klavierzyklus von Debussy, der weit seltener als die anderen gespielt wird, obwohl er fast noch origineller ist. Wo Chopin, Liszt, Skrjabin u.a. ihre Etüden am Anfang ihrer Karriere zur Unterstreichung ihrer virtuosen Fähigkeiten schrieben, hat Debussy seine 1915, drei Jahre vor seinem aufgrund seiner Erkrankung vorauszusehenden Tod geschrieben, mit über 50 Jahren - in jedem Stück geht er sehr schnell über die reine Fingerübung hinaus und schreibt "richtige" Musik, die gleichwohl technisch von extrem hohem Schwierigkeitsgrad ist (und vielleicht dewegen nicht so beliebt) und in jedem Stück ein bestimmtes technisches Problem angeht. Sozusagen eine Verbindung von Lehrwerk und einer kompositorischen Summa seines Lebens. Der Klang des historischen Flügels wirft ein anderes Licht auf diese Stücke - die große Fingerfertigkeit rückt zugunsten der anspruchsvollen musikalischen Gestaltung in die zweite Reihe, was der Musik gut steht.

Die anderen kurzen Stücke von Debussy auf dieser CD stammen ebenfalls aus seinen letzten Lebensjahren, zwei davon sind sehr selten zu hören, oft in den sog. Kompletteinspielungen seines Klavierwerks nicht berücksichtigt.

Die Stücke anderer Komponisten sind eine Auswahl der Hommages an Debussy zwei Jahre nach seinem Tod, der am Ende des ersten Weltkrieges nicht so große Aufmerksamkeit fand, von der Zeitschrift La Revue Musicale 1920 als Beilage publiziert. Solche Sammlungen gab es öfter - hier in ihrem ursprünglichen Kontext wirken diese Stücke wesentlich eindringlicher. Im Kontacxt anderer Werke der gleichen Komponisten wirken diese oft kurzen Stücke immer etwas verloren. Leider gibt es vollständige Einspielungen solcher Sammlungen sehr selten.

Eine sehr empfehlenswerte CD!