Unbekannt
Dienstag, 12. Oktober 2010, 10:29
Das Cembalokonzert BWV 1052 führte hier einst zu Missverständnissen, deshalb haben Archie & ich uns hingesetzt und erst einmal ein paar Übersichten fabriziert, die als Grundlage für künftige Diskussionen dienen können.
Da die Listen weder vollständig noch endgültig sein können, möchten wir sie offenhalten und je nach Gelegenheit ergänzen.
Hier also der Überblick über die verschiedenen Fassungen von BWV 1052, das Werk in der Fachliteratur, die Rekonstruktionsversuche und die Einspielungen als Violinkonzert.
Zur besseren Orientierung die Reihenfolge der Entstehung aller Konzerte für ein Cembalo etc. & b. c. und die Vorlagen (so ähnlich auch in Rampe/Sackmann):
1. g-moll BWV 1058 – Konzert für Violine etc. a-moll BWV 1041
2. d-moll BWV 1059 (nur wenige Takte) – d-moll-Konzert für Oboe etc.?
------------------
3. d-moll BWV 1052 – d-moll-Konzert f. Violine etc.
4. E-Dur BWV 1053 – D-/F-/Es-Dur-Konzert f. Oboe/Oboe d’amore/Viola etc.?
5. D-Dur BWV 1054 – Konzert für Violine etc. E-Dur BWV 1042
6. A-Dur BWV 1055 – A-Dur-Konzert für Oboe d’amore/Viola etc.?
7. f-moll BWV 1056 – g-moll-Konzert f. Violine/Oboe etc.
8. F-Dur BWV 1057 – Brandenburgisches Konzert Nr. 4 BWV 1049
BWV 1052 - Die Fassungen und ihre Quellen
BWV 1052: „Concerto à Cembalo concertato, due Violini, Viola e Cont. di Bach”
Die am weitesten ausgearbeitete Fassung. Die linke Hand ist sehr selbständig, zahlreiche Stimmen hinzukomponiert.
Erhalten
1. im Partituren-Autograph aller Konzerte für 1 Cembalo, Streicher & b. c. (BWV 1052–1058, nach einem merkwürdigen Bruch folgen die ersten Takte von BWV 1059, das wohl nicht weiter komponiert wurde) an erster Stelle; Solostimme während der Niederschrift häufig, Streicher selten geändert.
2. nahezu identisch als Stimmensatz aus CPE Bachs Nachlass.
BWV 1052a: eher einfacher, ‚ursprünglicher‘, die Solostimme hat sehr viel mehr mit einer Violinstimme gemein als das in BWV 1052 der Fall ist.
Als Stimmensatz in CPE Bachs Handschrift überliefert.
BWV 146,1: Sinfonia der Kantate „Wir müssen durch viel Trübsal“
1. Satz = Orgel statt Cembalo, veränderte bzw. angepasste Solostimme (enger mit 1052a als mit 1052 verwandt, linke Hand wie bei 1052a eher eine Imitation eines Melodieinstruments), Holzbläser hinzugefügt;
BWV 146,2: 2. Konzertsatz verändert mit Choreinschüben.
Die Kantate ist lediglich in zwei Abschriften erhalten.
BWV 188,1: Kantate „Ich habe meine Zuversicht“.
Hier tauchen nur Teile des 3. Satzes im Eingangssatz auf. Fragmentarisches Autograph.
Die Fassungen in der Literatur
(Die Literaturangaben sind verkürzt. Bei Bedarf werden sie vollständig geliefert.)
Wilhelm Rust (Bach Gesamtausgabe 1851-1899, Bd. 17):
Übertragung eines verlorengegangenen Violinkonzerts. 1052a ließe das deutlicher erkennen (leere Saiten, Arpeggien, Umfang etc., linke Hand). Reihenfolge der Entstehung: 1052a erste, gröbere Bearbeitung, dann BWV 142, schließlich 1052.
Philipp Spitta (J. S. Bach, 1873-1880):
selbe Meinung wie Rust bzgl. ürspünglichem Violinkonzert.
Johannes Schreyer (Beiträge zur Bach-Kritik, 1913):
1052 und alles andere nicht von Bach (Oktav- und Quintparallelen, Verdoppelungen, Stimmkreuzungen etc.; mangelnde Ernsthaftigkeit der Sinfonia in BWV 146; 146,2 sei konfus und ohrenmarternd).
Arnold Schering (Bach-Jahrbuch 1912, 1913):
BWV 146 nicht von Bach, 1052 aber höchstwahrscheinlich schon (Wer sonst hätte so etwas schreiben können?).
Adolf Aber (Studien zu J. S. Bachs Klavierkonzerten, 1912):
1052 von JSB, 1052a möglicherweise von CPEB. Korrekturen im Autograph zeigten, dass es sich ursprünglich um ein Violinkonzert handelte. Das Ursprungs-Violinkonzert stamme wegen der rein virtuosen Soli und anderer Auffälligkeiten nicht von Bach (Vivaldi?).
Rudolf Wustmann (Joh. Seb. Bachs Kantatentexte, 1913):
BWV 146 von Bach, möglicherweise unter Mitarbeit der ältesten Söhne.
Johannes Schreyer (Allgemeine musikalische Zeitung, 1914):
Nur 1060 von Bach, alle anderen Clavierkonzerte nicht.
Paul Hirsch (Bach-Jahrbuch 1929 & 1930):
BWV 1052 von JSB, 1052a von CPEB. Das zugrunde liegende Violinkonzert bereits Bearbeitung eines Konzerts für Viola d’amore (weder JSB noch Vivaldi). BWV 146 sei aus BWV 1052 hervorgegangen.
Hermann Keller (Orgelwerke 1948, Klavierwerke 1950):
Aufgrund der konzentrierten thematischen Verarbeitung komme niemand außer JSB für BWV 1052 in Frage.
Alfred Dürr (Musica, 1953):
Schließt sich Keller an.
Rudolf Stefan (Musica, 1953):
Widerspricht Schreyer und Aber. BWV 1052 sei echt.
Ulrich Siegele (Kompositionsweise und Bearbeitungstechnik…, 1975):
konzentriert sich auf die Frage nach der Urheberschaft des Violinkonzerts und geht davon aus, dass JSB aufgrund der ungewöhnlich virtuosen Solostimme dafür nicht in Frage kommt. Vielmehr hätte er ein Konzert eines „unter starken italienischem Einfluss stehenden Meisters“ zunächst wiederum zu einem Violinkonzert umgearbeitet, worauf erst die Bearbeitungen für Tasteninstrumente erfolgte.
Werner Breig (Bachs Violinkonzert d-Moll. in Bach-Jahrbuch 1976):
Die Ripieno-Behandlung im 3. Satz lege nahe, dass dieser auf eine noch frühere (Violinkonzert-)Fassung zurückgehen könne. Bach habe in Köthen ein fremdes Violinkonzert dergestalt umgearbeitet, dass ein Violinkonzert mit zwei übernommenen Außensätzen und einem eigenen hinzukomponierten Mittelsatz entstanden sei.
Die wohl gründlichste Untersuchung des Materials, die an der Herkunft aus ursprünglich für Violine geschriebenen Sätzen kaum noch Zweifel lassen kann.
Beiträge zum Konzertschaffen J. S. Bachs (Symposiumsband 1981):
Darin werden auch die sich den Referaten anschließenden Diskussionen wiedergegeben, bei denen es bisweilen auch um BWV 1052 geht.
Breig verteidigt seine Darstellung vorsichtig. Andere sind der Ansicht, dass es sich bei den Vorlagen für BWV 1052 um Originale Bachs handele.
Werner Breig: Zum Kompositionsprozeß in Bachs Cembalokonzerten (in: Johann Sebastian Bachs Spätwerk und dessen Umfeld, 1988):
„...dem ein Violinkonzert gleicher Tonart zugrundeliegt...“ Die Frage nach der Bestimmung der Vorlage wird nicht mehr gestellt, die Urheberschaft hier ausgeklammert.
Siegbert Rampe & Dominik Sackmann: Bachs Orchestermusik, 2000:
„Für die Cembalokonzerte BWV 1052 und den ersten Satz von BWV 1056 steht eine ursprüngliche Konzeption für Violine angesichts idiomatischer Spielfiguren unter Verwendung leerer Saiten außer Frage.“
Fazit: Alle Konzerte für ein Cembalo, Streicher & b. c. sind Umarbeitungen von Konzerten für Violine (oder Oboe oder so) etc.
BWV 1052-1057 spiegeln unterschiedliche Aspekte der Problembehandlung durch JSB wider. BWV 1058 fällt mit etwas einfacherer Machart dagegen etwas aus dem Rahmen. BWV 1059 wurde begonnen, aber möglicherweise wegen der zu komplex gewählten Umarbeitungsmethode nicht weiter geführt. Auch hatte Bach vermutlich das Interesse an einer im Hinblick auf das zu erwartende Resultat so aufwändigen Arbeit verloren.
Gerade BWV 1052 zeigt sehr deutlich die verschiedenen Ansatzpunkte: In 1052a, der möglicherweise ersten Fassung bleibt die Violinstimme bis auf ein paar Umlegungen wg. der Umfänge erhalten; die linke Hand spielt weitgehend den B. c. mit. Ähnlich bei den Kantatensätzen (146,1 und 146,2 sowie 188,1), in denen die linke Hand des Organisten ohne allzu viele Umarbeitungen die Stimme der Violine übernimmt, die Orgel also Melodieinstrument bleibt.
Die ernsthafte Adaption an das Cembalo als Soloinstrument scheint für Bach eine völlig andere Angelegenheit gewesen zu sein. Hier kommt nicht nur über weite Strecken neues Material für die linke Hand hinzu, beide Hände werden vielmehr vielstimmig eingesetzt, füllen den Satz erheblich auf; der Bass wirkt im Vergleich mit den früheren Versionen sehr emanzipiert. Das widerspricht deutlich der Annahme, dass Tasteninstrumente im Barock allgemein und bei Bach im besonderen ‚austauschbar‘ gewesen seien.
Entstanden sind die Cembalo-Konzerte kurz vor 1740. Demnach fallen sie zeitlich etwa mit der zweiten Übernahme des Collegium Musicum zusammen, für das sie von praktischem Nutzen gewesen wären.
Fraglich ist allein die Urheberschaft der Vorlage zu BWV 1052. Aber höchstwahrscheinlich ist auch hier JSB der Autor, der in einer früheren Phase der Beschäftigung mit dem italienischen Concerto (in Köthen oder schon in Weimar?) durchaus mehr Wert auf die Virtuosität als auf die später vorherrschende thematische Durcharbeitung gelegt haben kann. BWV 1052 als Violinkonzert ist ein ausgesprochen schweres Stück, aber in seiner Urform auf jeden Fall nichts anderes als ein Violinkonzert gewesen.
Da die Listen weder vollständig noch endgültig sein können, möchten wir sie offenhalten und je nach Gelegenheit ergänzen.
Hier also der Überblick über die verschiedenen Fassungen von BWV 1052, das Werk in der Fachliteratur, die Rekonstruktionsversuche und die Einspielungen als Violinkonzert.
Zur besseren Orientierung die Reihenfolge der Entstehung aller Konzerte für ein Cembalo etc. & b. c. und die Vorlagen (so ähnlich auch in Rampe/Sackmann):
1. g-moll BWV 1058 – Konzert für Violine etc. a-moll BWV 1041
2. d-moll BWV 1059 (nur wenige Takte) – d-moll-Konzert für Oboe etc.?
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3. d-moll BWV 1052 – d-moll-Konzert f. Violine etc.
4. E-Dur BWV 1053 – D-/F-/Es-Dur-Konzert f. Oboe/Oboe d’amore/Viola etc.?
5. D-Dur BWV 1054 – Konzert für Violine etc. E-Dur BWV 1042
6. A-Dur BWV 1055 – A-Dur-Konzert für Oboe d’amore/Viola etc.?
7. f-moll BWV 1056 – g-moll-Konzert f. Violine/Oboe etc.
8. F-Dur BWV 1057 – Brandenburgisches Konzert Nr. 4 BWV 1049
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BWV 1052 - Die Fassungen und ihre Quellen
BWV 1052: „Concerto à Cembalo concertato, due Violini, Viola e Cont. di Bach”
Die am weitesten ausgearbeitete Fassung. Die linke Hand ist sehr selbständig, zahlreiche Stimmen hinzukomponiert.
Erhalten
1. im Partituren-Autograph aller Konzerte für 1 Cembalo, Streicher & b. c. (BWV 1052–1058, nach einem merkwürdigen Bruch folgen die ersten Takte von BWV 1059, das wohl nicht weiter komponiert wurde) an erster Stelle; Solostimme während der Niederschrift häufig, Streicher selten geändert.
2. nahezu identisch als Stimmensatz aus CPE Bachs Nachlass.
BWV 1052a: eher einfacher, ‚ursprünglicher‘, die Solostimme hat sehr viel mehr mit einer Violinstimme gemein als das in BWV 1052 der Fall ist.
Als Stimmensatz in CPE Bachs Handschrift überliefert.
BWV 146,1: Sinfonia der Kantate „Wir müssen durch viel Trübsal“
1. Satz = Orgel statt Cembalo, veränderte bzw. angepasste Solostimme (enger mit 1052a als mit 1052 verwandt, linke Hand wie bei 1052a eher eine Imitation eines Melodieinstruments), Holzbläser hinzugefügt;
BWV 146,2: 2. Konzertsatz verändert mit Choreinschüben.
Die Kantate ist lediglich in zwei Abschriften erhalten.
BWV 188,1: Kantate „Ich habe meine Zuversicht“.
Hier tauchen nur Teile des 3. Satzes im Eingangssatz auf. Fragmentarisches Autograph.
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Die Fassungen in der Literatur
(Die Literaturangaben sind verkürzt. Bei Bedarf werden sie vollständig geliefert.)
Wilhelm Rust (Bach Gesamtausgabe 1851-1899, Bd. 17):
Übertragung eines verlorengegangenen Violinkonzerts. 1052a ließe das deutlicher erkennen (leere Saiten, Arpeggien, Umfang etc., linke Hand). Reihenfolge der Entstehung: 1052a erste, gröbere Bearbeitung, dann BWV 142, schließlich 1052.
Philipp Spitta (J. S. Bach, 1873-1880):
selbe Meinung wie Rust bzgl. ürspünglichem Violinkonzert.
Johannes Schreyer (Beiträge zur Bach-Kritik, 1913):
1052 und alles andere nicht von Bach (Oktav- und Quintparallelen, Verdoppelungen, Stimmkreuzungen etc.; mangelnde Ernsthaftigkeit der Sinfonia in BWV 146; 146,2 sei konfus und ohrenmarternd).
Arnold Schering (Bach-Jahrbuch 1912, 1913):
BWV 146 nicht von Bach, 1052 aber höchstwahrscheinlich schon (Wer sonst hätte so etwas schreiben können?).
Adolf Aber (Studien zu J. S. Bachs Klavierkonzerten, 1912):
1052 von JSB, 1052a möglicherweise von CPEB. Korrekturen im Autograph zeigten, dass es sich ursprünglich um ein Violinkonzert handelte. Das Ursprungs-Violinkonzert stamme wegen der rein virtuosen Soli und anderer Auffälligkeiten nicht von Bach (Vivaldi?).
Rudolf Wustmann (Joh. Seb. Bachs Kantatentexte, 1913):
BWV 146 von Bach, möglicherweise unter Mitarbeit der ältesten Söhne.
Johannes Schreyer (Allgemeine musikalische Zeitung, 1914):
Nur 1060 von Bach, alle anderen Clavierkonzerte nicht.
Paul Hirsch (Bach-Jahrbuch 1929 & 1930):
BWV 1052 von JSB, 1052a von CPEB. Das zugrunde liegende Violinkonzert bereits Bearbeitung eines Konzerts für Viola d’amore (weder JSB noch Vivaldi). BWV 146 sei aus BWV 1052 hervorgegangen.
Hermann Keller (Orgelwerke 1948, Klavierwerke 1950):
Aufgrund der konzentrierten thematischen Verarbeitung komme niemand außer JSB für BWV 1052 in Frage.
Alfred Dürr (Musica, 1953):
Schließt sich Keller an.
Rudolf Stefan (Musica, 1953):
Widerspricht Schreyer und Aber. BWV 1052 sei echt.
Ulrich Siegele (Kompositionsweise und Bearbeitungstechnik…, 1975):
konzentriert sich auf die Frage nach der Urheberschaft des Violinkonzerts und geht davon aus, dass JSB aufgrund der ungewöhnlich virtuosen Solostimme dafür nicht in Frage kommt. Vielmehr hätte er ein Konzert eines „unter starken italienischem Einfluss stehenden Meisters“ zunächst wiederum zu einem Violinkonzert umgearbeitet, worauf erst die Bearbeitungen für Tasteninstrumente erfolgte.
Werner Breig (Bachs Violinkonzert d-Moll. in Bach-Jahrbuch 1976):
Die Ripieno-Behandlung im 3. Satz lege nahe, dass dieser auf eine noch frühere (Violinkonzert-)Fassung zurückgehen könne. Bach habe in Köthen ein fremdes Violinkonzert dergestalt umgearbeitet, dass ein Violinkonzert mit zwei übernommenen Außensätzen und einem eigenen hinzukomponierten Mittelsatz entstanden sei.
Die wohl gründlichste Untersuchung des Materials, die an der Herkunft aus ursprünglich für Violine geschriebenen Sätzen kaum noch Zweifel lassen kann.
Beiträge zum Konzertschaffen J. S. Bachs (Symposiumsband 1981):
Darin werden auch die sich den Referaten anschließenden Diskussionen wiedergegeben, bei denen es bisweilen auch um BWV 1052 geht.
Breig verteidigt seine Darstellung vorsichtig. Andere sind der Ansicht, dass es sich bei den Vorlagen für BWV 1052 um Originale Bachs handele.
Werner Breig: Zum Kompositionsprozeß in Bachs Cembalokonzerten (in: Johann Sebastian Bachs Spätwerk und dessen Umfeld, 1988):
„...dem ein Violinkonzert gleicher Tonart zugrundeliegt...“ Die Frage nach der Bestimmung der Vorlage wird nicht mehr gestellt, die Urheberschaft hier ausgeklammert.
Siegbert Rampe & Dominik Sackmann: Bachs Orchestermusik, 2000:
„Für die Cembalokonzerte BWV 1052 und den ersten Satz von BWV 1056 steht eine ursprüngliche Konzeption für Violine angesichts idiomatischer Spielfiguren unter Verwendung leerer Saiten außer Frage.“
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Fazit: Alle Konzerte für ein Cembalo, Streicher & b. c. sind Umarbeitungen von Konzerten für Violine (oder Oboe oder so) etc.
BWV 1052-1057 spiegeln unterschiedliche Aspekte der Problembehandlung durch JSB wider. BWV 1058 fällt mit etwas einfacherer Machart dagegen etwas aus dem Rahmen. BWV 1059 wurde begonnen, aber möglicherweise wegen der zu komplex gewählten Umarbeitungsmethode nicht weiter geführt. Auch hatte Bach vermutlich das Interesse an einer im Hinblick auf das zu erwartende Resultat so aufwändigen Arbeit verloren.
Gerade BWV 1052 zeigt sehr deutlich die verschiedenen Ansatzpunkte: In 1052a, der möglicherweise ersten Fassung bleibt die Violinstimme bis auf ein paar Umlegungen wg. der Umfänge erhalten; die linke Hand spielt weitgehend den B. c. mit. Ähnlich bei den Kantatensätzen (146,1 und 146,2 sowie 188,1), in denen die linke Hand des Organisten ohne allzu viele Umarbeitungen die Stimme der Violine übernimmt, die Orgel also Melodieinstrument bleibt.
Die ernsthafte Adaption an das Cembalo als Soloinstrument scheint für Bach eine völlig andere Angelegenheit gewesen zu sein. Hier kommt nicht nur über weite Strecken neues Material für die linke Hand hinzu, beide Hände werden vielmehr vielstimmig eingesetzt, füllen den Satz erheblich auf; der Bass wirkt im Vergleich mit den früheren Versionen sehr emanzipiert. Das widerspricht deutlich der Annahme, dass Tasteninstrumente im Barock allgemein und bei Bach im besonderen ‚austauschbar‘ gewesen seien.
Entstanden sind die Cembalo-Konzerte kurz vor 1740. Demnach fallen sie zeitlich etwa mit der zweiten Übernahme des Collegium Musicum zusammen, für das sie von praktischem Nutzen gewesen wären.
Fraglich ist allein die Urheberschaft der Vorlage zu BWV 1052. Aber höchstwahrscheinlich ist auch hier JSB der Autor, der in einer früheren Phase der Beschäftigung mit dem italienischen Concerto (in Köthen oder schon in Weimar?) durchaus mehr Wert auf die Virtuosität als auf die später vorherrschende thematische Durcharbeitung gelegt haben kann. BWV 1052 als Violinkonzert ist ein ausgesprochen schweres Stück, aber in seiner Urform auf jeden Fall nichts anderes als ein Violinkonzert gewesen.
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