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Beethovens Musik für Klavier und Orchester (HIP)

Unbekannt Sonntag, 4. April 2010, 10:31
Neben den bekannten 5 Klavierkonzerten komponierte Beethoven noch eine Alternativfassung des Violinkonzertes D-Dur op. 61 für Klavier (op. 61), das sogenannte Tripelkonzert op. 56, die bekannte Chorfantasie (op.80) und hinterliess ein Fragment eines Klavierkonzertes in Es-Dur sowie ein (ursprüngliches?) Rondo für das Klavierkonzert B-Dur op. 19.

Chronologisch gelistet schaut das so aus:

1784 - Klavierkonzert Nr. 0 Es-Dur WoO 4
1788 - Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 19 (revidiert 1801)
1793 - Rondo B-Dur WoO 6
1795 - Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15 (revidiert 1800)
1800 - Klavierkonzert Nr. 3 c-moll op. 37
1805 - Konzert f. Klavier, Violine u. Violoncello op. 56
1806 - Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58
1807 - Klavierkonzert Nr. 6 D-Dur op. 61a
1809 - Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73
1809 - Chorfantasie op. 80

Neuere Gesamteinspielungen inkludieren gelegentlich sowohl das Konzert Nr. 6 (eigentlich das 4,5te Konzert) wie auch das Rondo B-Dur WoO 6 und (seltener, in einer rekonstruierten Orchester-Fassung) das 0. Klavierkonzert Es-Dur WoO 4.

Als 'Klassiker' kann durchaus die Einspielung der 5 offiziellen Konzerte durch Steven Lubin gelten:



Ludwig van Beethoven (1770-1827)
The Piano Concertos

The Academy of Ancient Music
Christopher Hogwood

Steven Lubin verwendet verschiedene Instrumente:

Für die Konzerte Nr. 1 und 2 bespielt er hier den Nachbau eines Anton-Walter-Flügels von c1795 von Roger J. Regier. Da dieses Instrument den Anforderungen des später komponierten Kadenzen nicht gerecht wird, spielt Lubin in beiden Fällen eigene Kadenzen. Für das 3. Klavierkonzert kommt ein von Christopher Clarke nachgebautes Instrument aus dem Hause Johann Fritz zum Einsatz, auf welchem Beethovens eigene Kadenzen erklingen. Für das 4. und 5. Konzert wird ein Nachbau eines Conrad-Graf-Flügels, erbaut wiederum von Regier, verwendet. Lubin orientiert sich bei den Kadenzen weitestgehend an den von Beethoven komponierten.

Als 'Füllmaterial' werden hier nicht die als Frühwerke zu definierenden WOo 4 und/oder 6 gegeben, sondern Soloklaviersonaten: die Sonate cis-moll op. 27 Nr. 2 (Mondscheinsonate), jene als Pathétique bekannte in c-moll op. 13 sowie die Sturmsonate d-moll op. 31 Nr. 2. Für die drei moll-Sonaten wird durchgehend der Walter-Nachbau genommen.

Die Box ist vergleichsweise preiswert zu haben und von durchgehend sehr hoher Qualität. Hier klingen die Konzerte kraftvoll und durchaus so, wie sich der Komponist dies gewünscht haben mag.

Nicht immer jedoch bot sich Beethoven die Gelegenheit, mit 'vollem Orchester' aufzuführen. Graf Lobkowitz jedoch ermöglichte es dem Komponisten, im heute nach er Uraufführung der 3. Sinfonie in Es-Dur 'Eroica' benannten Saales im Palais, verschiedene Werke (in minimierter Besetzung) aufzuführen. Neben der bereits erwähnten 3. Sinfonie erklang hier auch erstmals das 4. Klavierkonzert G-Dur op. 58 in der oroginalen Orchesterfassung erstmals im März 1807 im privaten Rahmen. Wohl um diese Zeit (kurz darauf) muß die auf Streicherbegleitung reduzierte Fassung für 2 Violinen, 2 Bratschen und Violonzell entstanden sein, um sie ebenfalls im 'kleinen Rahmen' im Palais ausführen zu können. Die Reduktion der Stimmen nahm Franz Alexander Pössinger (Hofgeiger) vor - Beethoven selbst nahm die Veränderungen und Anpassungen an mehr als 80 Stellen vor, womit diese Fassung als authorisiert anzusehen ist.

Robert Levin hat diese Fassung mit Mitgliedern des Orchestre Révolutionaire et Romantique eingespielt:



Die Kadenzen hat Robert Levin frei improvisiert. Außerdem ist eine ebenfalls authorisierte Fassung der 2. Sinfonie D-Dur op. 36 für die Besetzung Klavier, Violine u. Violonzell enthalten, die sehr hörenswert ist.

Unter der Leitung John Eliot Gardiners hat Robert Levin natürlich die fünf Klavierkonzerte in voller Besetzung nebst der Chorfantasie op. 80 eingespielt:



Die Konzerte sind auch (resp. z. Zt. nur) als Einzelausgaben zu haben: eine CD mit den Konzerten 1 und 2, eine weitere mit den Konzerten 3 und 4, sowie eine dritte mit dem letzten Konzert und der Chorfantasie. Ich besitze (vorerst) nur diese Einzelausgabe, die mich aber sehr zufrieden stellt:



Die Chorfantasie wird hier mit zwei zusätzlichen alternativen Introduktionen präsentiert. Gespielt wird auf einem originalen Instrument aus der Werkstatt Salvatore Lagrassas von 1812. Die Kadenzen sind m. W. frei improvisiert.

Die Gegebenheiten des Eroica-Saales inspirierten Arthur Schoonderwoerd und sein Ensemble Cristofori zu einem Experiment, das darin besteht, die Klavierkonzerte mit solistischer Streicherbesetzung und vollem Bläserapparat einzuspielen. Zwischenzeitlich sind drei Alben mit allen 6 (!) Klavierkonzerten erschienen - den Anfang machten die Konzerte 4 & 5, die für einigen Wirbel in der Klassikszene sorgten:



als nächstes erschienen die Konzerte 3 & 6



und jüngst die noch ausstehenden Konzerte 1 & 2:



Schoonderwoerd nimmt den Konzerten unter Beibehaltung deren innerer Größe die schier unüberwindbar geglaubte Monstrosität und lässt sie zu gar intimen Freunden werden. Diese Edition hat meine zunächst oberflächliche Wertschätzung der Konzerte runderneuert und stark vertieft. Bespielt wird überwiegend ein in Schoonderwoerds Privatbesitz befindliches Originalinstrument von Johann Fritz (erbaut etwa1807/1810). Die Kadenzen improvisiert Schoonderword in allen Fällen frei (ich durfte das betreffend der Konzerte 4 & 5 live erleben). Für das 3. Konzert c-moll wurde ein Nachbau eines Anton-Walter-Flügel verwendet. Die Hörerfahrung dieser exotischen Einspielungen kann man wohl kaum in aller Kürze treffender formulieren als der Kollege Schmidt. Im übrigen gibt es hier und hier entsprechend ausführliche Anmerkungen von mir bezüglich dieser Editionen. Über neue Projekte werde ich Ende Mai näheres in Erfahrung bringen (zunächst werde ich Schoonderwoerds Mozartkonzerte live erforschen).

Interessiert hatte mich dann auch die Edition der Chursächsishcen Philharmonie, eine (angebliche) Ersteinspielung auf historischen Instrumenten - gespielt von Mario-Ratko Delorko am Hammerflügel Domenico Perrotta 1795. Bei mir blieb es bei der Anschaffung des Vol. 1, da mich insbesondere das Frühwerk Es-Dur WoO 4 interessierte:



Nach längerem Hin und Her habe ich jedoch festgestellt, daß die Einspielgeschwindigkeit bei der Pressung fehlerhaft war, d.h. um etwa 1/3 zu lahm. Eine Korrektur machte dann die grausamen Klänge einigermaßen erträglich. Dennoch insgesamt sehr unbefriedigend.

Ronald Brautigam als HIP-Experte darf hier nicht fehlen: Zwar spielt er die Konzerte auf modernen Instrumenten und lässt sich auch - ganz hervorragend - von einem modernen Orchester begleiten, aber die Ergebnisse sind durchaus überzeugend. Auch hier sind in der zwischenzeit (alle) drei Alben erschienen und verfügbar:





Die beiden Alben mit den Konzerten 1 & 3 und 0 & 2 besitze ich. Die Rekonstruktion des Konzertes Es-Dur WoO 4 erfolgte hier von Ronald Brautigam persönlich, auch das frisch erklingende (Ersatz-?) Rondo B-Dur WoO 6 ist enthalten. Die Ausgabe des 4. Klavierkonzerts enthält zudem die Einspielung des Klavierkommafünfkonzertes D-Dur op. 61a.

Die Kadenzen stammen, soweit überliefert, von Beethoven, was mich im Falle des 1. Satzes von op. 15 doch in Anbetracht des humoristischen Abschlusses leicht verwunderte...

Bezüglich des Tripelkonzertes op. 56 sind zweckdienliche Hinweise äußerst wünschenswert!

:angel:
Unbekannt Sonntag, 4. April 2010, 14:00

Als 'Klassiker' kann durchaus die Einspielung der 5 offiziellen Konzerte durch Steven Lubin gelten: ...
Als 'Füllmaterial' werden hier nicht die als Frühwerke zu definierenden WOo 4 und/oder 6 gegeben, sondern Soloklaviersonaten: die Sonate cis-moll op. 27 Nr. 2 (Mondscheinsonate), jene als Pathétique bekannte in c-moll op. 13 sowie die Sturmsonate d-moll op. 31 Nr. 2. Für die drei moll-Sonaten wird durchgehend der Walter-Nachbau genommen.

Das "Füllmaterial" hat diese Einspielung erst bei der preiswerteren Wiederveröffentlichung bekommen - die Original-Box enthielt nur die fünf Konzerte.
Gerade die Verwendung verschieder Klaviere analog zu den Entwicklungen im Klavierbau der Zeit, die Beethoven sehr anschaulich mitvollzogen hat, macht diese Aufnahme für mich sehr wertvoll. Da ist es nur logisch, wenn Lubin seine eigenen Kadenzen spielt.
Unbekannt Sonntag, 4. April 2010, 14:04
Mir ist die Aufnahme der Beethoven-Konzerte mit Jos van Immerseel, Bruno Weil und dem Tafelmusik Orchester immer eine der liebsten neben Lubin und Schoonderwoerd geblieben:






Auch Immerseel wählte Klaviere, die dem Tonumfang der von Beethoven verwendeten Instrumente entsprechen und improvisierte seine eigenen Kadenzen, die mich mehr überzeugen als die der Kollegen. Seine Begründung für seine Instrumentanwahl und die Art der Improvisation im Begleittext einer der CDs liest sich sehr überzeugend, z.B.: Er setzt sich der gleichen Beschränkung aus wie Beethoven, der in einem Konzert hartnäckig den höchsten Ton des Flügles anschlagen lässt, wie um seinen Unmut zu verkünden, dass er nicht höher hinaus kann - ein Spielgefühl, dass auf einem moderneren Flügel mit größerem Tonumfang verlorengeht.
Unbekannt Sonntag, 4. April 2010, 14:06
... und hier hat's noch eine schöne Aufnahme der Chorfantasie mit Bruno Weil, in sehr gelungener Kombination mit Liszt's Beethoven-Kantate:

Unbekannt Sonntag, 4. April 2010, 14:14
Mir ist die Aufnahme der Beethoven-Konzerte mit Jos van Immerseel, [...]


Da kommt ja wohl hoffentlich nach dem IMO großen Wurf mit den Sinfonien noch ein Schwung mit Anima Eterna!? Ich besitze jedenfalls noch einen Konzertmitschnitt aus dem Konzerthaus Berlin, live, August 2008. Da spielt Immerseel neben Mozarts Figaro-Ouvertüre und Schuberts C-Dur-Sinfonie D944 (die er beide freilich nur dirigiert...) das Konzert C-Dur op. 15, begleitet allerdings vom Orchestra of the 18th Century.

:wink:
Unbekannt Sonntag, 4. April 2010, 17:23
Ich glaube kaum, daß Immerseel die ganzen Beethoven-Konzerte oder Schubert-Sinfonien noch einmal aufnimmt. Die Beethoven Sinfonien hatte er bei SONY begonnen, die 5. und 9. gab es, als das Label ausstieg. Daß er die Werke im Repertoire behält, ist logisch, und unabdingbar, um Konzerte geben zu können.
In letzter Zeit lässt er ja oft andere Klavier spielen ... ich würde mir eher die restlichen Tschaikowsky-Sinfonien wünschen und dessen Klavierkonzerte, da gibt es mit am wenigsten in HIP.
Unbekannt Sonntag, 4. April 2010, 18:05
Es gibt ja auch noch die Einspielung mit Melvyn Tan, begleitet von den London Classical Players unter der Leitung von Roger Norrington. Eingespielt wurden die 5 Klavierkonzerte und die Chorphantasie. Ich mag Tans perlendes Klavierspiel sehr gern, nicht so gut gefällt mir Norringtons i-wie heruntergekühltes und tendenziell nüchtern-neutrales Dirigat (Ausnahme ist das 1. Klavierkonzert, das hier ganz herausragend dramatisch und effektvoll musiziert wird, sowie die Chorfantasie). Leider kann ich nicht sagen, welche/s Instrument/e Tan spielt, weil das in meiner Ausgabe nicht vermerkt ist. Es handelt sich um diese mit einem unendlich häßlichen Cover versehene Box:



Enthalten sind neben den erwähnten Orchsterwerken auch noch die Variationen WoO 17, die Bagatellen op. 33, op. 119 und op. 126, die Fantasie op. 77 und die Variationen über »Rule Britannia« WoO 79.

Die Klavierkonzerte ohne jedes »Beiwerk« gibts auch auf dieser Doppel-CD:



Die Klavierkonzerte 1 und 3 hat auch Mary Verney auf einem schmalbrüstigen historischen Klimperkasten (Baujahr und Hersteller weiß ich nicht mehr, weil ich die Scheiben längst wieder abgestoßen hab') begleitet von der Hanover Band eingespielt. Den Taktstock hat damals Monica Huggett geschwungen. Die Interpretationen als solche hab' ich als weder besonders gut noch als grottig in Erinnerung - grottig ist aber die Balance zwischen Soloinstrument und Orchester, wobei ersteres zwischenzeitlich bis zur Unkenntlichkeit vom Orchestersound überdeckt wird.

Die Einspielungen sind offensichtlich nicht mehr am Markt erhältlich.

Am liebsten sind mir die Einspielungen mit Lubin unter Hogwood, gefolgt von Levin unter Gardiner. Schoonderwoerd habe ich nur mit 4 + 5 - die Interpretation des 5. finde ich ganz hervorragend, die des 4. sehr, sehr gut. Die CD mit dem 3. hab ich nicht gekauft, weil's mir gar nicht zugesagt hat - muss ich vielleicht nochmals i-wo reinhören ...

Viele Grüße,
Medard
Unbekannt Sonntag, 4. April 2010, 19:45
Tan & Norrington fand ich damals ziemlich enttäuschend - einerseits weil sie die Möglichkeit der Verwendung verschiedener Klaviere nicht genutzt haben, und zum anderen weil die Interpretation doch recht pauschal ausfiel - sowohl vom Orchester als auch vom Solisten her gesehen. Im Vergleich zu den anderen - Immerseel, Lubin, Schoonderwoerd - doch etwas dahingeplätschert, nicht so konsequent durchgestaltet.

Verney & Hannover Band - da ist die Riesenhallenakustik der Kirche, in der damals aufgenommen wurde, schlicht unpassend. Wenn man Stefan Weinzierls Untersuchungen über die Konzerträume Beethovens in Wien gelesen hat, ist das völlig unakzeptabel.
Unbekannt Dienstag, 6. April 2010, 23:13


Ich habe mir heute spontan diese CD zugelegt. Gerade der 3. Satz von Nr. 1 zählt zu meinen Lieblingsstücken von Beethoven - ich fand das Tempo erst a bissl zu langsam, aber das legte sich nach dreimaligem Hören.
Bei diesen beiden Konzerten finde ich die solistischen Streicher zu leise - den Kontrabass kann man nur ahnen (spielt da überhaupt einer mit?). Wenn ich in die Partitur sehe, müsste da an manchen Stellen etwas zu hören sein, an der ich nur Bläser hören kann. Es klingt mir zu sehr nach einem Konzert für Klavier mit Harmoniemusik. Es ist natürlich toll, die Bläser hier so differenziert zu hören, aber etwas mehr Saitenklang möchte ich schon. Spielerisch habe ich nichts, rein gar nichts auszusetzen.
Unbekannt Montag, 12. April 2010, 22:56
Bei diesen beiden Konzerten finde ich die solistischen Streicher zu leise - den Kontrabass kann man nur ahnen (spielt da überhaupt einer mit?).


Da würd' ich aber nochmal genauer hinhören - bei mir streichts nur so...

:angel:
Unbekannt Samstag, 15. Mai 2010, 16:09
Hallo!

Zumindest die Klavierkonzerte Beethovens (Nr. 1-6) habe ich schon einige Zeit komplett in HIP.
Für mich war das Hören der ersten Schoonderwoerd-CD mit den Konzerten Nr. 4+5 ein echtes Ereignis, das meine bisherigen Hörgewohnheiten gehörig umgekrempelt hat. Diese Aufnahme ist maßgeblich daran mit Schuld, daß ich mich immer mehr der historischen Aufführungspraxis zugewendet habe.
Als die Aufnahme mit dem 3. und 6. Konzert herauskam, hatte ich sie mir sofort gekauft. Und die Interpretation des 3. Konzerts finde ich ebenso hervorragend gelungen wie die des 4. und 5. (bei op. 61a fehlt mir nur irgendwie die Violine...).
Die ersten beiden Konzerte besitze ich in der Aufnahme Levin/Gardiner, die ich auch sehr schätze (Schoonderwoerd habe ich mir da noch nicht gekauft).

Im Tamino-Forum wurden die Schoonderwoerd-Aufnahmen ja stark diskutiert, wobei viele interessante Beiträge wie dieser oder dieser und auch noch weitere entstanden. Vielleicht lohnt sich ja wieder ein eigener thread über den Niederländer (und sein Ensemble)?

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Sonntag, 16. Mai 2010, 20:18
Vielleicht lohnt sich ja wieder ein eigener thread über den Niederländer (und sein Ensemble)?


Warte mal ab. Am Pfingstmontag treffe ich die Familie Cristofori in Montfaucon mit Mozart KV 482, 491 und 551... da werde ich bestimmt etwas von mir lesen lassen.

:angel:
Unbekannt Montag, 7. Juni 2010, 12:22
Wie war das Pfingsttreffen?

Ich würde mir ja sehr wünschen, dass Schoonderwoerd das Tripelkonzert macht - das haben alle ausgelassen, wirklich alle, außer dem Collegium aureum. Momentan ist auch wieder ein bezahlbares Exemplar im Angebot. Badura-Skoda zählte diese CD mal zum Besten, was er je gemacht hätte. Das Orchester ist nicht zu groß, die Balance gut, der Interpretationsgestus immer noch sehr ansprechend.

Unbekannt Montag, 7. Juni 2010, 12:29
Wie war das Pfingsttreffen?


So. ;)
Unbekannt Sonntag, 30. Januar 2011, 22:32
Bezüglich des ersten Clavierconcertes ist mir schon mehrfach eine 'komische Stelle' in der Schoonerwoerdschen Einspielung aufgefallen. Ich habe mich im Schoonderwoerd-Thread dazu geäußert, wie folgt:

Zitat


So, dann wäre das auch mal geklärt:



Ich höre da bei 4'54" / 4'55" im ersten Satz des Ersten stets einen 'falschen' Ton im Clavier... Nachschauen hat geholfen: in der Paritur steht fis³ in T. 172 (wobei ich meiner vorliegenden Peters Edition vor anno dazumal nicht unbedingt so viel Vertrauen schenke - könnte also auch sein, daß der Ton im Laufe der Publikationsgeschichte irgendwann einmal geradegebogen wurde) - Schoonderwoerds HIPpomat hat diese Taste jedenfalls nicht, er spielt zwangsläufig f³ - was soll er auch sonst tun...

:beatnik:

Diese Vorgehensweise ist natürlich bei Beethoven HIPtechnisch belegt: z.B. bei den 13 Variationen über "Es war einmal ein alter Mann" aus Dittersdorfs "Das rote Käppchen" WoO 66 ist das fis³ der Verzierung in T. 31 der Variation X zu f³ aufgelöst (das ist mir des neulichs einmal seltsam beim versehentlichen Durchspielen aufgefallen) , was auch leicht ominös klingt und eigentlich keinen Sinn ergibt, außer eben, man benutzt ein bis zum f³ beschränktes Instrument... in dem Fall kam mir das sehr entgegen.

:D


Da es mir nachfolgend eher um das Werk selbst als den oder die Interpreten geht, schreibe ich iste locus weiter.

Zur Verdeutlichung meiner Entdeckung bezüglich WoO 66 nachfolgend die entsrpechenden Takte:



Beim Clavierconzert geht es um diese Stelle:



Man müßte eigentlich die autographe Partitur betreffend dieses einen Tones untersuchen. Meine flüchtige Kenntnisnahme des mir vorliegenden zweifelhaften Partiturdrucks (auch vergleichbar mit jenem, welcher in der IMSLP verfügbar ist) offenbarte mir jedenfalls, daß das fis³ im ersten Clavierkonzert nur ein einziges Mal vorkommt. Das ist schon etwas merkwürdig. Sicher ist es denkbar, daß (und vielleicht auch nachprüfbar, ob) Beethoven über ein Instrument verfügte, welches das fis³ (ggfs. g³) inkludierte, dann aber hätte er doch - gerade in einem C-Dur-Concert! - die höchsten Töne mehr ausgereizt, sonst würde er seinem Namen Unehre machen... Auch in op. 19 ist f³ der höchste Ton (das Concert wurde zwar vor op. 15 komponiert, aber erst später als 'zweites' - wohl sicher überarbeitet - herausgegeben). Es könnte also durchaus sein, daß das f³, welches Schoonderrwoerd spielt, originär ist und im Laufe der Editionsgeschichte 'ausgebessert' wurde, weil es bei Einszueinsumsetzung gemäß vorangehender Stellen eben ein fis³ sein müsste. Leider habe ich die Platte mit den Concerten 1 & 2 (Schoonderwoerd) bei Amazon als mp3 gekauft, da war kein Packzettel dabei. Vielleicht findet jemand, der im Besitz der Original-CD ist, etwas zu dieser Thematik im Booklet?

Mag sein, daß ich hier falsch liege und daß es wirklich bloß am eingeschränkten Tonumfang des von Schoonderwoerd benutzten Instrumentes liegt. Aber ich würde hier sogar eine Wette eingehen... (damit wären alle Interpretationen, in denen ein fis³ gespielt wurde, eigentlich falsch...)

:wink:

Nachtrag: Ich habe in der Angelegenheit den Meister - also Schoonderwoerd (...) - persönlich befragt und harre der Antwort...
Unbekannt Montag, 31. Januar 2011, 10:37
Aber ich würde hier sogar eine Wette eingehen...


Die ich wohl gewonnen hätte... Arthur Schoonderwoerd bestätigt soeben per eMail (knapp, aber einleuchtend - in Manier seiner Cadenzen), daß im Erstdruck f - kein fis - notiert ist.

:!:
Unbekannt Montag, 31. Januar 2011, 13:44
Ich meine mal gelesen zu haben, dass das Klavier, das Beethoven für dieses Konzert zur Verfügung hatte, eben nur bis zum f ging. Warum er die Passage (wenn das dieselbe ist) nicht komplett anders komponiert hat, weiß ich nicht. Harmonisch gehörte ein fis hin, aber das gab es eben nicht. In den meisten späteren Ausgaben ist das wohl "korrigiert".

JK jr.
Unbekannt Montag, 31. Januar 2011, 14:42
Genau dies finde ich eben bei Beethoven so interessant: daß einfach die nächst darunter liegende zur Verfügung stehende Taste genommen wird... das ist sehr unorthodox, wenn man mit Mozarts Clavierkonzerten vergleicht (die er ja auch gekannt hat), bei denen ebenfalls das f³ die Begrenzung nach oben war, was Mozart allerdings stets dazu veranlasst hat, entsprechende Phrasen umzukomponieren, so daß zwar nachwievor das f³ als höchster Ton integriert war, aber keine Misstöne entstanden (im Gegenteil wurde sogar durch die Varianten der entsprechenden Phrase für Abwechslung gesorgt). Am Beispiel von WoO 66 ist aber deutlich zu erkennen, daß Beethoven da den kürzeren Weg wählte - quasi mit dem Kopf durch die Wand, was wiederum zu ihm passt.

Möglicher Weise hat Beethoven ja auch bei der Aufführung mit einem auf f³ begrenzten Instrument frei etwas anderes - passendes - improvisiert, was allerdings dem (aufgelösten) f³ im Erstdruck widerspäche, es sei denn, die Verleger gingen allgemein davon aus, daß f³-begrenzte Instrumente soetwas wie Standard waren (wovon ich auch mal ausgehe). Und an dieser Stelle kommt wieder Deine Aussage zum tragen, warum die entsprechende Stelle dann nicht gleich so geschrieben wurde, daß es spielbar war...

Interessant wird es aber, wenn man die Anekdote der Uraufführung hinzuzieht, gemäß der das Instrument, auf dem Beethoven spielen sollte, einen halben Ton zu tief (gestimmt) war und kurzfristig vor der Aufführung nicht mehr umgestimmt werden konnte. Folglich soll Beethoven das Conzert in Cis-Dur gespielt haben. Das würde dazu führen, daß er ein Instrument mit fis³ resp. g³ zur Verfügung gehabt haben muß (jedenfalls während dieser Aufführung); oder aber, er hat wieder entsprechend umimprovisiert, was wir heute leider nicht mehr nachprüfen können. Das 'gestimmt' habe ich bewußt in Klammern gesetzt - es kann nämlich sein, daß es lediglich verstimmt war: in dem Fall wäre aber das Instrument in sich auch verstimmt gewesen und die ganze Anekdote nicht haltbar.

:wink:
Unbekannt Dienstag, 1. Februar 2011, 22:11
Ich habe jetzt einmal die Conzerte 3ff. gehört und partiturlesend mitverfolgt. Ab dem Dritten geht es doch spürbar mehr in die Höhe (vgl. nacholgender Artikel), so daß davon auszugehen ist (und nachweislich ist es ja auch so gewesen), daß Beethoven ab dieser Zeit wohl ein anderes, tonumfangreicheres, Instrument gehabt haben muß. Interessant, daß diese Stelle im Ersten nie von ihm rückwirkend geändert wurde. Aber das mag wohl daran gelegen haben, daß immer nur die neuesten Werke von Interesse waren. Ich habe den Passus jetzt auch harmonisch analysiert und mehrfach gespielt: meines Erachtens geht sowohl f als auch fis, wobei die f-Version sicher an Gewöhnung bedarf, weil man es anders kennt.

Interessant - geradezu freudeverströmend - ist aber der Effekt, der dadurch entsteht, daß die Melodie zunächst vermindert erscheint und bei der Reprise dann quasi 'richtig'. Solche Effekte gibt es ja nun auch bewußt gesetzt, z. B. bei Mozart, KV 537, Satz 3: Takt 89ff. (aufgelöstes) c bei den Streichern, Takt 97ff. cis (!) im Clavier. Im Prinzip ein schlichter moll/Dur-Wechsel, wobei es (mir) eher auf den betonten Ton ankommt, der mal aufgelöst, mal mit Vorzeichen erklingt und letzteres eine wahrhafte Erlösung ist: Licht an! Das kann ich nun auch bei op. 19 so empfinden.

Wie schön mal wieder, daß es HIP gibt. Ohne die Beschränktheit der Instrumente wäre dies wohl (zumindest mir) nie aufgefallen. Das hat mich jetzt regelrecht HIPnotisiert.

HIP. Da werden sie geholfen.

:wink:
Unbekannt Mittwoch, 2. Februar 2011, 21:53
[Vermutlich steht die Clavierchronologie in irgendeinem der Fachbücher, das mir noch nicht geschenkt wurde. Für mich war das Nachfolgende eine größere Recherchearbeit...]

Während seiner Jugendzeit in Bonn verwendete Beethoven das Cembalo, das Clavichord und die Orgel. Für die Zeit ab seinem endgültigen Wienaufenthalt lassen sich folgende Instrumente aus seinem Besitz und/oder Eigentum nachweisen:

c1794-1802/1803 - Walter

Zu dieser Zeit benutzte Beethoven einen Hammerflügel von Johann Walter (1752-1826). Walterflügel muß Beethoven, wie dereinst der College Mozart, so überaus geschätzt haben, daß er dem Clavierbauer sogar 30 Dukaten bot, wenn er ihm ein Instrument nach seinen Mindestvorgaben baue (üblicher Weise wurde der Meister damit beschenkt, wie es sich gehört):

Sie können mein Lieber Z[meskall] dem Walter meine Sache immerhin in einer starken Dosis geben, indem er's erstens ohnedem verdient, dann aber drängt sich seit den Tägen, wo man glaubt, ich bin mit Walter gespannt, der ganze Klawiermacher schwarm, und will mich bedienen – und das umsonst, jeder von ihnen will mir ein Klawier machen, wie ich es will, so ist Reicha von demjenigen, von dem er sein Klawier hat, innigst gebeten worden, mich zu bereden, daß <ich>er mir dörfe ein piano forte machen, und das ist doch einer von den Brawern, wobey ich schon gute Instrumente gesehen – sie geben ihm also zu verstehen, daß ich ihm 30 # bezahle, wo ich es von allen andern umsonst haben kann, doch gebe ich nur 30 # mit der Bedingung daß es von Mahaghoni sey, und den Zug mit einer Saite will ich auch dabey haben, – geht er dieses nicht ein, so geben sie ihm unter den Fuß, daß ich einen unter den andern aussuche, dem ich dieses angebe, und den ich derweil auch zum Haydn führe, um ihn dieses sehen zu machen – heute kömmt ein fremder Franzose zu mir gegen zwölf uhr volti Subito da hat herr <walt> r.[eicha] und ich das vergnügen, daß ich auf dem piano von[Johann] Jakesch meine kunst zeigen muß – ad notam – wenn sie auch kommen wollten, so würden wir unß gut unterhalten, weil wir hernach Reicha, unser Miserabiler reichs-Baron auch, und der Franzose zusammen speisen – sie brauchen keinen Schwarzen Rok anzuziehen, da wir nur unter Männer sind –
[Zitiert nach TastenWiki, Artikel zu Anton Walter]

Zu diesem Deal ist es aber – angeblich aufgrund der Erfüllungsunfähigkeit Walters - nie gekommen. Die una-corda-Mechanik war gerade relativ frisch von der Insel herübergeschwappt. Darunter versteht man eine komplizierte Technik, welche ein Verschieben der Mechanik bewirkt mit der Folge, daß das Spielen auf nur einer von damals üblichen zwei bis drei Saiten ermöglichte.

Technische Daten
Tonumfang: 5 Oktaven (FF - f3)

Zuordenbare Werke
Clavierkonzert C-Dur op. 15 (1795/1800)
Clavierkonzert B-Dur op. 19 (1788/1801)
Clavierkonzert c-moll op. 37 (1800/1803)

1803 - Érard

Beethoven erhält von Sébastien Érard (1752-1831) einen Érard-Flügel zum Geschenk. Dieses Instrument schenkte Beethoven etwa 1824/25 seinem Bruder Nikolaus Johann van Beethoven (1776-1848), welcher es seinerseits 1845 dem Oberösterreichischen Landesmuseum in Linz übereignete. Heute befindet sich das Instrument als Leihgabe im Kunsthistorischen Museum Wien.

Technische Daten
Tonumfang: 5 ½ Oktaven (FF- c4)
Gimmicks: 4 Pedale (una corda, due corde, Lautenzug, Fagottzug)

Zuordenbare Werke
Clavierkonzert c-moll op. 37 (1800/1803)
Clavierkonzert G-Dur op. 58 (1804/1807)
Tripelkonzert D-Dur op. 56 (1804/1805)
Clavierkonzert D-Dur op. 61a (1807)
Chorfantasie c-moll op. 80 (1808/1809)
Clavierkonzert Es-Dur op. 73 (1809)

Ein interessanter (englischer) Artikel zur Bedeutung des Érard in Beethovens Schaffen ist hier als *pdf abrufbar: http://em.oxfordjournals.org/content/XXX/4/523.full.pdf

Dieses Instrument war für Beethoven in Relation zu seinem oben an Walter gerichteten Wunsch quasi eine Übererfüllung: nach dem Erhalt des Èrard-Flügels setzte Beethoven die Möglichkeit des una-corda- und due-corde-Spielens auch prompt im Clavierkonzert G-Dur op. 58 um (vgl. Cadenz im 2. Satz) um.

1804 - (André) Stein

Während seines Aufenthaltes im August und September 1804 in Oberdöbling spielt Beethoven ein Instrument von André Stein, siehe auch weiter unten zu Nannette Streicher née Stein.

1815 - Schantz/Seuffert

Johann Schantz (1762-1826) und Martin Seuffert (1772-1847):

Mein werther V[arena].!
Nicht wohl, sehr beschäftigt war es mir nicht möglich mich selbst zu erkundigen, bis gestern – nun meine Resultate Von Schanz können sie ein so gutes piano, als er sie nur immer zu liefern im Stande ist, für den Preiß von 400 fl. W.W. Sammt Emballage mit 6 – 8 ven haben – Seiffert verlangt 460 würde es wohl auch um 400 geben – Es giebt aber noch Brave meister, wie ich höre, wo man ein gutes dauerhaftes auch noch ziemlich unter dem Preiß von 400 fl. bekommen könnte. – das ist aber nicht alles gleich geschwind ausgesucht, gefunden – gut – wie sie es von Rechtswegen haben müßen. – daher müste ich mehr Zeit haben – Antworten sie mir nun bald ob sie derley Preise genehmigen, alsdenn haben sie in einigen Wochen ein gutes dauerhaftes Piano. – ...

[Zitiert aus dem TastenWiki-Artikel zu Martin Seuffert]

(Franz) Martin Seuffert (1772-1847) war in der ersten Dekade des 19. Jahrhunderts Geselle bei Anton Walter (1752-1826) und ab c1811 Inhaber einer eigenen Clavierproduktion. Er verband sich 1827 mit Johann Seidler (1791-1848) zu Seuffert & Seidler.


1817 - Nannette Streicher née Stein

Beethoven bestellt ein Instrument bei Nanette Streicher (1769-1833), Tochter von Johann Andreas Stein (1728-1792), kauft es aber nicht. Streichers Gemahl, Johann Andreas (1761-1833) wiederum wartete Beethovens Instrumente, Nanette Beethovens Haushalt.

1818 - Broadwood

Broadwoods Eintrag vom 27. Dezember 1817:
Taken today from our London warehouse, a 6-octave grande pianoforte, number 7362, tin and deal case. Beneficiary: Mr. Ludwig van Beethoven, master composer of music in Vienna. To be shipped to his current residence at Mödling, near Vienna Austria, via Trieste.

Beethoven, der dem Instrument mehrere Umbauten zukommen ließ (welche ihn aber nie zufrieden stellten), behielt das Instrument bis zu seinem Tode 1827. Das Instrument wurde dann an den Verleger C. Anton Spina (1790-1857) verkauft. 1845 übereignete Spina das Instrument Franz Liszt (1811-1886), der es in seinem Haus in Weimar beheimatete, bis er es 1874 dem ungarischen Nationalmuseum spendete. 1991 wurde das Instrument wieder in einen bespielbaren Zustand versetzt. Angeblich hat Melvyn Tan auf diesem Instrument die Conzerte eingespielt, ggfs. handelt es sich um diese Einspielung (?).

Technische Daten
Tonumfang: 6 Oktaven (CC – c4)
Gimmicks: 2 Pedale (una corda, Lautenzug)

Worin die Vorzüge dieses Instrumentes für Beethoven zu suchen sind, müßte noch näher erörtert werden. In Sachen Dynamik war dies womöglich eher ein Rückschritt.

1826 - Graf

24.Januar: Beehoven erhält von Conrad Graf (1782-1851), welchem er den Broadwood-Flügel zur Reparatur gab, ein vierchöriges Leihinstrument, welches nach Beethovens Ableben an den Verleiher zurückgegeben wurde.

Technische Daten
Tonumfang: 6 ½ Oktaven (CC – f4)
Gimmicks: 5 Pedale (una corda, due corde, tre corde, Fagottzug, Dämpfer)

Dieses Instrument ermöglichte nun eine quasi stufenlose Lautstärkeregelung: bei dem vierchörigen Instrument konnte optional ein-, zwei-, drei- oder viersaitig gespielt werden.

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Meine Recherche nach Joseph Böhm (c1786-c1841) blieb leider bisher ergebnislos. Konkludent kann man aber wohl in zwei Gruppen teilen und behaupten, daß für die Conzerte 1 und 2 grundsätzlich ein Walter(ähnliches)instrument, für die Conzerte ab Nr. 3 ein Érard(ähnlicher)flügel historisch korrekt ist (wobei op. 37 sicher ein Grenzfall ist). Interessanter dürfte die Betrachtung bei den Soloclavierwerken und bei der Kammermusik mit Clavier werden.

:wink:

[wird ggfs. noch ergänzt]
Unbekannt Sonntag, 6. Februar 2011, 10:57
Konkludent kann man aber wohl in zwei Gruppen teilen und behaupten, daß für die Conzerte 1 und 2 grundsätzlich ein Walter(ähnliches)instrument, für die Conzerte ab Nr. 3 ein Érard(ähnlicher)flügel historisch korrekt ist (wobei op. 37 sicher ein Grenzfall ist).


Hogwood / Lubin halten sich an dieses Schema in erweiterter Form:

Zitat


[Zitiert von oben]

Für die Konzerte Nr. 1 und 2 bespielt er hier den Nachbau eines Anton-Walter-Flügels von c1795 von Roger J. Regier. Da dieses Instrument den Anforderungen des später komponierten Kadenzen nicht gerecht wird, spielt Lubin in beiden Fällen eigene Kadenzen. Für das 3. Klavierkonzert kommt ein von Christopher Clarke nachgebautes Instrument aus dem Hause Johann Fritz zum Einsatz, auf welchem Beethovens eigene Kadenzen erklingen. Für das 4. und 5. Konzert wird ein Nachbau eines Conrad-Graf-Flügels, erbaut wiederum von Regier, verwendet. Lubin orientiert sich bei den Kadenzen weitestgehend an den von Beethoven komponierten.


Wenn man bedenkt, daß Beethoven dieses Instrument wohl nicht mehr gehört hat, ist allerdings die Wahl eines Conrad-Graf (Nachbaus) nicht eben schlüssig, wohl aber sehr klangschön. Logischer wäre die Verwendung eines Broadwood gewesen, zumal Beethoven nach meinen Recherchen englische Instrumente bevorzugte.

:wink:
Unbekannt Montag, 7. Februar 2011, 00:52
Meines Wissens hat Beethoven Graf auch seinen Broadwood reparieren oder überholen lassen, welche Gelegenheit Graf dankbar nutzte, um sich einiges von seinem englischen Kollegen abzuschauen.
Unbekannt Montag, 7. Februar 2011, 07:45
Meines Wissens hat Beethoven Graf auch seinen Broadwood reparieren oder überholen lassen, welche Gelegenheit Graf dankbar nutzte, um sich einiges von seinem englischen Kollegen abzuschauen.


s.w.o.:

Zitat

1826 - Graf

24.Januar: Beehoven erhält von Conrad Graf (1782-1851), welchem er den Broadwood-Flügel zur Reparatur gab, ein vierchöriges Leihinstrument, welches nach Beethovens Ableben an den Verleiher zurückgegeben wurde.


:wink:
Unbekannt Samstag, 8. Oktober 2011, 14:45
Haha! 8)) Niemand hat die Einspielung mit Anthony Newman - wie heißen die? - Philomena musica oder so ähnlich erwähnt!

Gibt´s bei amazon. Ich habe 1,2 und 5 und die Chorfantasie. Das ist - da gibt´s nur ein Wort - urig!

Das ist aus einer Zeit, als HIP noch ein Abenteuer war, etwa wie mit Karte und Machete durch den Urwald zu gehen, und entsprechend klingen die Aufnahmen, wie eine Truhe, die 500 Jahre auf dem Grund des Meeres gelegen hat aussieht. Irgendwie freakig.Wer für Perfektion ist, ist hier wohl falsch, aber es gibt interessante Denkanstösse: der langsame Satz von op. 15 hat ja doch ´ne Melodie! Man muss es nur schnell genug spielen.

:music:
Unbekannt Samstag, 8. Oktober 2011, 14:59
Philomusica antiqua heißen die. Sorry.