Unbekannt
Donnerstag, 3. März 2011, 13:41
Bachs einziger Beitrag zur Gattung der groß angelegten Orgel-Passacaglia ist Höhepunkt und zugleich Abgesang. Das Modell, schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nicht mehr besonders en vogue, wird unmodern und taucht erst sehr viel später hie und da wieder auf, dann meist als Huldigung an Bach und erst bei Max Reger wieder als halbwegs prominente Musik für die große Orgel. Zugegeben, der blutjunge Mendelssohn hat sich einmal mit einem sehr an Bach orientiertem Stück daran versucht.
Da schon die Struktur sowohl für die Gattung Passacaglia einzigartig ist als auch in Bachs Werk ohne Parallele dasteht, kurz ein Überblick:
Das achttaktige, stufenweise auf- und wieder absteigende Thema wird zunächst allein im Baß vorgestellt. Schon das hat es bisher nicht gegeben. Dass die erste Hälfte des Themas von André Raison stammt (und die zweite Hälfte aus einem anderen Werk Raisons), steht in jedem CD-Booklet und muss hier nicht weiter verfolgt werden.
Auf das Thema folgen 20 Variationen, die die herkömmlichen Pfade bisweilen verlassen und weit über das hinausgehen, was man an barocker Variationskunst aus dieser Zeit erwartet. Dabei scheint der Ablauf einer Gesamtdramaturgie zu folgen, die aus Spannungsaufbau und retardierenden Momenten zusammengesetzt ist und ganz offensichtlich keine durchgehende Entwicklung im Sinne einer bruchlosen Steigerung darstellt. So wird der Satz einmal bis zur Einstimmigkeit ausgedünnt, sogar der Themenbass schweigt. Dann wird das Thema im höchsten Sopran zitiert, worauf mit wuchtigen Akkordschlägen über dem Pedal urplötzlich eine ganz andere Stimmung einsetzt.
Aber das wird uns weiter unten noch beschäftigen.
Die Fuge – überschrieben einmal als „Thema fugatum“, ein anderes Mal als "Fuga cum subiectis" – schließt sich so unmittelbar an, dass sie kaum von den Variationen zu trennen ist: Der erste Ton des Themas, das aber nur die erste Hälfte des Passacaglia-Themas umfasst, erklingt im Schlussakkord der Passacaglia. Beigegeben werden zwei sofort, noch während der ersten Präsentation des eigentlichen Themas einsetzende Contrasubjekte (Themen, die nie allein, sondern immer im Verbund mit dem Hauptthema auftauchen). Wer hier eine Anspielung auf die Trinität vermutet, vermutet vermutlich richtig, aber damit sind wir noch nicht sehr weit gekommen.
Eine halbwegs sinnvolle Gliederung der 20 Variationen beschäftigt die Fachwelt seit langem, und bisher ist keine rundum befriedigende Deutung in Sicht.
Fortsetzung folgt
Da schon die Struktur sowohl für die Gattung Passacaglia einzigartig ist als auch in Bachs Werk ohne Parallele dasteht, kurz ein Überblick:
Das achttaktige, stufenweise auf- und wieder absteigende Thema wird zunächst allein im Baß vorgestellt. Schon das hat es bisher nicht gegeben. Dass die erste Hälfte des Themas von André Raison stammt (und die zweite Hälfte aus einem anderen Werk Raisons), steht in jedem CD-Booklet und muss hier nicht weiter verfolgt werden.
Auf das Thema folgen 20 Variationen, die die herkömmlichen Pfade bisweilen verlassen und weit über das hinausgehen, was man an barocker Variationskunst aus dieser Zeit erwartet. Dabei scheint der Ablauf einer Gesamtdramaturgie zu folgen, die aus Spannungsaufbau und retardierenden Momenten zusammengesetzt ist und ganz offensichtlich keine durchgehende Entwicklung im Sinne einer bruchlosen Steigerung darstellt. So wird der Satz einmal bis zur Einstimmigkeit ausgedünnt, sogar der Themenbass schweigt. Dann wird das Thema im höchsten Sopran zitiert, worauf mit wuchtigen Akkordschlägen über dem Pedal urplötzlich eine ganz andere Stimmung einsetzt.
Aber das wird uns weiter unten noch beschäftigen.
Die Fuge – überschrieben einmal als „Thema fugatum“, ein anderes Mal als "Fuga cum subiectis" – schließt sich so unmittelbar an, dass sie kaum von den Variationen zu trennen ist: Der erste Ton des Themas, das aber nur die erste Hälfte des Passacaglia-Themas umfasst, erklingt im Schlussakkord der Passacaglia. Beigegeben werden zwei sofort, noch während der ersten Präsentation des eigentlichen Themas einsetzende Contrasubjekte (Themen, die nie allein, sondern immer im Verbund mit dem Hauptthema auftauchen). Wer hier eine Anspielung auf die Trinität vermutet, vermutet vermutlich richtig, aber damit sind wir noch nicht sehr weit gekommen.
Eine halbwegs sinnvolle Gliederung der 20 Variationen beschäftigt die Fachwelt seit langem, und bisher ist keine rundum befriedigende Deutung in Sicht.
Fortsetzung folgt
... also eine detailliertere Fassung von "Geiringer 1966, Wolff 1969, Vogelsänger 1972, Klotz 1972, Radulescu 1979, Piet Kee 1982" ...