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Ave Maria - Vertonungen

Unbekannt Donnerstag, 30. Dezember 2010, 22:24
Hallo,

das Ave Maria ist eines der bedeutendsten Gebete der katholischen Kirche (auch der orthodoxen und anglikanischen) und wurde im Laufe der Musikgeschichte vielfach vertont. Da es auch zur Weihnachts-Liturgie gehört, paßt diese Threaderöffnung auch saisonal ganz gut. Die Anfangsworte "Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum" stammen denn auch aus dem Beginn des Lukas-Evankgeliums (1,28) - es sind die Grußworte des Erzengels Gabriel, der Maria die Geburt Jesu ankündigt. Es folgen zwei Zeilen aus Lukas 1,41 (Worte Elisabeths an Maria): "Benedicta tu in mulieribus, et benedictus fructus ventris tui."

Der ganze übliche Gebetstext ist folgender:

Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum;
benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Jesus [Christus].
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus,
nunc et in hora mortis nostrae. Amen.


Es gibt aber auch Ave-Maria-Vertonungen zu abweichenden Texten (z.B. zwei "Ave Maria...Virgo serena"-Varianten) - diese Seite in der Choral-Wiki bietet einige Textvarianten sowie eine Liste einiger Vertonungen.
Darüber hinaus gibt es noch weitere dem Ave Maria inhaltlich nahestehende kurze lateinische Texte der Marienverehrung, die ebenfalls häufig vertont wurden, so z.B. "Ave maris stella" oder "Ave virgo" (hiervon auch mehrere Varianten) etc. Auch diese Vertonungen können hier besprochen werden.

Ich werde dann in nächster Zeit unsystematisch einige von mir favorisierte Ave Maria-Vertonungen vorstellen. Wer möchte, kann dies auch tun.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Donnerstag, 30. Dezember 2010, 23:25
Guten Abend

eine schöne "Ave maris stella" Vertonung aus der Sammlung "Harmonia Caelestris" von 1711 für Sopran, Violine, zwei Gamben und B.c. des ungarischgen Fürsten Pal Esterhazy ist auf dieser



CD mit Nuria Rial und Bell'Arte Salzburg eingespielt, in strophischer Abwechslung mit dem Gesang des Hymnus musizieren alternierend zwei Gamben aus einer "Ave maris stella-Vertonung" von C. Caresana. Eine weitere Vertonung des Hynmus "Ave maris stella" von Girolamo Frescobaldi habe ich auf dieser



CD mit Philipps Jarouski und dem Ensemble Artaserse vorliegen. der Hymnus stammt aus Frescobaldis "il secondo libro di toccate, canzone,..." vom 1617.

Nicht zu vergessen ist die Vertonung des Hynmus "Ave maris stella" durch Cl. Monteverdis in seiner Marienvesper von 1610.


Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Freitag, 31. Dezember 2010, 11:51
Guten Tag

Johann Joseph Fux hat rund 400 geistliche komponiert, ein schönes "Ave Maria" habe ich vom Ensemble Armonico Tributo und dem Altus Carlos Mena auf dieser



CD eindrucksvoll eingespielt. Ein weiteres "Ave Maria" von Fux, ebenfalls von Mena gesungen, aber vom Ricercar consort begleitet, höre ich gerne auf dieser



CD.

Von Iacobus Regnart habe ich ein kurzes "Ave Maria"



vom Ensemble Weser Renaissance schlicht aufgenommen.

Gruß :wink:

aus der Kurpfalz

Bernhard
Unbekannt Freitag, 31. Dezember 2010, 16:22
Hallo,

zu meinen liebsten "Ave Maria"s gehört definitiv die frühe polyphone Vertonung von Johannes Brassart (ca.1400-ca.1450). Die vierstimmige Motette folgt einer weitren Textvariante, die auf oben verlinkter Choral-Wiki-Seite nicht vorhanden ist. Beim Googeln bin ich auf eine Ave Maria-Webseite gestoßen, die auch Brassarts Werk mit Text listet - http://avemariasongs.org/aves/B/Brassart.htm
Die vierstimmige Motette im Stil der frühen Frankoflamen wird in der Christophorus-Aufnahme instrumental begleitet; dabei wird eine Stimme von einer Fidel übernommen - klingt sehr schön:



Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Donnerstag, 6. Januar 2011, 19:30
Hallo,

mein mit Abstand liebstes Ave Maria und auch sonst für mich ein "musikalisches Schönheitsideal" ist die Vertonung von Josquin Desprez. Die Vertonung ist allerdings nicht korrekt, denn es gibt mehr als ein Ave Maria von ihm - gemeint ist jenes, in dem Maria in der zweiten Zeile als "virgo serena" besungen wird. Es gibt und ich kenne mehrere Aufnahmen des Stücks, und am schönsten finde ich die des Hilliard Ensemble. Das Tempo ist langsam gewählt, sie singen das Stück erstaunlich gefühlvoll und das abschließende "Amen" wie gehaucht. :angel:



Vermutlich entstand die Motette 1497, als Josquin den Auftraggeber Kardinal Ascanio auf einer Pilgerfahrt begleitete, zeitlich nahe der Komposition der Missa de Beata Virgine, die ebenfalls eine solch erhabene schöne Ruhe verströmt.

Viele Grüße,
Martin.
Unbekannt Donnerstag, 6. Januar 2011, 20:09


Track 11: Glorioese Vierge Marie

lg vom eifelplatz, Chris.


PS: Ich weiß nicht, ob es paßt - wenn nicht, bitte löschen.